Hamburg : Zahl der älteren Gefangenen steigt – FDP fordert Seniorenabteilungen

Die JVA in Fuhlsbüttel.

Die JVA in Fuhlsbüttel.

In Hamburg gibt es pflegebedürftige Gefangene, Bedarf für ein vergittertes Altenheim sieht die Justizbehörde nicht.

shz.de von
16. Juli 2018, 10:37 Uhr

Hamburg | Kriminelle sind in der Regel eher jung, aber auch Ältere landen manchmal im Gefängnis oder werden dort alt. Die Zahl der älteren Gefangenen in den Hamburger Justizvollzugsanstalten ist den vergangenen zwei Jahren gestiegen. Am Stichtag 1. Juni 2016 waren 64 Häftlinge älter als 60 Jahre, ein Jahr später waren es 66 und in diesem Jahr 79.

Wie der Senat auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bürgerschaftsfraktion weiter mitteilte, sitzen damit jedoch weniger ältere Gefangene hinter Gittern als vor zehn Jahren, trotz gestiegener Gesamtzahl der Inhaftierten. 2008 hatten 82 Ältere hinter Gefängnismauern gelebt. Die Zahl der über 60-Jährigen habe den üblichen Schwankungen unterlegen, hieß es. Am 1. Juni gehörten vier Prozent der insgesamt 1967 Gefangenen zu den Älteren.

Auch SH verfolgt Pläne für ein Senioren-Gefängnis: Vorstellbar seien etwa sechs bis zehn Plätze, welche frühestens 2023 zur Verfügung stehen könnten, bestätigte der Sprecher des Justizministeriums, Oliver Breuer Ende April.

Drei Häftlinge pflegebedürftig

Zurzeit werden drei Häftlinge wegen Pflegebedürftigkeit im Zentralkrankenhaus der Untersuchungshaftanstalt stationär behandelt. Einen Bedarf für eine Seniorenabteilung im Gefängnis sieht die Behörde aber nicht. Sollten weitere Gefangene Pflege benötigen, könne diese Aufgabe von den JVA-Ambulanzen übernommen werden, auch in Kooperation mit einem externen Pflegedienst, hieß es.

Die FDP-Fraktion forderte den Senat dennoch auf, Vorbereitungen für spezielle Seniorenabteilungen zu treffen. „Die Bevölkerung wird immer älter, auch in den Justizvollzugsanstalten“, erklärte Fraktionschefin Anna von Treuenfels-Frowein. Zudem sollten die altersgerechten Freizeit- und Behandlungsangebote in den Gefängnissen auf den Prüfstand gestellt werden.

Von den 79 Älteren, die am vergangenen 1. Juni gezählt wurden, waren 19 wegen Betrugs und Untreue inhaftiert, 17 wegen Straftaten gegen das Leben. 13 saßen wegen Sexualdelikten ein, zwölf wegen Diebstahls und Unterschlagung. Neun gerieten mit dem Betäubungsmittelgesetz in Konflikt, vier begingen eine Körperverletzung, zwei eine gemeingefährliche Straftat wie Brandstiftung oder Gefährdung des Straßenverkehrs. Die übrigen drei wurden wegen anderer Delikte verurteilt.

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