Marthas Insel : 104 neue Sozialwohnungen

Ausblick auf sonnige Zeiten: Links von der Gablenzbrücke, vom Ostufer aus betrachtet, sollen im Wohnquartier „Marthas Insel“ fünf neue Wohnblocks entstehen, dahinter ein weiterer Block mit Sozialwohnungen.
1 von 2
Ausblick auf sonnige Zeiten: Links von der Gablenzbrücke, vom Ostufer aus betrachtet, sollen im Wohnquartier „Marthas Insel“ fünf neue Wohnblocks entstehen, dahinter ein weiterer Block mit Sozialwohnungen.

Es ist ein „Tauschgeschäft“ zum beiderseitigen Vorteil: Dafür, dass die Big Bau ihre Pläne fürs Neubaugebiet „Marthas Insel“ ändert und geförderten Wohnraum zulässt, verpflichtet sich die Stadt zum Ankauf dieser 104 Wohnungen – ein Drittel des künftigen Bestandes.

Avatar_shz von
11. März 2019, 18:24 Uhr



Der Tiefbau hat begonnen. Im matschigen Gelände hinter der Gablenzbrücke, gleich neben den Bahnschienen, rollen die Bagger. Auf dem Areal entsteht „Marthas Insel“, ein Neubauprojekt der Big Bau mit rund 300 Wohnungen. Ein gutes Drittel wird öffentlich gefördert. Die Stadt Kiel kauft dem Unternehmen diese 104 Wohneinheiten ab, um sie dann günstig zu vermieten. Es ist quasi der Grundstock der künftigen Kieler Wohnungsgesellschaft (KiWog).

Diese Entwicklung war vor zwei Jahren nicht zu erwarten, als die Big Bau erstmals ihre Pläne vorstellte. In den fünf Wohnblocks an den Schienen sollten Eigentumswohnungen und gehobene Mietwohnungen entstehen – für geförderten Wohnraum war kein Platz. Wie überhaupt der Wohnungsbau in Kiel – siehe etwa das Schlossquartier und die Neue Feuerwache im Zentrum der Stadt – die soziale Komponente arg vernachlässigte.

Die Folge: Kritiker verlangten von der Stadt einen Anteil von 30 Prozent an geförderten Wohnungen für jedes genehmigte Bauprojekt der Zukunft, im Rathaus dachte man über die Gründung einer eigenen Baugesellschaft nach. Mit Erfolg: Die Gründung der KiWog ist in der Vorbereitung, jährlich zehn Millionen Euro werden als Startgeld zurückgelegt. Und Stadtbaurätin Doris Grondke erreichte in intensiven Gesprächen, dass die Big Bau ihr Konzept überarbeitete.

Im Gegenzug hat sich die Stadt verpflichtet, dem Unternehmen gut 100 Sozialwohnungen abzukaufen. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart. Zehn dieser Wohnungen werden rollstuhlgerecht, 15 weitere barrierefrei gebaut. Und acht Einheiten werden schon architektonisch speziell auf die Bedürfnisse von Alleinerziehenden mit Kind ausgerichtet. Die Mieten in den geförderten Wohnungen werden bei 5,95 beziehungsweise 7,30 Meter pro Quadratmeter liegen.

Auf dem Gelände zwischen Eisenbahn und Sophienblatt stand einst ein Lager für russische Kriegsgefangene, weshalb sich in der Bevölkerung bis heute der Name „Krim“ erhalten hat. In den alten Häusern siedelten sich später kleine Gewerbebetriebe an, auch ein Autohaus hatte an der Marthastraße seinen Sitz. Über viele Jahre hinweg besaß das Kieler Theater hier große Räume zur Lagerung von Requisiten und Kostümen, in der Nachbarschaft fand man etliche An- und Verkaufläden.

Mit „Marthas Insel“ erfährt das eher dunkle Quartier jetzt eine Entwicklung, wie es sie seit Kriegsende nicht gegeben hat. Stadtrat Gerwin Stöcken, zuständig für Wohnungsbau und Soziales, hebt hervor: „Citynah entsteht bezahlbarer Wohnraum. Das ist eine sehr, sehr gute Entwicklung.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen