Wertekanon für Dänemark : Internetabstimmung: Was ist „typisch dänisch“?

<p>Unverwechselbar: Ihre Wikinger-Wurzeln stellen die dänischen Fans bei nahezu jeder Sportveranstaltung zur Schau.</p>

Unverwechselbar: Ihre Wikinger-Wurzeln stellen die dänischen Fans bei nahezu jeder Sportveranstaltung zur Schau.

Hot-Dogs, Strand und „hygge“: Der dänische Kulturminister hat 2.247 Vorschläge gesammelt, über die jetzt abgestimmt wird.

shz.de von
02. November 2016, 16:58 Uhr

Kopenhagen | Der dänische Kulturminister Bertel Haarder hat eine Idee: Ein neuerlicher Dänemark-Kanon soll der Öffentlichkeit darstellen, auf welcher Basis die heutige Kultur seines Landes steht. Dieses Vorhaben sorgte bereits seit der Bekanntgabe für große Diskussionen bei der Bevölkerung und in den Medien.

Bereits 2006 segnete die damalige Regierung eine Liste mit Gegenständen und Werken ab, die erstmals eine Veranschaulichung des Dänisch-Seins darstellen sollte. Sowohl Sinn und Zweck des Projektes als auch die konkrete Auswahl von Experten waren umstritten.

Seither sind 2.247 Vorschläge im Ministerium eingegangen. Per Post, E-Mail oder über die sozialen Medien haben Dänen die Dinge benannt, die ihrer Meinung nach zur dänischen Kultur gehören. Dabei tauchen Begriffe wie „pølsevogn“ und „hygge“ ebenso auf wie historische Begebenheiten, darunter der erste dänische Astronaut Andreas Mogensen oder der EM-Sieg bei der Fußball-Europameisterschaft 1992. Unter den Vorschlägen sind auch Fahrrad und Strand zu finden, aber auch Vielfalt, Meinungsfreiheit und Handwerkstradition.

„Dieser Kanon soll den Dänen zeigen, was uns allen für die Zukunft wichtig erscheint“, so Haarder, der sich über das große Engagement der Bürger in dieser Frage freut. „Das Interesse hat meine Erwartungen weit übertroffen.“ Er sei anfangs durchaus unsicher gewesen, ob dieses Projekt bei den Bürgern richtig ankommen würde. Schließlich ginge es ihm nicht darum, „zu klären, wer dänisch ist, sondern allein darum, herauszufinden, was uns künftig als Volk eint“, so der Kulturminister.

Er verweist darauf, dass dänische Werte keineswegs nur aus Dänemark stammen. Im Gegenteil: „Wenn wir an die großen Einflüsse und Ideen aus dem Ausland denken, haben wir es verstanden, diese Werte in unserer Gesellschaft in dänische Werte umzusetzen.“

Als Beispiel nennt Haarder das Christentum, die Romantik, den Kulturradikalismus, die Arbeiterbewegung, die Sozialdemokratie – und auch den Weihnachtsbaum. Nach seinen Worten ist es erfreulicherweise in der öffentlichen Vorschlagsphase gelungen, neue Gräben zwischen dänischen und ausländischen Wurzeln zu vermeiden.

Die Abstimmung über den dänischen Wertekanon läuft vom 15. bis zum 22. November auf der Internetseite danmarkskanon.dk. Das Ergebnis soll am 16. Dezember veröffentlicht werden.

Bertel Haarder wünscht, dass die Liste über dänische Werte künftig im Unterricht aber auch in der Integrationsarbeit genutzt werden kann. „Die Debatte um unsere tragenden Gesellschaftswerte ist in sich von größtem Wert“, erklärte er.

Kritiker sehen in Haarders Vorhaben eine Gratwanderung. Auf der einen Seite halten viele Bürger es für positiv, dass sowohl Dänen als auch in Dänemark lebenden Menschen bewusst wird, auf welche Werte die Gesellschaft gebaut ist – es ist sozusagen das gesellschaftliche Fundament. Auf der anderen Seite müssen diese Werte auch inkludierend sein und dürfen nicht zu einem größeren kulturellen Spalt führen, wie die dänische Sozialwissenschaftlerin Garbi Schmidt betont. Es sei wichtig, „dass der Kanon Raum für Verschiedenheit und Toleranz lässt“, so Schmidt.

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