Strategiepapier : 2020 rollen E-Busse durch die Stadt

Futuristische Ausstattung an der Haltestelle: Was aussieht wie der Rüssel eines Ufos, ist der „Pantograph“, über den – wie hier in Köln – der Elektrobus für die nächste Tour aufgeladen wird.
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Futuristische Ausstattung an der Haltestelle: Was aussieht wie der Rüssel eines Ufos, ist der „Pantograph“, über den – wie hier in Köln – der Elektrobus für die nächste Tour aufgeladen wird.

Die Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG) setzt bei ihrer ökologischen Umrüstung auf politischen und finanziellen Rückhalt im Rat. Den braucht sie auch, denn die Ausstattung des Fuhrparks mit Hybrid- und Elektrobussen kostet Millionen.

shz.de von
08. Januar 2018, 17:51 Uhr

Die Verantwortlichen machen ernst. SPD, Grüne und SSW wollen die Klimaschutzstadt Kiel auf der nächsten Ratsversammlung ganz offiziell zur „Modellstadt für Elektromobilität“ machen. Und genau in dieses Konzept passt die beabsichtigte Umstellung der Busflotte der Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG). Falls es läuft wie geplant, könnten im übernächsten Jahr 36 Elektrobusse über die Kieler Straßen rollen. Zusammen mit den zehn Hybridfahrzeugen, die in diesen Tagen ausgerüstet werden, und weiteren 17 Hybdridern, die im laufenden Jahr angeschafft werden, wäre dann ein gutes Drittel des Fahrzeugbestandes ökologisch umgerüstet.

Die finanziellen Auswirkungen sind gewaltig. Das betont auch Oberbürgermeister Ulf Kämpfer in seiner dreiseitigen Vorlage. Immerhin kostet ein konventioneller Diesel-Bus mit Euro-6-Norm rund 310 000 Euro, der Dieselhybrid liegt bei 390 000 Euro, der Elektrobus sogar bei 700 000 Euro – also gut das Doppelte der „klassischen“ Kaufsumme. Allein die Anschaffungskosten für die modernen Linienbusse betragen demnach 6,6 beziehungsweise 25,2 Millionen Euro.

Weitere Millionen verschlingen neue Leitungen und der Umbau der Endhaltestellen der zentralen Linie 11. Diese Rund-um-die-Förde-Route von der Wik über den Hauptbahnhof bis nach Dietrichsdorf ist als Referenzstrecke sowohl für die Hybrider als auch später für die E-Busse vorgesehen. Die müssen nämlich an den Endpunkten über sogenannte „Pantographen“ aufgeladen werden, einen ganzen Tag im städtischen Linienverkehr halten sie energietechnisch nicht durch. Einzelheiten sind im entsprechenden Strategiepapier der KVG beschrieben, das die Gesamtinvestitionen auf 43,3 Millionen Euro kalkuliert.

Allerdings: Mit 14,3 Millionen Euro dürften ein Drittel als Zuschuss von Land und Bund wieder hereinkommen. Die genauen Richtlinien stehen noch nicht fest, doch laut Kämpfer sollen die Fahrzeugmehrkosten mit bis zu 80 Prozent und die Kosten für die Infrastruktur mit bis zu 40 Prozent gefördert werden. Das bestätigt auch Thomas Mau, Leiter des Bereiches Betrieb und Technik bei der KVG. Er rechnet damit, dass die entsprechenden Förderprogramme noch in diesem Frühjahr greifen werden.

Nach seinen Worten muss bei der Kostenkalkulation zudem berücksichtigt werden, „dass wir sowieso in jedem Jahr Busse kaufen müssen“. Deshalb dürfte sich der finanzielle Aufwand für die ökologische Umrüstung laut Mau bei vier bis sieben Millionen Euro einpendeln. Und allein von den Hybridern verspricht er sich 20 Prozent Einsparung an Dieselkraftstoff – die Busse sollen vor allem an den Haltestellen leise und abgasfrei vorfahren. Mau setzt nach den einvernehmlichen Vorgesprächen darauf, dass das Konzept auch im Rat mit großer Mehrheit, vielleicht sogar einstimmig, befürwortet wird. Er liegt auf einer Linie mit SPD, Grünen und SSW, wenn er sagt: „Kiel könnte Modellstadt für Elektromobilität werden.“

Für den KVG-Kunden wird das neue Zeitalter bereits Ende des Monats erkennbar sein. Am 30. Januar sollen die ersten zehn Hybrid-Busse im normalen Linienverkehr eingesetzt werden. Zwei Jahre später wird der Passagier dann auch für den reinen Elektrobus eine Fahrkarte lösen können. Alles natürlich nur unter der Voraussetzung, dass die Kasse stimmt. Oder wie Mau es formuliert: „Das gesamte Konzept steht und fällt mit den Fördermitteln.“

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