Metall- und Elektroindustrie : „Wir werden langsam loslegen“ – IG Metall Küste kündigt Warnstreiks an

Die Gewerkschaft fordert sechs Prozent mehr Entgelt und individuellen Anspruch der Beschäftigten auf bezahlte Familien- oder Pflegeteilzeit.
Foto:
1 von 1
Die Gewerkschaft fordert sechs Prozent mehr Entgelt und individuellen Anspruch der Beschäftigten auf bezahlte Familien- oder Pflegeteilzeit.

Um der Forderung nach sechs Prozent mehr Entgelt Nachdruck zu verleihen, wurde zu mehrstündigen Arbeitsniederlegungen aufgerufen.

shz.de von
03. Januar 2018, 13:54 Uhr

Hamburg | Die Konjunktur brummt, die Auftragsbücher sind voll. Doch ausgerechnet  in Deutschlands Metall- und Elektrobranche braut sich der perfekte Sturm zusammen. So ist es zumindest Sorge der einen und Wunsch der anderen. 140.000 Beschäftigte der norddeutschen Metall- und Elektrobranche hat die IG Metall Küste für die nächste Woche zu Warnstreiks aufgerufen. „Wir sind kein Stück weiter im inhaltlichen Bereich“, sagte Bezirksleiter Meinhard Geiken am Mittwoch vor Journalisten in Hamburg. Am 31. Dezember endete die Friedenspflicht. Die Gewerkschaft setzt  auf „den Druck aus den Betrieben“.

In einer ersten Welle bis zur dritten Verhandlungsrunde am 18. Januar in Bremen seien Metaller aus mehr als 140 Betrieben zu mehrstündigen Arbeitsniederlegungen aufgerufen. „Wir werden langsam loslegen“, sagte Geiken. Ab Mittwoch seien  größere Kundgebungen in Betrieben in Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen geplant.

Die Arbeitgeber-Seite rüstete am Mittwoch juristisch auf. Sie betrachtet die angekündigten Warnstreiks als rechtswidrig, beruft sich auf ein entsprechendes Rechtsgutachten und behält sich für den Fall der Fälle Schadensersatzklagen vor. „Die Forderung der IG Metall nach einem finanziellen Ausgleich ohne Arbeitsleistung ist nach unserer Auffassung rechtswidrig, und damit sind auch die Warnstreiks illegal, wenn sie sich auf diese Forderung beziehen“, sagte Präsident und Verhandlungsführer von Nordmetall, Thomas Lambusch.

Die Gewerkschaft fordert sechs Prozent mehr Geld. Daneben streitet sie aber auch für einen individuellen Anspruch der Beschäftigten auf bezahlte Familien- oder Pflegeteilzeit. Beschäftigte sollen ihre wöchentliche Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden reduzieren können – und unter bestimmten Voraussetzungen einen Zuschuss erhalten; wenn sie beispielsweise Kinder betreuen oder Angehörige pflegen.

Aus Sicht der Arbeitgeber ist die Forderung aber rechtswidrig, „weil sie Beschäftigte willkürlich ungleich behandelt“. So ginge eine Arbeitnehmerin, die schon jetzt zur Kindererziehung nur Teilzeit arbeite, leer aus, gibt Lambusch zu bedenken. „Ich finde es spannend, dass die Arbeitgeberseite ihr Herz für die Frauen in Teilzeit entdeckt“, so Geiken. Er spielt damit auch darauf an, dass es die Arbeitgeber waren, die sich zuletzt  gegen das Rückkehrrecht aus Teilzeit gestellt haben – obwohl dieses vor allem Frauen betreffen würde. Geiken machte klar: „Sollte es in der dritten Verhandlung keine Bewegung geben, werden wir bei den Warnstreiks nochmal kurzfristig nachlegen, aber dann auch schnell über 24-Stunden-Warnstreiks entscheiden.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen