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Gemeinsame Projekte 2017 : HVV bis Flensburg? Hamburg und SH arbeiten am Ticket für den Norden

vom
Aus der Onlineredaktion

Unkompliziertes Pendeln im Einheitstarif – Hamburg und Schleswig-Holstein wollen es auf den Weg bringen.

shz.de von
erstellt am 01.Feb.2017 | 13:43 Uhr

Hamburg | Hamburg und Schleswig-Holstein wollen die Zusammenarbeit stärken. So scheint auch das Nordticket im öffentlichen Nahverkehr eines der großen gemeinsamen Themen des Jahres zu werden. Politiker aus beiden Ländern wollen Pendlern den Alltag mit einem gemeinsamen Tarif erleichtern, dessen Geltungsbereich in den Überlegungen von Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) bis rauf nach Flensburg und Westerland sowie bis runter nach Bremen reichen soll. Die Marke HVV solle bei diesem Unterfangen aber in jedem Fall erhalten bleiben, zitiert „Mopo“ Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch. Als Hüter der HVV-Interessen dürfte letzterer aber hauptsächlich die Pendlerverkehre im Speckgürtel der Metropole im Auge haben.

Viele Gemeinden kämpfen seit Langem für eine Aufnahme ins HVV-System, das bislang Lübeck, Neumünster und Itzehoe nicht einschließt. Im Sommer 2016 lehnte der Kieler Landtag einen Beitritt des Kreises Steinburg jedoch ab. Das Parlament fasste gleichzeitig jedoch einstimmig den Beschluss, Gespräche über einen Nordtarif mit Hamburg und Niedersachsen auf den Weg zu bringen.

Bis es zu einem Verbundtarif kommt, werden aber noch viele die höheren Preise in SH zahlen. Und es ist fraglich, ob das Projekt in den nächsten Jahren wenn überhaupt realisiert werden kann. Uli König aus der Fraktion der Piraten im schleswig-holsteinischen Landtag sieht dafür keine Chance: „Hier wird von einem gemeinsamen ÖPNV-Nordtarif mit Niedersachsen und Hamburg geträumt, den es so nie geben wird. Dummerweise hat eine der wichtigsten Größen in dieser Gleichung, Hamburg, überhaupt kein Interesse an einem gemeinsamen Tarif. Der hauseigene HVV ist im Norden nämlich konkurrenzlos attraktiv“. In Niedersachsen, das auch mit an den Verhandlungtisch soll, sind die Kreise Stade, Harburg und Lüneburg bereits Teil des HVV, zukünftig auch das von Hamburg fast 100 Kilometer entfernte Uelzen.

Um die Mobilität in ländlichen Regionen Schleswig-Holsteins zu gewährleisten und den Pendlerverkehr attraktiv zu gestalten, sei ein Tarifverbund der beiden Länder dringend notwendig, sagt Reinhard Meyer. Eine Mitgliedschaft im Hamburger Verkehrsverbund (HVV), wie es der Kreis Steinburg fordert, hält er allein nicht für sinnvoll. „Die Subventionierung der Fahrpreise würde pro Jahr allein 1,8 Millionen Euro kosten“ − ohne eine einzige zusätzliche Leistung und Verbesserung für die Nutzer. Er gab deshalb ein umfassendes Gutachten in Auftrag, das eine Verhandlungsgrundlage schaffen soll für die Einrichtung eines einheitlichen Tarifsystems. Es soll auch Wahlkampfthema werden und in die Koalitionsverhandlungen einfließen, sofern es dazu kommt.

Insgesamt soll durch die Vereinheitlichung das kleinstaatlerische Ticket- und Preiswirrwarr entflochten werden. Es soll dann mit einem Ticket möglich sein, sich mit Bus und Bahn durch die Länder zu bewegen. Bislang sind nur nur einige Gebiete im Randgebiet Schleswig-Holsteins Mitglied des günstigeren HVV-Bereichs, darunter etwa Norderstedt und Pinneberg. Der SH-Tarif umfasst allerdings auch die Fahrten im Bereich des HVV. Darüber hinaus gibt es das Schleswig-Holstein-Ticket, das für einen Tag pauschales Reisen im Nahverkehr in den Ländern Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg ermöglicht und auch den HVV einschließt. Dieses Tagesticket ist für Pendler allerdings aus vielerlei Gründen keine Alternative.

Andere Bereiche der Zusammenarbeit vor dem Durchbruch

Auch im wirtschaftlichen Bereich wollen die Länder weiter zusammenwachsen. Im Nordosten Hamburgs soll noch in diesem Jahr auf einer Fläche von 39,5 Hektar das erste länderübergreifende  Gewerbegebiet entstehen;  25,5 Hektar davon liegen auf Hamburger Gebiet im Stadtteil Wandsbek und etwa 13 Hektar in der Gemeinde Stapelfeld (Kreis Stormarn) in Schleswig-Holstein. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Meyer dazu: „Der Hamburger Rand ist ein besonders dynamischer Wirtschaftsstandort. Auf schleswig-holsteinischer Seite haben wir freie, gut erschlossene Gewerbeflächen zu bieten, die gerade für Unternehmen attraktiv sind, die auf Hamburger Stadtgebiet nicht mehr wachsen können. Ein gemeinsames Gewerbegebiet bringt beider Stärken aufs Beste zusammen.“

Eine wichtige Weichenstellung erwartet Minister Meyer für das geplante LNG-Terminal in Brunsbüttel. Noch im ersten Halbjahr soll die Zusage eines privaten Investors für das Projekt im dreistelligen Millionenbereich erfolgt sein. Darüber hinaus rechnet Meyer fest mit einer Förderung aus Bundes- und Landesmitteln. Brunsbüttel, wo Elbe und Nord-Ostsee-Kanal zusammenfließen, gilt als idealer Standort für die Bunkeranlage, die mindestens 200.000 Kubikmeter des verflüssigten Erdgases (LNG) fassen soll.  Mit dieser Größenordnung lässt sich nicht nur die chemische Industrie in der Unterelberegion versorgen, sondern auch der Welthafen Hamburg. In der Hansestadt soll deshalb ein kleineres, ergänzendes LNG-Terminal gebaut werden, der von Brunsbüttel auf dem Wasser- und auf dem Landweg mit LNG beliefert wird. LNG gilt als umweltfreundlicher Treibstoff der Zukunft. Vor allem in der Schifffahrt. Es entstehen 80 Prozent weniger Stickoxide.

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