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Konzerte in Hamburg : Wie mich Adele vom Abi bis zur Quarterlife Crisis begleitete

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Aus der Onlineredaktion

Rauchen, Trinken, Fluchen: Adele hält sich an keine Regeln der Popindustrie. Vielleicht ist sie gerade deswegen zur Identifikationsfigur geworden, meint unsere Autorin.

shz.de von
erstellt am 10.Mai.2016 | 15:43 Uhr

Hamburg | Jung, frech und britisch – das war die Musik, die ich im Alter von 18 bis 20 Jahren hörte. Sängerinnen wie M.I.A., Kate Nash, Amy Winehouse und Lily Allen waren meine Idole. Wenngleich sie alle schwer miteinander zu vergleichen sind, gehörte für mich auch Adele in diese Reihe.

Während andere Künstler jedoch im Laufe der Jahre in der Versenkung (oder im Club 27) verschwanden, zieht sich die Musik von Adele bis heute wie ein roter Faden durch mein Leben. Die Deutschland-Tour, die sie nach der Veröffentlichung ihres dritten Albums ankündigte, war blitzschnell ausverkauft. Ich gehöre zu den Glücklichen, die eine Karte bekommen haben.

Es ist schon eine Weile her, dass ihre ersten beiden Alben erschienen. Damit ich bei dem Konzert am Mittwoch trotzdem alle Lieder textsicher begleiten kann, habe ich sie mir noch einmal von vorne bis hinten angehört – und begab mich damit auf eine kleine Zeitreise durch die Lebensstationen der letzten acht Jahre.

„19” -  Die Rebellion und der Aufbruch

Lieblings-Textzeile: „Everybody taking different sides, shows that we ain't gonna stand shit, shows that we are united”

Nachdem mir 2008 Adeles Album „19“ in die Hände fiel, hörte ich es rauf und runter. In ihrem Debüt geht um die erste Liebe und darum, wie sie zerbricht, um Schwärmereien und wie es sich anfühlt, seine Heimatstadt zu verlassen.

In dieser Zeit verließ ich selbst mit Abitur in der Tasche und Rucksack auf dem Rücken das Land und war bereit, die Welt zu entdecken - Adele war auf meinem iPod immer mit dabei.

21” – Der große Herzschmerz

Lieblings-Textzeile: „We could have had it all“

2011 folgte Adeles zweites Album „21“ und damit der Mega-Erfolg. In über 30 Ländern landete es auf der Nummer eins und wurde zu einem der meistverkauften Alben aller Zeiten. Adele wurde zum Superstar – und das mit 21 Jahren.

Während „Rolling in the deep“ in den Charts immer weiter nach oben kletterte, befand ich mich in London, Adeles Heimatstadt. Ich erinnere mich, wie ich gemeinsam mit einer Freundin auf dem Bett in meinem kleinen Zimmer im Studentenwohnheim lag und „21“ in Dauerschleife lief. Gemeinsam philosophierten wir über die Liebe und fühlten den großen Herzschmerz, den Adele in diesem Album verarbeitet. Aber schon gut: „Never mind I find someone like you“ sangen wir inbrünstig mit.

Dieses Gefühl bringt Jennifer Lawrence in einem Essay auf den Punkt, in dem sie für das Time Magazine über Adele schreibt: „Als dann ,21' erschien, wurden – ohne zu dramatisch klingen zu wollen – mein Leben und das von Milliarden anderen verändert."

„25” – Das Erwachsenwerden

Lieblings-Textzeile: „I miss it when life was a party to be thrown, but that was a million years ago

Vier Jahre dauerte es, bis es wieder ein musikalisches Lebenszeichen von Adele gab. Mit diesem Album ist sie erwachsen geworden, lässt den alten Schmerz hinter sich und widmet die Liebeslieder neuerdings ihrem kleinen Sohn. Trotzdem geht es auch wieder um die Suche nach sich selbst und der Bewältigung der „Quarterlife Crisis“ - die Krise der Mittzwanziger, und so fühle ich mich wieder verstanden. Gibt es etwas Beruhigenderes als das Wissen, dass selbst eine zehnfache Grammy-Gewinnern, mit mehr als 100 Millionen verkauften CDs, manchmal an sich zweifelt?

Der Kampf um die Konzertkarten

In den ganzen Jahren, die mich Adele schon begleitet, habe ich es nie zu einem ihrer Konzerte geschafft – obwohl es vor ihrem großen Durchbruch einfacher und günstiger gewesen wäre, an die Karten zu gelangen. Die Dramatik ihrer Balladen setzt sich symbolträchtig beim Ticketkauf fort. Da wir eigentlich kein Geld hatten, zögerten meine Konzertbegleitung und ich die Kaufentscheidung bis zum letzten Moment hinaus. Durch einen unerwarteten Spontan-Kredit entschieden wir uns am Ende dafür, uns dem Kampf um die Tickets zu stellen. Zehn Anläufe brauchte es, in denen wir immer wieder aus dem Online-Shop geworfen wurden. Aber dann gehörten die Ticket uns! Es war ein emotionaler Moment.

Ob man die Musik von Adele mag oder nicht, bleibt natürlich Geschmackssache. Zweifellos ist sie aber eine Sängerin mit einer Ausnahme-Stimme, viel britischem Humor und fabelhaftem Aussehen, die es trotz (oder auch gerade wegen) ihrer derben Art an die Spitze des Pophimmels geschafft hat. Sie zusammen mit 24.000 anderen Zuschauern live in der Hamburger Barclaycard Arena zu erleben, wird großartig – ich bin mir sicher.

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