Hochhaus in Hamburg-Farmsen : Zwei Tote nach Feuer – Polizei geht von Suizid aus

Bei einem Brand in einem Hochhaus in Hamburg-Farmsen kamen ein 83-jähriger Mann und eine 85-jährige Frau ums Leben.
Bei einem Brand in einem Hochhaus in Hamburg-Farmsen kamen ein 83-jähriger Mann und eine 85-jährige Frau ums Leben.

Die beiden Senioren sterben am Freitagmorgen in ihrer Wohnung – in einem Haus, über das bereits im Fernsehen berichtet wurde.

shz.de von
19. Juli 2015, 13:10 Uhr

Hamburg | Sie starben in der Wohnung, in der sie 47 Jahre lang zusammen gelebt hatten. Und als sei das der Tragik nicht genug, schwebt über dem Feuertod des Ehepaares W. in Hamburg-Farmsen die Gewissheit, dass sich das Ehepaar selbst töten wollte. „Es deutet sehr, sehr viel auf erweiterten Suizid hin“, sagte ein Polizeisprecher am Samstag. Es werde allerdings auch in andere Richtungen ermittelt - etwa, ob einer der beiden eines natürlichen Todes gestorben sein könnte. Die Leichen des 83-jährigen Mannes und seiner zwei Jahre älteren Frau sollten daher obduziert werden. Mit Ergebnissen der Rechtsmediziner sei voraussichtlich an diesem Montag zu rechnen, sagte der Sprecher am Sonntag.

Die Rentner haben sich vermutlich das Leben genommen, weil ihnen die Wohnung gekündigt worden war. Feuerwehrleute hatten Otto W. (83) und seine Ehefrau (85) am Freitagmorgen nach einem Brand in ihrer Wohnung im sechsten Stock des Mehrfamilienhauses entdeckt. Die Leichen lagen im Schlafzimmer der Frau, wo der Brand auch gelegt worden war. Die Spurenlage lässt vermuten, dass die 85-Jährige bereits tot war, als ihr Ehemann das Feuer legte, in dem er selbst umkam. Ob er seine Frau zuvor getötet hat oder diese auf natürliche Weise starb, soll eine Obduktion klären.

Die Ermittler wiesen Meldungen zurück, in der Wohnung sei ein Abschiedsbrief gefunden worden. Schröder: „Es gibt aber ein Tagebuch, das wir nun auswerten.“

Die Nachbarn in dem achtgeschossigen Hochhaus reagierten entsetzt, zumal es ein Drama mit Ansage war: In einem Beitrag von „Spiegel TV“ hatte Otto W. Ende Juni einen Doppelselbstmord angedeutet. Der zehnminütige Film schildert, wie sehr die Bewohner unter der energetischen Kernsanierung des Wohnblocks leiden. Auch W. klagte vor der Kamera über extreme Belastungen durch Lärm, Staub und die Sperrung von Bad und Küche. Wörtlich sagte er: „Ich könnte jetzt einen Herzinfarkt kriegen und fall um. Was ist dann mit meiner Frau? Sie kann sich alleine nicht helfen, sie ist auf mich angewiesen. Das ist einer der Gründe, warum ich mir ganz klar überlegt habe, dass, wenn wir hier raus müssen, dann machen wir das so, dass wir woanders hingehen, wo uns keiner kriegen kann.“ Auf die Nachfrage der Reporterin, wo das sei, antwortete der 83-Jährige: „Das ist Suizid, ganz einfach.“

Als einzige von 80 Mietern hatte das Ehepaar der mehr als ein Jahr dauernden Modernisierung nicht zugestimmt. Daraufhin kündigte die Baugenossenschaft Dennerstraße-Selbsthilfe e.G. (BDS) den W.'s im April den Mietvertrag. BDS-Vorstand Olaf Klie gestern am Brandort: „Wir sind zutiefst betroffen über das schreckliche Ereignis.“ Nach seinen Worten hatte BDS nach der Suizid-Ankündigung im Fernsehen den sozialpsychiatrischen Dienst eingeschaltet. Erst vor wenigen Tagen sei es dann zu einer Einigung mit dem Mieterehepaar gekommen. Laut Klie wollten die beiden gegen Zahlung eines Geldbetrages ausziehen. An der Wohnungstür des Paares stand gestern zu lesen: „BDS – Mörder.“

Laut „Spiegel TV“ hatte der Vermieter mehrere Bewohner mit Drohungen dazu gedrängt, der Sanierung zuzustimmen. In Briefen hieß es, die Miete werde sich verdoppeln, sollten nicht genügend Mietparteien der Maßnahme zustimmen.

Ein Ausquartieren aller Bewohner für die Zeit der Arbeiten lehnte BDS mit Verweis auf die hohen Kosten für eine alternative Unterbringung ab. Der Wohnblock (Baujahr 1967) wird seit Anfang des Jahres nicht nur neu gedämmt. Zugleich lässt der Vermieter sämtliche Systeme und Installationen für Wasser, Gas und Strom austauschen, um den Niedrigenergiestandard zu erreichen. Für die Bewohner heißt das: Sie müssen nicht nur 15 Monate lang Staub und Lärm ertragen. Vier Wochen können sie auch Bäder, Toiletten und Küchen nicht nutzen.

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