Schlag gegen G20-Plünderer : Wohnungen in mehreren Bundesländern durchsucht

Durchsuchung: Polizisten haben sich vor einem Handyladen in Hamburg-Wilhelmsburg postiert.

Durchsuchung: Polizisten haben sich vor einem Handyladen in Hamburg-Wilhelmsburg postiert.

Die Soko „Schwarzer Block“ durchsucht mit 100 Polizeibeamten 13 Wohnungen in mehreren Bundesländern.

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28. September 2017, 10:00 Uhr

Hamburg | Die Hamburger Polizei hat gestern zum Schlag gegen Plünderer der G20-Chaosnacht im Schanzenviertel ausgeholt. Etwa 100 Beamte durchsuchten 13 Wohnungen sowie einen Handyladen in Hamburg und Umgebung. Jan Hieber, Leiter der Soko „Schwarzer Block“: „Wir haben dabei sieben iPhones sichergestellt, die im Computer-Shop Comspot gestohlen wurden.“ Der Laden für Apple-Produkte an der Schanzenstraße war während der schweren Krawalle in der Nacht vom 7. auf den 8. Juli aufgebrochen und gestürmt worden.

Die Täter schleppten laut Hieber hochwertige Elektronik in einem Gesamtwert von mehr als 100.000 Euro heraus und verschwanden damit in der Nacht. Der Soko ist es nun gelungen, einige der Smartphones zu orten und Durchsuchungsbeschlüsse für die identifizierten Wohnanschriften zu erwirken.

Ziel der Razzien waren auch sechs Adressen in Schleswig-Holstein, eine davon in Pinneberg, eine in Bad Segeberg sowie je zwei in Nahe und Norderstedt (beide Kreis Segeberg). Festnahmen gab es bei der Aktion nicht. Die meisten der ertappten iPhone-Besitzer zählen laut den Ermittlern nicht zu den G20-Plünderern, es handele  sich eher um „Gelegenheitstäter“, so Hieber. Im Klartext: Sie haben die gestohlenen Geräte günstig im Internet gekauft. Im Visier der Soko befand sich gestern auch ein Handyshop in Hamburg-Wilhelmsburg, gegen dessen Betreiber der Verdacht der Hehlerei besteht.   

Die Fahnder sehen die gestrige Aktion als einen von vielen Schritten, um die Ausschreitungen der Gipfeltage aufzuklären. Die Sonderkommission „Schwarzer Block“ mit 130 Mitarbeitern steht laut ihrem Leiter vor einer Herkulesaufgabe, Hieber beschrieb die Herausforderung, als „einmalig in der Geschichte der deutschen Kriminalgeschichte“ und untermauerte die Einschätzung mit einer Reihe imposanter Zahlen zur Ermittlungsarbeit. Demnach hat die Soko etwa 5000 Täter der Krawalle ausgemacht, mehr als 2000 Ermittlungsverfahren seien eröffnet. Mittlerweile sind acht Angeklagte von Hamburger Gerichten verurteilt worden, weitere 23 warten in der U-Haft noch auf ihre Hauptverhandlung.

Außer Kontrolle: Während die Staatschefs in der Elbphilharmonie saßen, eskalierte die Situation in der Schanze.
Markus Scholz/dpa

Außer Kontrolle: Während die Staatschefs in der Elbphilharmonie saßen, eskalierte die Situation in der Schanze.

 

Das auszuwertende Beweismaterial erreicht nie gekannte Ausmaße. Allein 25.000 Polizei-Videos müssen gesichtet werden, zuzüglich rund 7000 Videos, die Bürger über das G20-Portal der Ermittler hochgeladen haben.

Bei der Auswertung setzen die Hamburger Beamten erstmals im großen Maßstab auf Geodatenortung sowie eine Gesichtserkennungs-Software ein. Hieber: „Die Qualität gerade der Videobeweise hat einen neuen Standard erreicht.“ Die erdrückenden Bildern führten dazu, dass mancher Verdächtiger bereitwillig die Taten gestehe.

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