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Sparkassen-Arena Kiel : 150 Menschen demonstrieren gegen „Freiwild"-Konzert in Kiel

vom

Die Band aus Südtirol ist umstritten. Wegen der Proteste kam es zu Behinderungen im Anreiseverkehr.

Etwa 150 Menschen haben nach Polizeiangaben am Samstagabend gegen ein Konzert der umstrittenen Deutschrock-Band „Freiwild" („Opposition“) in Kiel demonstriert. Dabei habe es Provokationen sowohl von Fans der Band als auch von Demonstranten gegeben, sagte Polizei-Einsatzleiter Kay Kramm am Samstag.

Die Linken-Ratsfraktion stellte in der Ratsversammlung im März einen Antrag auf Missbilligung des Auftrittes der Band. Dieser Antrag scheiterte jedoch. Laut Landeskriminalamt in Kiel hat der Verfassungsschutz die Gruppe nicht als „rechtsextrem eingestuft“.  

Wegen der rund um einen Parkplatz gegenüber dem Veranstaltungsort verlaufenden Demonstration kam es zu Behinderungen im Anreiseverkehr. Eine hilflose Person wurde von Rettungskräften versorgt. Nach rund 90 Minuten löste sich die Demonstration auf. 50 Polizisten waren im Einsatz. Initiativen gegen Rechts hatten bereits im Vorfeld ihre Proteste angekündigt.

Zahlreiche Polizisten waren im Einsatz.
Zahlreiche Polizisten waren im Einsatz. Foto: Rieke Beckwermert
 

Die Gruppe war am Donnerstag mit dem Musikpreis Echo in der Sparte Rock Alternative National ausgezeichnet worden. 2013 waren die Südtiroler beim Echo noch von der Nominierungsliste gestrichen worden, nachdem andere Gruppen wie Kraftklub mit einem Boykott gedroht hatten.

Etwa 150 Menschen protestierten gegen die umstrittene Band „Freiwild“.
Etwa 150 Menschen protestierten gegen die umstrittene Band „Freiwild“. Foto: Rieke Beckwermert
 

Der Auftritt von „Freiwild“ in der Kieler Sparkassen-Arena sorgte schon im Vorfeld für viel Aufsehen. Immer wieder wurde der Rockgruppe, deren Musik als Deutsch-Rock bezeichnet wird, vorgeworfen, nationalistisches und rechtes Gedankengut in ihren Texten zu verbreiten. Die Band reagierte auf die Vorwürfe und positionierte sich im August 2015 in einem offiziellen Statement gegen Fremdenhass.

„Kreuze werden aus Schulen entfernt, aus Respekt

Vor den andersgläubigen Kindern“ (aus Land der Vollidioten)

„Doch ist heute vieles anders, vieles Scheisse

Verkehr, Umweltverschmutzung, Bauten fremder Welten“ (aus Brixen)

Textzeilen wie diese werden von den Demo-Organisatoren kritisiert. „Insbesondere in Zeiten, in denen rechte Gruppen und Parteien einen Aufwind erfahren, Geflüchteten-Unterkünfte brennen und Intoleranz und Hass kursieren, bieten die Texte von Freiwild den Nährboden für völkisches, nationalistisches und rechtes Gedankengut“, schreibt das Bündnis in dem offiziellen Aufruf zur Demonstration.

Laut den Organisatoren werden islamophobe Ansätze musikalisch vertreten, wenn „Bauten fremder Welten“ als „Scheiße“ bezeichnet werden und dass die Schule nicht für eine religiöse Bildung stehen sollte, sondern dass die Religionsfreiheit besonders in staatlichen Institutionen umgesetzt werden muss, werde außer Acht gelassen. Die Texte von „Freiwild“ seien bewusst mehrdeutig und gäben Menschen mit rechtsradikaler Gesinnung die Möglichkeit, sie mit ihren Inhalten zu füllen. Das fördere die Hetze von AfD und PegIdA.

Gegenüber shz.de äußerte sich die Pressesprecherin der Band Sandra Eichner zu den kritischen Textzeilen der Band: „Es ist sehr schwierig und missverständlich einzelne Textpassagen zu interpretieren, wenn man sie aus dem Gesamtzusammenhang reißt“. Das zitierte Beispiel „Bauten fremder Welten“ sei metaphorisch gemeint. Es gehe hier um all das, was die idyllische Natur, die die Band mit Brixen verbinde, verändert. Dazu gehören Fabriken, Atomkraftwerke und Eingriffe in die Natur.

Der Vorwurf der Neonazi-Szene angehört zu haben, der den Sänger Philipp immer wieder trifft, bezeichnet Eichner als kurzen „Irrweg“, den er im Alter von 16 Jahren eingeschlagen hatte. Das Thema „rechts“ ist seitdem für ihn abgehakt. Die Anschuldigung der Islamophobie ist allerdings neu für die Band. „In Verbindung mit der momentanen Diskussion über Islamophobie in unserer Gesellschaft in Zusammenhang gebracht zu werden, ist wirklich sehr, sehr, sehr weit ausgeholt. Die Band empfindet aufgrund ihrer Einstellung generell keine Phobie Menschen gegenüber, die an etwas glauben und die danach streben, für ihre Familie ein bestmöglichstes Leben zu finden“, so Eichner.

Bei der Echo-Veranstaltung am Donnerstagabend gewann die Südtiroler Band einen Preis in der Kategorie „Rock/Alternative National“. Der Preis solle als Symbol für Widerstand gegen Ausgrenzung gesehen werden, sagte die Band bei der Preisverleihung. Dennoch wurde die Übergabe von Buh-Rufen begleitet und auch der Sänger Bosse setzte bei seinen darauffolgenden Auftritt ein Zeichen, indem er nach der Performance seinen Mittelfinger ausstreckte und sang: „Und die hier gehen raus an alle Nazischweine.“

Bei der Echo-Preisverleihung 2013 wurde die Band von der Nominierungsliste gestrichen, als Künstler wie „Kraftklub“, „MIA“ oder „Die Ärzte“ mit dem Boykott drohten.

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erstellt am 10.Apr.2016 | 13:13 Uhr

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