ÖPNV : WLan und automatischer Betrieb: Hamburgs S-Bahnen werden modernisiert

Hamburg will die Bestellung der topmodernen S-Bahnzüge der Reihe ET 490 von 60 auf 72 erhöhen.
Hamburg will die Bestellung der topmodernen S-Bahnzüge der Reihe ET 490 von 60 auf 72 erhöhen.

Das S-Bahn-Sytem stößt an seine Grenzen. Für die kommenden Jahre steht daher ein Ausbauprogramm an.

shz.de von
30. Januar 2017, 20:22 Uhr

Hamburg | Kaum irgendwo ist Hamburgs Bevölkerungszuwachs so gut zu beobachten wie im ÖPNV, auch in den S-Bahnen der Metropolregion. „2016 hatten wir einen Fahrgastzuwachs um 3,6 Prozent“, berichtete Geschäftsführer Kay Uwe Arnecke am Montag bei einem Rück- und -ausblick zum Jahreswechsel. 277 Millionen Passagiere nutzten im vergangenen Jahr die sechs Linien. „Vor allem auf den langen Pendlerstrecken haben wir weiter zugelegt“, sagte Arnecke. Besonders große Zuwächse gab es auf der S1 zum Flughafen sowie auf der S3 in Richtung Stade.

Die angenehme Entwicklung hat unangenehme Folgen: Wegen des Ansturms stößt das System S-Bahn unübersehbar an seine Grenzen. Vor allem auf der S3, aber auch auf den anderen Linien aus dem Speckgürtel können Züge und Bahnsteige die Massen zeitweise kaum bewältigen. Auf  die zunehmenden Engpässe reagieren Stadt und S-Bahn nun „mit dem größten Modernisierungs- und Ausbauprogramm der vergangenen 20 Jahre“ wie S-Bahnchef Kay Uwe Arnecke ankündigte. „Für die S-Bahn Hamburg beginnt in diesem Jahr die Zukunft.“ Er versprach Investitionen von mehr als 500 Millionen Euro in den kommenden Jahren.

Die wichtigsten Maßnahmen im Überblick:

Neue Züge: Hamburg will die Bestellung der topmodernen S-Bahnzüge der Reihe ET 490 von 60 auf 72 erhöhen. Der Praxistests mit acht ersten Fahrzeugen beginnt im vierten Quartal. Bis Ende 2018 sollen 60 Exemplare ausgeliefert sein, im Anschluss folgte das nachgeorderte Dutzend. Die ET490er ersetzen vorwiegend die 35 Jahre alten Oldies auf der Linie S21 nach Bergedorf. Dank der Neubeschaffungen soll sich der gesamte Fuhrpark bis Ende 2018 um 20 auf 184 Züge erhöhen. Arnecke: „Dann können wir auf allen Linien mit Vollzügen fahren.“ 

Re-Design: Die S-Bahn lässt nach und nach auch 112 Züge des Modells ET 474 auffrischen. Sie erhalten unter anderem Durchgänge zwischen den Wagen und ein neues Infosystem für die Fahrgäste. 

Bahnhöfe: Im Sommer beginnt der Bau der Station an den Elbbrücken, 2018 der des Bahnhofs Ottensen. Ab Sommer 2017 werden die Stationen im Citytunnel (Jungfernstieg, Stadthausbrücke, Landungsbrücken) erneuert. Aufgefrischt wird auch die Station Altona.

Automatischer Betrieb: Mittelfristig sollen Hamburgs S-Bahnen automatisch aus den Stellwerken heraus gesteuert werden. Dann wären Züge ohne Fahrer möglich. Ziel ist es, die Effizienz zu erhöhen und den Takt zu verkürzen. Denkbar wäre in einigen Jahren ein Rhythmus von 60 Sekunden.

Neue Strecken: Die Planungen für die Elektrifizierung der bisherigen AKN-Linie 1 (Hamburg-Eidestedt - Kaltenkirchen) laufen. Der Bau soll 2018 starten und 2021 abgeschlossen sein. Den Betrieb übernimmt die S-Bahn unter der Linienbezeichnung S21. Auch treiben Hamburg und Schleswig-Holstein den Bau der S4 Ost (Hamburg - Bad Oldesloe) voran. Baubeginn könnte 2020 sein, die Inbetriebnahme des ersten Abschnitts 2024. Allerdings haben sich die Länder und der Bund noch nicht über die Verteilung der Kosten von 950 Millionen Euro geeinigt. 

WLAN: Nach den U-Bahnhöfen sollen nun auch die S-Bahnhöfe kostenlose WLAN-Zugänge erhalten. Im ersten Halbjahr beginnt zunächst eine Testphase auf der S3/S31 an den vier Stationen zwischen Hammerbrook und Harburg. Arnecke: „Ziel ist es, alle 68-S-Bahnstationen auszustatten.“ In den Zügen ist vorerst kein WLAN geplant.

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