MS Gelting Syd : Ikone der Butterfahrt: Alte Gelting-Faaborg-Fähre verschrottet

Die letzte Fahrt der „Gelting Syd“ auf der beliebten Fährlinie Faaborg – Gelting im Juli 1999.
Die letzte Fahrt der „Gelting Syd“ auf der beliebten Fährlinie Faaborg – Gelting im Juli 1999.

Eine der bedeutendsten Fähren der Butterfahrtgeschichte verschwindet endgültig von der Bildfläche.

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27. Juni 2017, 12:02 Uhr

Aliaga/Tanger/Gelting | Sie hatte Charisma und hinterließ viel Platz für sonnige Erinnerungen, die alte „Gelting Syd“. Ende April stach die Fähre ein letztes Mal in See, zur letzten Schweißung nach Aliaga in die West-Türkei, wo alten Pötten wie ihr am Strande die Zerlegung blüht. Dies ist das späte Schicksal eines Schiffes, das ab 1981 zwischen Gelting Mole und Faaborg auf Fünen pendelte und bis zum Ende von Duty Free im Jahre 1999 mindestens fünf Millionen Passagiere bewegte.

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So sieht es aus, wenn schrottreife Schiffe in Aliaga angelandet werden.

Nach Ende des zollfreien Handels wurde das rote Schiff postwendend nach Casablanca verkauft. Die Reederei „International Maritime Transport“ (IMTC) übernahm das rote Schiff, das in Svendborg daraufhin erstmal einen weißen Anstrich bekam und fortan auf den Namen „MS Atlas“ hörte. Zwischen der Stadt Tanger und den südspanischen Häfen Algeciras und Cadiz operierte die alte Gelting Syd bis 2014. Dann wurde ihr der Bankrott der Reederei zum Genickbruch. Seit Anfang 2015 lag die 1975 zunächst als „Stella Scarlett“ getaufte Autofähre von der Meyer-Werft Papenburg in ihrem Bestimmungshafen Tanger/Marokko vor Anker und wurde weder bewegt noch turnusgemäßen Prüfungen unterzogen.

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Zwei Restaurants, eine Cafeteria, zollfreie Genussmittel und der Stellplatz für 135 Pkw boten den Fahrgästen zu Zeiten der Butterfahrt die spottbillige Möglichkeit eines Kurzausflugs, der die Strecke nach Kopenhagen praktischerweise um einiges verkürzte. Das blieb in guter und lebhafter Erinnerung und veranlasste die Faaborger Reederei Nordisk Færgefart 2013 unter nostalgischem Applaus von über 13.000 Facebook-Fans zu einer Initiative der Wiederbelebung der Route. Doch aus dem Unterfangen wurde nichts.

 

2006 schaffte es die unvergessene Fähre, die viele Jahre lang Urlauber, unternehmungslustige Rentner und Alkoholtouristen zwischen Gelting Mole und Faaborg hin und her geschippert hatte, beinahe unerkannt noch mal in die Medien: Als „MS Atlas“ hatte sie das Schnellboot „Avemar Dos“ gerammt und dem modernen Schiff gehörige Schäden zugeführt. Fünf Menschen wurden verletzt, die massive Atlas kam dagegen vergleichsweise unbeschadet davon. 2010 schlugen ihr die hohen Wellen in der Straße von Gibraltar noch einmal die oberen Fenster aus, sonst kam sie auch in der Fremde gut klar, bis zur Insolvenz.

Die Vorgängerin der Gelting Syd auf der Gelting-Faaborg-Route (ehedem Gelting Nord) sank am 8. Januar 2015, nur wenige Tage später übermittelte auch die Atlas letztmals ihre Positionsdaten. Immerhin: Die 1970 ebenfalls in Papenburg gebaute „Gelting Nord“ fährt unter dem Namen „Apollo“ noch als Linienfähre über den eisigen St. Lorenz Strom zwischen Neufundland und Labrador.

Reste der Gelting Syd stehen neben der abzuwrackenden M/F Sveti Stefan II, die 1973 auf der Werft Nobiskrug GmbH in Rendsburg gebaut wurde und als „Prins Hamlet“ einige Jahre die Linie Hamburg-Harwich bediente.

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