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Prozess am Landgericht Kiel : 1,1 Millionen veruntreut: Ex-Klinik-Finanzchef kommt auf Bewährung frei

vom

Trotz eines Millionenschadens muss der 64-Jährige nicht ins Gefängnis. Die Richter hielten ihm sein Geständnis zugute.

shz.de von
erstellt am 05.Feb.2016 | 17:44 Uhr

Kiel | Obwohl er über eine Million Euro veruntreute, kommt der frühere Finanzchef im Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZIP) mit einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren davon. Das Kieler Landgericht sprach den 64-Jährigen in 82 Fällen der Untreue schuldig.

Von 2010 bis 2015 soll der Angeklagte Gelder auf sein Konto und die Konten seiner beiden Söhne umgeleitet haben. 91 Fälle listet die Anklage auf. Die kleinste Summe betrug 206 Euro, der größte Batzen 41.000 Euro. Das ZIP ist eine Tochter des Universitätsklinikums.

Weil der Angeklagte aber an einer Hirnschädigung als Vorstufe einer Demenz leidet, den Schaden voll wiedergutmachen muss und ein Geständnis ablegte, ließen die Richter Milde walten. Sie folgten am Freitag dem Antrag des Verteidigers. Der Haftbefehl wurde aufgehoben. Die Staatsanwältin hatte wegen gewerbsmäßiger Untreue zwei Jahre und neun Monate Haft gefordert. Nun will sie Revision prüfen.

Von den 91 angeklagten Fällen wurden im Verfahren neun eingestellt. Er habe sich kein Luxusleben geführt, sondern sich ihre Zuneigung erkaufen und ihnen Wohlstand verschaffen wollen, sagte der Vorsitzende. Pluspunkte bei der Strafzumessung waren auch, dass der nicht vorbestrafte Angeklagte eine günstige Sozialprognose habe.

Zudem habe er volle Schadenregulierung zugesagt und nach Angaben seines Verteidigers bereits rund 200.000 Euro zurückgezahlt. Der Mann war im Juli 2015 durch eine aufmerksame Kollegin aufflogen.

Zuvor hatte das Vieraugen-Prinzip nicht gegriffen, demzufolge alle Überweisungen gegengezeichnet werden mussten. Seit Juli saß der 64-Jährige in Untersuchungshaft. Jetzt verließ er sichtbar erleichtert das Gericht - begleitet von Angehörigen, die ihn bei der Schadensregulierung unterstützen. 

 

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