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Hamburger Insel : Zu viele Auflagen: Neuwerk-Bewohner wollen aus dem Nationalpark

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Pferdekot muss aufs Festland, Neubauten sind fast ausgeschlossen. Wer auf der Hamburg-Insel Neuwerk wohnt, unterliegt vielen Regeln. Anwohner sind genervt.

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erstellt am 23.Jun.2015 | 12:44 Uhr

Hamburg | Seit nun 25 Jahren ist Hamburgs einzige bewohnte Insel Neuwerk Teil des Nationalparks Hamburgisches Wattenmeer – nun haben die wenigen Insulaner offenbar die Nase voll von den strengen Regeln, die dieser Status mit sich bringt. Einem Bericht des Hamburger Abendsblattes zufolge ist die Beschwerdeliste der Insulaner lang, die bei einem Besuch von Andy Grote (SPD), Bezirksamtleiter von Hamburg-Mitte, auf den Tisch kommt.

Die Insel Neuwerk in der Helgoländer Bucht gehört politisch zum rund 100 Kilometer entfernten Bezirk Hamburg-Mitte und ist somit die einzige bewohnte Insel Hamburgs. Sie liegt rund 15 Kilometer nordwestlich von Cuxhaven (Niedersachsen). Aktuell leben noch etwa 30 Menschen dauerhaft im inneren Teil der Insel, dem sogenannten Binnengroden, der durch einen sieben Meter hohen Deich vor den Naturgewalten geschützt ist.


Grund für den Unmut der Inselbewohner sind demnach die vielen, zum Teil hanebüchenen Einschränkungen und Bestimmungen im Zeichen des Naturschutzes, die ihnen durch die Nationalparkverwaltung auferlegt werden. Die einzige Lösung für die rund 30 Insulaner: „Der Binnengroden muss aus dem Nationalpark genommen werden“, sagte Inselwart Volker Griebel dem Hamburger Abendblatt.

Pferde befördern Touristen im Wattwagen auf die Insel. Doch ihr Kot ist im Watt nicht gern gesehen.
Pferde befördern Touristen im Wattwagen auf die Insel. Doch ihr Kot ist im Watt nicht gern gesehen. Foto: imago/Dieter Medzigall

Konkret gehe es beispielsweise um den Mist der Pferde, die auf der Insel leben. Dieser müsse aufwändig mit dem Trecker übers Watt aufs Festland transportiert werden, um einen übermäßigen „Nährstoffeintrag“ in den Boden des Nationalparks zu verhindern. Spezielle Kotauffangbeutel für die Tiere, die die Wattwagen von der Insel aufs Festland ziehen, seien bereits im Gespräch gewesen. Auch das Ausbringen einer neuen Wiesensaat, die Unkraut verhindern könnte, sei von der Verwaltung abgeschmettert worden. Überdies müssen sowohl Umbauten als auch Anbauten von der Parkverwaltung genehmigt werden. Der Bau neuer Häuser sei praktisch ausgeschlossen.

Darunter leide auch der Tourismus, der die Haupterwerbsquelle der Insel darstellt. Da beispielsweise keine Unterkünfte für Saisonarbeiter gebaut werden können ist es schwer, neue Bewohner und Arbeiter auf die Insel zu ziehen.

Und auch andersherum gehen die Vorstellungen der Naturschutzbehörde und der Insulaner auseinander. So sei die stetig wachsende Population der gefährdeten Gänse auf der Insel inzwischen zur Last für Anwohner und die für den Küstenschutz zuständige Hafenverwaltung „Hamburg Port Authority“ geworden, da die Tiere die Weiden abfressen und ihr Kot vermehrt den schützenden Deich bedroht.

Hamburg müsse sich entscheiden, schließt Heidrun Dietrich, Kinderbetreuerin auf der Insel, im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt: „Sollen hier bald nur noch Vögel leben – oder weiter auch Menschen?“

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