Kieler Landgericht : 19-Jährige entführt und Mutter erpresst - Haft für vier Männer

Für ihren Freund war sie auf den Strich gegangen, dann trennte sie sich von ihm. Das wollte er nicht hinnehmen. Zusammen mit drei Komplizen kidnappte der Kieler die junge Frau und forderte Lösegeld von der Mutter. Jetzt wurde das Quartett zu Haftstrafen verurteilt.

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13. November 2013, 17:25 Uhr

Kiel | Weil sie eine junge Frau entführten und deren Mutter um 10.000 Euro erpressen wollten, müssen vier Männer mehrere Jahre ins Gefängnis. Das Kieler Landgericht sah es am Mittwoch als erwiesen an, dass das Quartett die junge Frau im Februar 2013 in ihre Gewalt brachte, schlug und bedrohte, um von deren Mutter Geld zu erpressen. Als das scheiterte, sollen sie die 19-Jährige in einer Kieler Wohnung festgehalten haben. Ihr gelang es am 2. März um Hilfe zu rufen. Sie wurde von der Polizei befreit. Die 19-Jährige war Hauptbelastungszeugin und Nebenklägerin in dem Verfahren.

Nach Feststellungen des Gerichts kam es zur Tat, weil den Angeklagten die Einnahmequelle verloren ging. Die junge Frau hatte sich im Januar von einem der Angeklagten getrennt, für den sie zuvor anschaffte. Deswegen hatte sie auch Kiel verlassen und sich nach Hamburg und Oldenburg abgesetzt. Die Angeklagten überwältigten sie, als sie den Tipp bekamen, dass sie zurückgekehrt sei. „Zentrales Tatmotiv war eine Abrechnung mit der 19-Jährigen, eine Machtdemonstration, die letztlich auch zu Geld führen sollte“, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Becker.

Strafmildernd wertete das Gericht nicht nur die Geständnisse. Bei der Tat handelte es sich um „ein ungeplantes, spontanes, wenig durchdachtes Geschehen, das durch eine starke Gruppendynamik unreifer junger Leute geprägt war, bei denen nicht das Geld, sondern eine vermeintliche Kränkung im Vordergrund stand“, sagte Becker. Strafverschärfend war, dass sie zu viert „gegen eine den Angeklagten völlig unterlegene Frau“ vorgegangen waren.

Die Kammer sprach die Angeklagten wegen erpresserischen Menschenraubs und Körperverletzung schuldig. Drei Täter im Alter von 22 bis 28 Jahren müssen vier Jahre und zwei Monate ins Gefängnis. Der 17-jährige vierte Tatbeteiligte muss zwei Jahre und vier Monate in Jugendhaft. Er konnte das Gericht als einziger als freier Mann verlassen - bis zur Rechtskraft des Urteils. Zwei der Angeklagten sind Brüder. Alle saßen schon acht Monate in Untersuchungshaft.

Dem Urteil ging eine Absprache zwischen Gericht, Staatsanwalt und Verteidigung voraus. Dabei einigte man sich gegen Geständnisse auf maximale Strafhöhen. Der Staatsanwalt hatte Haftstrafen zwischen zwei Jahren und neun Monaten sowie fünf Jahren gefordert. Die Verteidiger plädierten auf Strafen zwischen zwei Jahren und drei Monaten sowie vier Jahren Gefängnis.

Weitere Justizfälle im Norden:

Schwimm-Trainer soll 16-Jährige missbraucht haben

Zwischen 2004 und 2006 soll sich ein Schwimmtrainer an einer ihm damals anvertrauten jungen Schwimmerin mehrfach vergangen haben – in seiner damaligen Kieler Wohnung, im Urlaub auf Kreta sowie in einem Berliner Hotel 2005. Insgesamt 18 Fälle sexuellen Missbrauchs wirft die Staatsanwaltschaft dem heute 41-Jährigen vor. Die Anklageschrift im neuen Verfahren ist dieselbe wie im ersten Prozess, der im August 2012 in Kiel gestartet war. Das Amtsgericht rollt den Ende 2012 geplatzten Prozess neu auf. Damals hatte die Verteidigung einen Antrag auf ein Glaubwürdigkeits-Gutachten der heute 25-jährigen Hauptbelastungszeugin gestellt. Es konnte in der geforderten Zeit jedoch nicht erstellt werden. Seit dem 19. November wird erneut verhandelt.

Führerschein verweigert – Sachbearbeiterin erstochen

Ein 57-Jähriger, der seine Führerschein-Sachbearbeiterin erstochen haben soll, muss sich seit Mitte November vor dem Landgericht Flensburg verantworten. Der bis dahin unbescholtene Mann war laut Anklage Ende April in Lürschau bei Schleswig in das Einfamilienhaus seiner Sachbearbeiterin eingedrungen. Dann soll er die 37-Jährige zunächst gewürgt und anschließend auf sie eingestochen haben. Hintergrund ist den Angaben zufolge die Nichterteilung einer Fahrerlaubnis. Laut Staatsanwaltschaft unternahm der Angeklagte nach der Tat einen Selbstmordversuch.

Mord an Lübecker Joggerin

Einem 45 Jahre alten Mann aus Lübeck wird vor dem Schweriner Landgericht neben Mord versuchte sexuelle Nötigung und ein Verstoß gegen das Waffengesetz zur Last gelegt. Der Tatverdächtige soll eine 29-jährige Joggerin aus Lübeck Anfang Juli in einem Waldstück zwischen Lübeck und der westmecklenburgischen Gemeinde Herrnburg überfallen haben, um sich an ihr zu vergehen. Als die Läuferin – die mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Kind mittlerweile in Italien lebt und nur zu Besuch bei ihren Eltern war – sich gegen den sexuell motivierten Angriff wehrte, hat sie der Mann nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft gezielt erstochen. Die Staatsanwaltschaft geht nach eigenen Angaben von niedrigen Beweggründen für die Tat aus. Das Gesetz sieht dafür lebenslange Haft vor.

Methadontod der elfjährigen Chantal

Nach dem Methadontod der elfjährigen Chantal im Januar 2012 beginnt der Prozess gegen die Pflegeeltern nach Einschätzung der Hamburger Staatsanwaltschaft wohl nicht mehr im Jahr 2013. Mitte August hatte das Oberlandesgericht eine Entscheidung des Landgerichtes korrigiert, das nur gegen den Pflegevater verhandeln wollte. Nach Ansicht des Oberlandesgerichts ist die Anklage gegen die Pflegemutter ohne Einschränkung zuzulassen, da die Frau der fahrlässigen Tötung und der Verletzung ihrer Fürsorge- und Erziehungspflicht hinreichend verdächtig sei. Chantal war in Hamburg-Wilhelmsburg in der Obhut ihrer drogensüchtigen Pflegeeltern an einer Vergiftung mit der Heroin-Ersatzdroge Methadon gestorben.

 
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