zur Navigation springen

Lange ignoriert, jetzt gefeiert : 200 Jahre: Kiel als Friedensstadt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Anno 1814 wurde Nordeuropa neu geordnet: Den Jahrestag zum Friedensvertrag begehen Schleswig-Holsteiner und Norweger nächste Woche gemeinsam.

Vom Kieler Matrosenaufstand von 1918 und seiner Bedeutung für das Ende des Kaiserreichs hört in Deutschland jedes Schulkind im Geschichtsunterricht. Vom Kieler Frieden von 1814 haben selbst Historiker wenig oder keine Ahnung. Zu Unrecht, denn am 14. Januar vor 200 Jahren fiel an der Förde eine Entscheidung großer Tragweite. „Der Kieler Frieden hat Nordeuropa neu strukturiert“, sagt die Historikerin Sonja Kinzler.

Im Zuge der Napoleonischen Kriege musste das militärisch unterlegene Dänemark, das den Franzosen-Kaiser politisch unterstützt hatte, Norwegen an Schweden abgeben. Nichts Geringeres als eine territoriale Neuordnung Skandinaviens wurde damals in Kiel besiegelt.

Das Ganze mündete letztlich in Norwegens Unabhängigkeit (1905) und führte auch zur Loslösung Schleswig-Holsteins von Dänemark 1864.

Es war bitterkalt im schneereichen Winter 1813/14. Um die 7000 Menschen lebten im beschaulichen Kiel, das damals dänisch war und immerhin die zweitgrößte Universität innerhalb des dänischen Gesamtstaates beherbergte. Zu den 7000 Kielern stießen im Kampf gegen Napoleon 8000 alliierte Soldaten, die samt ihren Pferden unterzubringen und unter harten Bedingungen zu versorgen waren.

„Es war ein großes Sammelsurium an Soldaten“, sagt Kinzler, die zum Jubiläum wie berichtet ein Buch zum Kieler Frieden mit dem Untertitel „1814.Ein Schicksalsjahr für den Norden“ herausgegeben hat. Die tiefsten Eindrücke hinterließen die Schweden, weil Kiel mit ihrer Präsenz für einige Zeit schwedisch wurde, und die russischen Kosaken, weil sie so exotisch-wild waren. „Die haben die Schleswig-Holsteiner schon erstaunt“, schildert Kinzler. Schlimmer war es aber, die Versorgung der Soldaten zu gewährleisten, weil dafür kaum Geld da war. „Die Dänen hatten die Stadtkasse leergeräumt, bevor sie abzogen“, sagt Kinzler. „Kiel war hinterher pleite.“

Kurz vor Weihnachten 1813 war der Oberkommandierende der alliierten Nordarmee, Marschall Jean-Baptiste Bernadotte, in Kiel eingezogen. Im Quartier des späteren schwedischen Königs, dem Adelspalais Buchwaldscher Hof, unterzeichneten dann schwedische, dänische und englische Diplomaten den für das bis dato so große Dänemark so bitteren Friedensvertrag. An dieser Stelle wird künftig ein „Platz des Kieler Friedens“ an das historische Ereignis erinnern, das in Skandinavien ganz anders als in Deutschland im kollektiven Bewusstsein fest verankert ist.

Nur wenige Monate nach dem Friedensschluss, am 17. Mai 1814, gab sich Norwegen eine Verfassung. Seit 1836 wird dieses Datum als Nationalfeiertag begangen, nicht der endgültige Unabhängigkeitstag, der 13. August 1905. Damals entschieden sich die Norweger, die 91 Jahre währende Personalunion mit Schweden zu beenden. Prinz Carl aus dem Hause Glücksburg bestieg als Haakon VII. den norwegischen Königsthron.

Weil der Kieler Frieden Norwegen den Weg zur Unabhängigkeit bahnte, feiern Schleswig-Holstein, die Landeshauptstadt und Norwegen den 200. Jahrestag des Ereignisses auch gemeinsam. Zum Festakt wird Regierungschef Torsten Albig (SPD) am Dienstag nächster Woche den norwegischen Parlamentspräsidenten Olemic Thommessen begrüßen – im Schloss, ganz in der Nähe des Ortes, an dem der Kieler Frieden 1814 abgeschlossen wurde.

Zum Jubiläumsprogramm gehört auch die Eröffnung einer Ausstellung im Stadtmuseum mit der Originalurkunde des Friedensschlusses. Das schwedische Reichsarchiv stellt sie zur Verfügung. Mehrere hundert Norweger werden extra zum Jubiläum nach Kiel kommen – mit der Fähre aus Oslo.

zur Startseite

von
erstellt am 09.Jan.2014 | 06:06 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen