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Festnahme in Hamburg-Hoheluft : Wohnung von Mongols-Chef gestürmt – Waffe gefunden

vom

Der 37-Jährige soll gegen Bewährungsauflagen verstoßen haben. Das Mobile Einsatzkommando stürmt seine Wohnung.

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2015 | 16:00 Uhr

Hamburg | Rockerboss Erkan U. war zuletzt Dauergast in Hamburgs Boulevardzeitungen. Gut möglich, dass der Präsident der örtlichen Mongols MC-Gruppe nun für längere Zeit von der Bildfläche verschwindet. Die Polizei hat den 37-Jährigen am Freitag in einer spektakulären Aktion in seiner Wohnung in Hoheluft festgenommen.

Im Juli 2014 wurde das Chapter der Mongols in Hamburg gegründet. Ein Chapter des Clubs in Bremen wurde verboten. Ein Probechapter gibt es in Kiel.

Es war gegen 11 Uhr, als Passanten an der belebten Hoheluftchaussee an einen Terroranschlag glaubten. Zwei laute Detonationen waren zu hören, doch galten diese lediglich der Verhaftung des Mongols-Anführers. Beamte der Mobilen Einsatzkommandos (MEK) hatten auf der Dachterrasse des Penthouses die Tür von U.'s Wohnung eingeschlagen und Blendgaranten ins Innere geworfen. Die Spezialkräfte stürmten ins Apartment und nahmen den Rocker fest. Dieser leistete keinen Widerstand.

Minuten später wurden die vielen Neugierigen auf der Straße Zeugen, wie Beamte den Mann mit den auffälligen Schrift-Tätowierungen auf den Wangen aus dem Haus führten. Er trug Handschellen und einen Kapuzenpullover mit demselben Schriftzug wie sie die Tattoos in seinem Gesicht zeigen: „MFFM“ („Mongols Forever, Forever Mongols“), das Motto der Rockerclubs.

Polizeisprecher Andreas Schöpflin: „Das Mobile Einsatzkommando hat den 37-Jährigen in seiner Wohnung wegen eines bestehenden Sicherungshaftbefehls des Amtsgerichts Hamburg verhaftet.“ Dieser sei erlassen worden, weil U. gegen Bewährungsauflagen verstoßen haben soll. In der Wohnung wurden laut Schöpflin eine scharfe Waffe sowie eine geringe Menge Rauschgift entdeckt.

Der Zeitpunkt der Verhaftung war kein Zufall und eher taktischer Natur. Ganz offensichtlich wollten die Sicherheitsbehörden mit dem filmreifen MEK-Einsatz einer Eskalation im schwelenden Streit zwischen Mongols und Hells Angels zuvorkommen. Beide Gruppen liefern sich seit Monaten in Hamburg Scharmützel, hinter denen ein Machtkampf um das Rotlichtmilieu steht. Die Höllenengel befürchten, dass die Rockerkonkurrenz ihnen die Kontrolle über die Huren rund um die Reeperbahn streitig machen will. Deren Anführer Erkan U. gilt laut Insidern als außerordentlich brutal und skrupellos.

Bereits im Juli hatte das MEK bei einem Hubschraubereinsatz dessen Penthouse gestürmt. Auch damals fand sich eine Waffe, der Rocker kam dennoch wieder frei. Ende Oktober explodierte dann eine Handgranate unter dem Lamborghini des 37-Jährigen, Täter unbekannt. U. blieb unverletzt und ließ einige Zeit später seine Mongols und befreundete Bandidos auf dem Kiez aufmarschieren – eine gezielte Provokation in Richtung der Hells Angels.

Nächster Akt war ein Überfall auf den Mongols-Chef in dessen Wohnung, bei dem Unbekannte ihm die Kutte raubten. Milieubeobachter werten den Vorgang als Racheakt der Angels – und als denkbar schlimmste Demütigung für einen Rocker. Im Falle von U. erfuhr diese gestern noch eine Steigerung. Auf Facebook tauchte ein Video auf, in dem ein Transvestit mit seiner Kutte über die Reeperbahn spaziert. Der Mongols-Boss reagierte - ebenfalls auf Facebook - mit wüsten Beschimpfungen und Drohungen in Richtung der verhassten Höllenengel. Für die Polizei war dies Anlass genug, dem Treiben auf ihre Weise einen Riegel vorzuschieben. Zumindest fürs Erste.

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