zur Navigation springen

Schwimmen Lernen in SH : 10 Euro für das Bronze-Abzeichen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Immer weniger Kinder können schwimmen: Jetzt reagieren die Peter-Petersen-Stiftung, DLRG und der Schleswig-Holsteinische Schwimmverband.

28 Menschen ertranken im vergangenen Jahr in den Gewässern Schleswig-Holsteins – elf Badetote mehr als im Vorjahr. „Die Ertrinkungszahlen steigen“, erklärt Jochen Möller als Präsident der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Schleswig-Holstein. Besorgniserregende Zahlen, und das ausgerechnet im Land zwischen den Meeren. Aber sie sind nicht überraschend, denn: „60 Prozent der Zehnjährigen im Land können nicht schwimmen“, so Möller. Ein Gutscheinsystem soll künftig einen Anreiz für Kinder bis zwölf Jahre schaffen, das Bronze-Schwimmabzeichen oder das „Swimstar“-Abzeichen in Schwarz zu erlangen.

Jetzt haben sich mit der DLRG und dem Schleswig-Holsteinischen Schwimmverband (SHSV) die beiden größten schwimmsporttreibenden Organisationen des Landes zusammengetan, um gemeinsam gegen Badeunfälle von Kindern anzugehen. Den Anstoß dazu hatte Klaus Ripken von der Peter-Petersen-Stiftung gegeben. „Ich konnte nicht mehr ertragen, dass so viele Kinder ertrunken sind“, erklärt Ripken. Nach mehreren erfolglosen Versuchen, unter anderem bei Innenminister Stefan Studt, eine von der Stiftung gestützte Schwimmförderung zu etablieren, stieß Ripken schließlich bei Steffen Weber auf offene Ohren. Der SHSV-Präsident begrüßte Ripkens Idee: „Viele Kinder brechen ihre Schwimmausbildung nach dem Seepferdchen ab, weil ihre Eltern meinen, das würde reichen. Das ist ein gefährlicher Irrtum.“ Erst mit dem Bronze-Abzeichen könne man von einem sicheren Schwimmer ausgehen, meint Weber.

Darum schaffen die Mitgliedsvereine des DLRG und die Ortsgruppen des SHSV nun mit einem Zehn-Euro-Gutschein eine Motivation für all jene Kinder, die den Jugendschwimmpass in Bronze oder das Swimstar-Abzeichen in Schwarz erlangen. Die Peter-Petersen-Stiftung aus Kiel unterstützt das landesweite Projekt mit 50  000 Euro über einen Mindestzeitraum von drei Jahren. Mit den Fördergeldern der Stiftung finanzieren die Sportvereine und Ortsgruppen die Bahnmieten der Hallen- und Freibäder sowie die Ausbildung der größtenteils ehrenamtlichen Schwimmtrainer.

Die Wasserflächen im Land sind mit bis zu 40 Euro pro Bahn und pro Stunde häufig teuer, vor allem aber rar, weiß Schirmherr Klaus Schlie: „Viele Schwimmhallen sind in die Jahre gekommen und mussten leider geschlossen werden.“ Eine Schwimmhalle sei häufig ein kommunales Defizitgeschäft, sagt der Landtagspräsident. „Auch das Land ist gefordert. Es ist unfair, die Kommunen damit allein zu lassen.“ Schlie zeigte sich überzeugt von der Initiative: „Ich bin der Meinung, dass ein Kind nach der Grundschule schwimmen können sollte.“

Dass eine Förderung der Schwimmausbildung von Kindern in Schleswig-Holstein nötig ist, unterstreicht auch Benjamin Rafail. Der Schwimmer des SV Neptun hat schon einige Jahre als Schwimmtrainer im Breiten- und Wettkampfsport hinter sich. „Wie Kraut und Rüben“ beurteilt der 28-Jährige die Schwimmfähigkeiten vieler Kinder. Eine technisch gute Ausbildung sei jedoch entscheidend: „Es geht beim Schwimmen nicht nur darum, sich über Wasser zu halten.“

Die Teilnahmevoraussetzungen für die Schwimmkurse sind bewusst niederschwellig gehalten, betont Jochen Möller. „Die Teilnahme kostet kein Geld. Und man muss sich nur anmelden, um versichert zu sein.“ Auch ob ein Kind einen oder mehrere Schwimmkurse benötigt, spiele keine Rolle, betont Möller. Wer Interesse hat, meldet sich bei seiner DLRG-Ortsgruppe oder einem örtlichen Sportverein mit Schwimmsparte.

zur Startseite

von
erstellt am 16.Jun.2017 | 12:42 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen