Prozess in Kiel : 27-Jähriger überfällt und vergewaltigt fast blinde Frau

Vor dem Kieler Landgericht gesteht der 27-Jährige die Tat.
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Der Versicherungsagent wurde vor dem Kieler Landgericht zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

„Ich hab sie gesehen, Zack, fertig“, schildert der bereits vorbestrafte Angeklagte seine Tat. Blindenstock und Armbinden will er nicht bemerkt haben. Laut Anklage suchte der Mann gezielt nach einem behinderten Opfer.

shz.de von
25. Februar 2014, 11:53 Uhr

Hardebek | Es ist eine perfide Tat: Auf einem Feldweg wird eine fast blinde Frau abgepasst, ins Gebüsch gezerrt und vergewaltigt. Seit Dienstag muss sich der mutmaßliche Peiniger vor dem Kieler Landgericht verantworten. Zu Prozessbeginn gestand der korpulente 27-Jährige in wenigen Worten die Tat. Den Blindenstock und die beiden Armbinden seines Opfers will er aber nicht bemerkt haben.

Dabei fuhr er laut Anklage zuvor im Schritttempo an ihr vorbei und wartete wenig später auf sie, um sie zu packen. „Es war eine Kurzschlussreaktion“, sagte er. „Ich hab sie gesehen, Zack, fertig.“ Erst am nächsten Tag „ist mir eingefallen, dass ich Riesenscheiß gebaut habe“. Daran, dass er das Opfer mit den Worten bedrohte: „Wehe, wenn Du mich anzeigst“, erinnerte er sich vor Gericht nicht. Er habe „nur leicht zugepackt. Sie hätte auch weglaufen können“, behauptete er.

Der Staatsanwalt sprach dagegen von einer besonders erniedrigenden Behandlung der ihm schutzlos ausgelieferten Frau. Ihr verzweifeltes Weinen will der Angeklagte nicht bemerkt haben. Die 30-Jährige ist Nebenklägerin in dem Verfahren. Das Gericht will sie aber nicht persönlich hören, um ihr eine erneute Belastung zu ersparen. Deshalb wird ihre Videoaussage vor der Polizei gezeigt werden.

Laut Anklage suchte der 27-Jährige gezielt nach einem behinderten Opfer, als er über die Frau am 24. Juni 2013 bei Hardebek südlich von Neumünster herfiel. Sie war auf einem Abendspaziergang. In der Nähe sind zwei Behinderteneinrichtungen. Er wurde knapp zwei Wochen nach der Tat festgenommen. Am Tatort fanden sich seine DNA-Spuren. Der Prozess wird am 5. März fortgesetzt. Der Mann ist einschlägig vorbestraft. Er sitzt in Untersuchungshaft.

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