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Klage der Hamburger Friedhöfe : Zahngold von Toten: Bundesgericht stärkt Krematorien

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An mehr als 30 Kilogramm bereicherte sich ein 56-Jähriger in einem Hamburger Krematorium. Wem gehört das Gold der eingeäscherten Toten eigentlich? Die Bundesrichte meinen, Krematorien dürfen Zahngold verwahren.

shz.de von
erstellt am 21.Aug.2014 | 16:20 Uhr

Hamburg/Erfurt | Krematorien dürfen Zahngold von Toten nach der Einäscherung verwahren und verwerten. Das geht aus einem Urteil des Bundesarbeitsgerichtes am Donnerstag in Erfurt hervor. Die Richter wiesen die Klage zwar zurück an das Hamburger Landgericht, bestätigten aber, dass ein Krematorium prinzipiell über das Gold verfügen kann. Ein Eigentum des als herrenlos geltenden Zahngoldes sei daraus nicht abzuleiten, sagte ein Gerichtssprecher.

Eigentlich ist es kaum zu glauben, denn es klingt einfach zu makaber: Ein ehemaliger Mitarbeiter des Krematoriums in Hamburg-Öjendorf bereicherte sich an mehreren Kilogramm Zahngold aus der Asche der Toten – über einen Zeitraum von acht Jahren. Gemeinsam mit seiner mittlerweile gestorbenen Frau und weiteren Beteiligten durchsuchte er über Jahre die Asche verbrannter Leichen, steckte Goldreste ein und verkaufte sie. Insgesamt kamen mehr als 31 Kilogramm zusammen - der Schaden, den die Friedhöfe nun einfordern. Der Ex-Arbeitgeber des Mannes fordert Schadenersatz in Höhe von 250.000 Euro. Das Bundesarbeitsgericht in Erfurt fällt am Donnerstag ein Urteil.

Der Fall beschäftigte bereits die Justiz in Hamburg. Im Frühjahr wies das Arbeitsgericht die Klage der Krematorien ab, das Landesarbeitsgericht gab ihnen im Wesentlichen statt. Mit der Revision will der 56-Jährige das Urteil aus erster Instanz in vollem Umfang wiederhergestellt wissen.

Strittig ist in dem Verfahren, ob die Edelmetalle von Verstorbenen „herrenlos“ geworden sind und damit niemandem mehr gehören. Dies ist zumindest der aktuellen Rechtsprechung zu entnehmen. Daher war der Mann auch nicht wegen Diebstahls, sondern wegen Störung der Totenruhe und „Verwahrungsbruch“ strafrechtlich angeklagt worden - neben dem jetzigen arbeitsrechtlichen Prozess.

Der ehemalige Bediener der Einäscherungsanlage des Krematoriums - seinerzeit die einzige Einäscherungsstätte in der Millionenstadt - war von seinem Arbeitgeber bereits 2005 schriftlich darauf hingewiesen worden, keinen Schmuck oder Zahngold aus der Asche der Gestorbenen an sich zu nehmen. Als er es dennoch tat, wurde ihm fristlos gekündigt.

Erst 2010 schöpfte die Leitung des Krematoriums Verdacht und ließ heimlich Videokameras installieren. Deren Bilder zeigten, dass die Ofen-Bediener durchschnittlich rund ein Dutzend mal pro Arbeitsschicht zugriffen und sich die Beute in die Hosentasche steckten.

Der 56-Jährige argumentiert, er verletzte kein Eigentum, da das Zahngold mit der Verbrennung herrenlos geworden sei. Interessant: Das Krematorium geht hingegen davon aus, dass es die Wertgegenstände nach der Verbrennung verwahren und verwerten durfte. Die durch den Verkauf eingenommenen Gelder seien gespendet worden, sagte Bundesarbeitsgerichtssprecher Waldemar Reinfelder.

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