Kieler Woche 2018 : Kiel zeigt "Schokoladenseite": Drei Millionen Besucher und zufriedene Segler

Segelschiffe während der Kieler Woche.
Segelschiffe während der Kieler Woche.

Millionen Gäste auf „friedlicher und fröhlicher“ Kieler Woche. Die Veranstaltung konnte sich mal wieder sehen lassen.

shz.de von
24. Juni 2018, 16:51 Uhr

So viele Segler wie nie zuvor, Wind und auch Sonne: Mehr als drei Millionen Menschen haben in diesem Jahr die Kieler Woche besucht. Das seien in etwa so viele Gäste gewesen wie 2017, sagte Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) am Sonntag. „Es war eine friedliche und fröhliche Kieler Woche.“ Die Mischung aus Tradition und Moderne sei gut angekommen, die Stadt habe sich „wieder von ihrer Schokoladenseite gezeigt“.

 

Das in Kooperation mit Polizei und Feuerwehr entstandene Sicherheitskonzept sei aufgegangen, sagte Kämpfer. Dass es dadurch auf den Straßen manchmal etwas länger gedauert habe, lasse sich nicht verhindern. Mit 400 Riesen-Sandsäcken, Beton-Absperrungen, einem Dutzend Polizeiposten und minimal erhöhter Zahl an Einsatzkräften hat die Polizei die Besucher vor möglichen Anschlägen geschützt.

Die Beamten bewältigten 2091 Einsätze, wovon 388 einen direkten Bezug zu dem Sommerfest hatten (2017: 2488 Einsätze, 316 mit Kieler-Woche-Bezug). Die Zahl der sogenannten Rohheitsdelikte - etwa Körperverletzungen - stieg leicht von 67 auf 73. 104 Besucher erhielten einen Platzverweis (2017: 77). „Das war insgesamt eine positive Bilanz aus polizeilicher Sicht“, sagte der Kieler Polizeichef Thomas Bauchrowitz.

Zufrieden mit dem Verlauf des Sommerfests zeigte sich auch Veranstaltungsleiter Philipp Dornberger: „Wir haben so gut wie keine Kieler-Woche-Souvenirs mehr. Die sind alle weg.“ Gut angenommen hätten die Besucher erstmals eingerichtete bewachte Fahrradparkplätze. Deren Auslastung habe zeitweise 80 bis 100 Prozent betragen.

An den Segelwettbewerben nahmen in diesem Jahr fast 5000 Sportler aus mehr als 60 Nationen teil, wie Regattaleiter Dirk Ramhorst sagte. Sie gingen vor Kiel-Schilksee mit 1950 Booten an den Start. Das war neuer Rekord. Erstmals übertrugen das Segelgeschehen vier Videowände in die Innenstadt.

Maritimer Höhepunkt der Kieler Festwoche war die Windjammerparade am Samstag, die nach Polizeischätzungen rund 100.000 Menschen vom Fördeufer aus oder auf den zahlreichen Booten und Jachten direkt auf dem Wasser verfolgten. Angeführt vom deutschen Segelschiff „Roald Amundsen“ schipperten bei Windstärke 5, in Böen 6 bis 7, rund 90 Traditions- und Großsegler durch die Förde, darunter auch der 117 Meter lange Viermaster „Sedov“. Das Schiff gilt als größter noch fahrender Windjammer der Welt.„Ein Supererlebnis, vorneweg zu fahren“, sagte der Kapitän der „Roald Amundsen“, Friedrich Gajdoss.

„Und das bei fast perfektem Segelwetter.“ Sein Schiff vertrat die in Kiel beheimatete „Gorch Fock“. Das Segelschulschiff der Marine wird für bis zu 135 Millionen Euro immer noch runderneuert. Zu Gast waren in Kiel auch 37 Marineschiffe aus 14 Nationen. Die weiteste Anreise hatte ein Schiff aus China.

Auf 20 Bühnen in der Innenstadt und am Wasser gab es insgesamt rund 400 größtenteils kostenlose Konzerte. Mit einem Feuerwerk über der Kieler Förde sollte das Sommerfest am Sonntagabend zu Ende gehen. Es war am 16. Juni im Beisein von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier offiziell eröffnet worden.

Im kommenden Jahr ist die 125. Kieler Woche (22. bis 30. Juni) geplant. Oberbürgermeister Kämpfer will die Qualität der Veranstaltung weiter erhöhen und „noch eine Schippe drauflegen“. Noch mehr Besucher sind für ihn nicht das Ziel. „Wir brauchen nicht weiter zu wachsen“, sagte Kämpfer. „Wir sind schon das größte Sommerfest Nordeuropas und die größte Segelsportveranstaltung der Welt.“

Starke deutsche Segler

Deutschlands Olympia-Segler haben die Kieler Woche mit zahlreichen Top-Ten-Platzierungen erfolgreich beendet. In der Nationenwertung erreichte das German Sailing Team Rang vier hinter Neuseeland, Dänemark und der in den vergangenen 20 Jahren erfolgreichsten Segelnation Großbritannien.

Den einzigen deutschen Gesamtsieg in den Olympia-Klassen sicherte sich Laser-Vizeweltmeister Philipp Buhl aus Sonthofen mit kämpferisch starker Leistung im Podiumsrennen. Dabei schien der Weltranglisten-Zweite seinen fünften Kieler-Woche-Triumph im hinteren Teil der Finalflotte verloren zu haben. Dann profitierte er von einer Kenterung und einer Bestrafung eines Konkurrenten und schob sich als Siebter im Finale nur Bruchteile von Sekunden vor dem Esten Karl-Martin Rammo ins Ziel. So gewann Buhl das Duell mit dem Briten Elliot Hanson auf der Förde mit einem Punkt Vorsprung in der Endabrechnung. 

„Ich bin happy“, sagte der 28 Jahre alte deutsche Hoffnungsträger. „Ich würde mich noch mehr freuen, wenn ich den Sieg aus eigener Kraft und nicht mit Hilfe externer Ereignisse gewonnen hätte.“ Er nehme durch den Weltcup-Finalsieg von vor zwei Wochen und den Erfolg in Kiel viel Selbstbewusstsein mit in die Weltmeisterschaft vor Aarhus im August, „wo vielleicht auch das Köpfchen eine entscheidende Rolle spielt. Dort will ich um den Titel kämpfen.“  Platz zwei bei der Kieler Woche ersegelten die 49erFX-Europameisterinnen Tina Lutz (Holzhausen) und Susann Beucke (Strande).

Dritte wurden Nadine Boehm und Ann-Christin-Goliass vom Deutschen Touring Yacht-Club in Bayern in der olympischen Zweihandjolle 470er. Hier konnten die deutschen Damen dreifach punkten: Fabienne Oster/Anastasiya Winkel vom Norddeutschen Regatta Verein in Hamburg und die Berlinerinnen Frederike Loewe und Anna Markfort machten das gute Gesamtergebnis mit den Plätzen vier und fünf komplett.

DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner zog bei der Abschluss-Pressekonferenz mit den Podiumsplatzierten im Olympiazentrum Kiel-Schilksee eine positive Bilanz. „Es macht Spaß, hier neben einem kompletten Medaillensatz zu sitzen“, sagte sie. Die Nationalmannschaft nimmt nach der Kieler Woche Kurs auf die Weltmeisterschaft alle olympischen Segeldisziplinen, die vom 30. Juli bis zum 12. August im dänischen Aarhus ausgetragen wird. Dort wollen die Leistungsträger erste Nationenstartplätze für die Olympischen Spiele 2020 sichern.

Torsten Haverland, Vizepräsident für Leistungssport im Deutschen Segler-Verband (DSV), sagte: „Wir streben in Aarhus zwei Medaillen und eine mindestens 60-prozentige Ausschöpfung der Chancen im Kampf um die Nationenstartplätze für Olympia 2020 an. Das traue ich unserem Team nach dieser Kieler Woche zu.“

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