Attacke in Hamburger Supermarkt : Zeuge über Barmbeker Messerstecher: „Er war ein sehr netter Mensch“

Messerstecher Barmbek

Der Angeklagte Ahmad A. bekennt sich im Gerichtssaal im Strafjustizgebäude Hamburg zu der Tat.

Bei der Messerattacke im Sommer 2017 starb ein Mann. Die Richter wollen mehr über das Motiv des Täters erfahren.

shz.de von
29. Januar 2018, 10:58 Uhr

Hamburg | Nach der Bluttat eines abgelehnten Asylbewerbers in einem Hamburger Supermarkt im Sommer 2017 hat ein Bekannter ihn am Montag vor Gericht als netten und hilfsbereiten Menschen beschrieben. „Ich kann bis jetzt nicht verstehen, wie er das machen konnte“, sagte der 42 Jahre alte Zeuge vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht zu dem Verbrechen, bei dem im Stadtteil Barmbek einen 50-jährigen Mann erstochen und sechs weitere Menschen verletzt wurden.

Der Angeklagte und der Zeuge waren Mitbewohner in einer Flüchtlingsunterkunft in Hamburg-Langenhorn. Die Bundesanwaltschaft ist überzeugt, dass die Tat islamistisch motiviert war. Sie wirft dem Palästinenser Ahmad A. Mord sowie versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung in sechs Fällen vor.

Angeklagter gilt als voll schuldfähig

Die Richter wollen durch die Aussagen mehr über die Entwicklung des Angeklagten in Deutschland erfahren. Nach Angaben eines Gerichtssprechers soll Ahmad A. wechselnd extrem am Glauben und am westlichen Leben orientierte Phasen gehabt haben. Die Bundesanwaltschaft ist überzeugt, dass die Tat islamistisch motiviert war. Als Zeugen vor dem Staatsschutzsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts aussagen sollen weitere Mitbewohner, eine Mitarbeiterin aus der Flüchtlingsunterkunft des 26-Jährigen sowie eine Sprachlehrerin.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Ahmad A. Mord sowie versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung in sechs Fällen vor. Es sei dem Palästinenser darauf angekommen, möglichst viele deutsche Staatsangehörige christlichen Glaubens zu töten. Der 26-Jährige hatte bei Prozessauftakt vor zwei Wochen gestanden, am 28. Juli 2017 sieben Menschen in einem Supermarkt und auf einer Einkaufsstraße angegriffen zu haben. Der junge Mann ist einem vorläufigen Gutachten zufolge voll schuldfähig.

„Beitrag für den weltweiten Dschihad“

Der Entschluss zur Tat habe Ahmad A. als „Beitrag für den weltweiten Dschihad“ gesehen, hatte die Vertreterin der Bundesanwaltschaft, Yasemin Tüz, bei der Verlesung der Anklage erklärt. Für eine IS-Mitgliedschaft beim Islamischen Staat, der sich nicht zu der Messerattacke bekannte, haben die Ermittler aber keine Anhaltspunkte. Es gab laut Tüz vorher Hinweise auf ein „phasenweise auffälliges Verhalten“ des Angeklagten, doch das habe sich immer wieder normalisiert.

Bei einem Besuch eines Flüchtlingscafés im November 2006 soll Ahmad A. in einem weißen Gewand eine von Anwesenden als bedrohlich empfundene Rede gehalten haben, in der er erklärte, Muslime dürften nicht untätig bleiben. Das war aus Sicht der Anklage aber noch kein Aufruf zur Gewalt, wie der Gerichtssprecher sagte.

Zu den Warnungen, die es vor der Tat gab, hatte Innensenator Andy Grote (SPD) im August im Innenausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft erklärt, die Behörden seien teilweise nicht schnell und nicht gründlich genug mit Hinweisen auf die psychische Instabilität des Täters und seine Hinwendung zum radikalen Islam umgegangen.

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