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Norddeutsches Forum Tiedeelbe : Wie Hamburg die Elbe heilen will

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Das Forum will im Zusammenwirken mit den Unterelbeanrainern unter anderem Umweltschäden und Sedimentprobleme mildern.

Hamburg | „Der Elbe wieder mehr Raum geben“: Das ist ein Hauptziel des Forums Tideelbe, das sich am Dienstag im Hamburger Rathaus feierlich konstituiert hat. Vertreten sind rund 50 Institutionen und Gruppen, angefangen von den Elbanrainern Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen über Kommunen am Unterlauf des Stroms, der Wasserstraßenverwaltung des Bundes (WSV), der Hamburg Port Authority, von Tourismus und Wassersport, Wasser- und Bodenverbänden bis hin zu Fischerei und Hafenwirtschaft. Sie alle suchen nach Möglichkeiten, den geschundenen Fluss ökologisch aufzuwerten und zugleich das Verschlickungsproblem in den Griff zu kriegen.

Mit am Tisch sitzen die Umweltverbände der Region, die sich zeitgleich mit Hamburg vor dem Bundesverwaltungsgericht wegen der Elbvertiefung im Clinch liegen. Das Forum habe mit der Elbvertiefung nichts zu tun, versicherte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD). Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) sieht das Gremium als Instrument, „Ökonomie und Ökologie“ am Strom unter einen Hut zu bekommen. Scholz versprach: „Wir wollen mit allen Beteiligten einen partnerschaftlichen Dialog führen, um einen fairen Ausgleich der Interessen zu erreichen.“

Es geht um den Spagat zwischen der Elbe als Highway für Frachterriesen und als Naturraum „von einmaliger Schönheit“ (Horch). Bisher hätten im Zweifel wirtschaftliche Interessen den Vorrang erhalten, befand Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne). Mit der Ästuarpartnerschaft bestehe die Chance, die Interessen auszutarieren.

Das Forum, das auf vier Jahre angelegt ist, soll vor allem Maßnahmen wie Rückdeichungen und das Öffnen von Nebenarmen erarbeiten. Das Wasser soll Ausweichflächen erhalten, um den Sedimentmengen zu verringern. Dabei entstünden auch Lebensräume für Pflanzen und Tiere, betonte Kerstan. „In diesem Fall sind die Interessen von Ökonomie und Ökologie dieselben.“

In Hamburg läuft eine erste Rückdeichung in Kreetsand mit 50 Hektar zusätzlichem Flutraum. Der Umweltsenator räumte ein, dass für eine durchschlagende Reduzierung des Schlickproblems viel größere Flächen geflutet werden müssten – und die liegen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Welche Maßnahmen dort in Betracht kommen, mochten die Verantwortlichen nicht benennen.

Ein Blick in den Abschlussbericht des vorgeschalteten „Dialogforums Tideelbe“ zeigt aber, wohin die Reise gehen könnte. Darin sind knapp zwei Dutzend denkbarer Strombaumaßnahmen aufgelistet. Neun davon haben HPA und WSV „priorisiert“, also als am ehesten als umsetzbar bewertet. Dazu zählen die Wiederöffnung von Alter Süderelbe, Dove Elbe sowie der Borsteler Binnenelbe vor Jork. Unter den Vorschlägen findet sich überraschend aber auch die Deichöffnung in der Haseldorfer Marsch, die vor rund zehn Jahren bereits gerichtlich untersagt worden war.

Hintergrund: Verhandlung um Elbvertiefung

Das Leipziger Gericht verhandelt vom 19. Dezember an voraussichtlich bis zum 21. Dezember einmal mehr über die Elbvertiefung. Ein Urteil wird dabei jedoch nicht erwartet. Nach Auffassung der klagenden Umweltverbände könnten auch weitere Beweisbeschlüsse oder gar ein neuerlicher Gang zum Europäischen Gerichtshof möglich sein.

Die Stadt Hamburg und der Bund wollen die Elbe erneut ausbaggern, damit auf ihr Schiffe mit einem Tiefgang von 13,5 Metern unabhängig von Ebbe und Flut fahren können. Die ersten Planungen dazu begannen bereits 2006. Die Umweltverbände WWF, Nabu und BUND - zusammengeschlossen im Bündnis Lebendige Tideelbe - sehen in einer neuerlichen Elbvertiefung, der dann siebten seit Beginn des 20. Jahrhunderts, dagegen einen nicht zu vertretenden Eingriff in die Umwelt und zogen 2012 vor Gericht. (dpa)

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erstellt am 06.Dez.2016 | 22:06 Uhr

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