Alte Mu : 3,1 Millionen Euro als Grundlage für die Verhandlungen

Viel Grün, viel Platz, viel Gemeinschaft:  Auf der großen Tafel vor der Alten Mu haben die Aktiven ihre Vision vom kreativen Dorf festgehalten. Die Stadt hofft auf sozial geförderten Wohnraum.
Viel Grün, viel Platz, viel Gemeinschaft: Auf der großen Tafel vor der Alten Mu haben die Aktiven ihre Vision vom kreativen Dorf festgehalten. Die Stadt hofft auf sozial geförderten Wohnraum.

Das Land legte jetzt den Verkehrswert für die Immobilie fest, in der zahlreiche Alternativprojekte ein Domizil gefunden haben. Im Herbst läuft die Übergangsregelung ab, eine dauerhafte Lösung findet viel Sympathie bei Stadt und Land.

shz.de von
09. Februar 2018, 18:37 Uhr

Grün ist die vorherrschende Farbe. Die Dächer nehmen nicht nur Rasen, kleine Beete und Sitzlandschaften auf, sondern sogar Sträucher und Bäume. An einer Idylle mitten in der Stadt arbeiten die aktiven Alternativen in der Alten Mu, dem früheren Gebäude der Muthesius-Kunsthochschule am Lorentzendamm. Und so, wie es aussieht, könnte ihr Traum vom „Kreativen Dorf“ bald Wirklichkeit werden.

Das Grundstück gehört bislang dem Land Schleswig-Holstein, soll aber abgegeben werden. Der ermittelte Verkaufswert liegt bei 3,1 Millionen Euro. Einzelheiten will der Finanzausschuss klären, im Zuge der Haushaltsberatungen könnte der Landtag noch in diesem Monat sein Okay geben. Die grundsätzliche Bereitschaft hatten die „Jamaikaner“ der Koalition bereits vertraglich erklärt. Dort hieß es, man wolle das Gelände „verwerten/verkaufen, damit die kreative Szene mit ihren innovativen Wohn- und Arbeitskonzepten eine dauerhafte Perspektive erhält“.

In der Alten Mu hat sich 2017 ein „Planungsbüro für urbane Transformation“ gegründet – mit dem ausdrücklichen, die vier Bereiche von Wohnen und Arbeit, Bildung und Kultur unter einem Dach zum Nutzen aller Beteiligten zu vereinen. Schon heute sind in der Alten Mu gut zwei Dutzend Projekte untergebracht (siehe Anhang). Die nächsten Monate sind entscheidend. Im Herbst läuft die mit der Stadt geschlossene Nutzungsvereinbarung in der Alten Mu aus. Nutzungskonzept, Raumplanung, Finanzrahmen heißen die Aufgaben der nahen Zukunft.

Dabei weiß die Alte Mu die Sympathien auf ihrer Seite. Auch die Stadt Kiel zeigt sich mit der Entwicklung äußerst zufrieden. „Die Alte Mu leistet mit ihrem Vorhaben einen kreativen Impuls zur nachhaltigen Stadtentwicklung“, heißt es in einer Erklärung. Die Öffnung der Alten Mu für Initiativen und Künstler schaffe die Grundlage für eine Entwicklung, die sich für die Innenstadt als „sehr reizvoll“ erweise. Wichtig ist für die Stadt allerdings, dass neben der alternativen Kultur- und Kreativwirtschaft sowie der Verbindung von Wohnen und Arbeit auch ein hoher Anteil an sozial gefördertem Wohnraum in der Alten Mu entsteht.

Das Rathaus geht davon aus, dass außer Personalkosten in der Verwaltung (Stichwort: Projektbegleitung) der Stadt keine weiteren Kosten entstehen. Der Nutzen wiederum ist nicht direkt messbar. Aber Verantwortliche wie Stadträtin Renate Treutel hatten stets betont, dass die alternative Szene eine große Bedeutung besitzt. Nicht nur für die Menschen vor Ort. Sondern auch für die Touristen. Sie setzen umso mehr Sterne hinter den Namen der Stadt, je bunter und vielfältiger ihnen die Szene vorkommt.

Projekte in der Alten Mu:
> Anne-Lena Cordts mit ihrer Fotografie;
> Atelier Mümelade: Kunst für Kinder;
> Backen & Schnacken – Gemeinschaftsofen Kiel;
> Bürger//Werk//Stadt als Planungsbüro;
> Das Kieler Tretwerk mit seinen Lastenrädern;
> Fahrradkinokombinat;
> Galerie Seepferdchen;
> Glückslokal: Nachhaltigkeit als Mitmachprojekt;
> Goldeimer mit Kompost-Toiletten;
> Grünkultur mit dem städtischen Gärtnern;
> Kieler Honig;
> Komore Sails: Werkstatt für Produkte aus Segeltuch;
> Kulturgrenzenlos;
> Lillebräu mit neuem Bier;
> Muddi Markt mit Förderung der nachhaltigen Entwicklung;
> No Collar: Siebdruck;
> Raum Station mit städtischem Design;
> Rostlatte mit Longboards für die Skater;
> Ruma: Strategien für den öffentlichen Raum;
> Thinkfarm: Kreativer Denkraum;
> Werk Statt Konsum: Offene Holzwerkstatt;
> Yoga in der Alten Mu;
> Zen 107: Meditation.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen