Milliardenprojekt Mehrzweckkampfschiff MKS 180 : Werft-Betriebsräte beraten in Krisengespräch über Marineschiffbau

Die Fregatte „Baden Württemberg“ (Baureihe F125) der Deutschen Marine liegt im Mai 2016 in Hamburg im Dock10 der Werft „Blohm+Voss“. Im Mittelpunkt der Gespräche steht die Unsicherheit über das Milliardenprojekt „Mehrzweckkampfschiff MKS 180“ und die Haltung der neuen Bundesregierung zur Werftenpolitik.

Die Fregatte „Baden Württemberg“ (Baureihe F125) der Deutschen Marine liegt im Mai 2016 in Hamburg im Dock10 der Werft „Blohm+Voss“. Im Mittelpunkt der Gespräche steht die Unsicherheit über das Milliardenprojekt „Mehrzweckkampfschiff MKS 180“ und die Haltung der neuen Bundesregierung zur Werftenpolitik.

Das Rüstungsprojekt der neuen Regierung birgt Zündstoff. Deutsche Werften sind in Sorge, wenn sie nicht zum Zuge kommen.

shz.de von
12. März 2018, 07:58 Uhr

Hamburg/Emden | Zu einem Krisengespräch über die Zukunft des Marineschiffbaus in Deutschland treffen sich Betriebsräte von Marinewerften und Zulieferern am Mittwoch in Hamburg. Im Mittelpunkt steht die Unsicherheit über ein Milliardenprojekt und die Haltung der neuen Bundesregierung zur Werftenpolitik. Bei den Werften herrscht Alarmstimmung, nachdem die Werften Lürssen und ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) von dem Bauprojekt Mehrzweckkampfschiff MKS 180 ausgeschlossen wurden.

Das Werftenkonsortium ist damit bei dem Vergabeverfahren für eines der größten Rüstungsvorhaben der Bundeswehr außen vor. Für vier der neuartigen Schiffe hat das Verteidigungsministerium rund 3,5 Milliarden Euro angepeilt, für zwei weitere soll es eine Kaufoption geben. Im Rennen verblieben sind die Kieler Werft German Naval Yards (GNY) und die niederländische Damen Shipyards.

IG Metall kritisiert europaweite Ausschreibung

Die Gewerkschaft IG Metall sieht in der europaweiten Ausschreibung des Auftrags höchste Gefahr für den deutschen Marineschiffbau. „Dadurch wird es nur wenig Gewinner in Deutschland geben, aber sehr viele Verlierer“, sagte ein Sprecher. Der Großauftrag sei auch ein Referenzprojekt für Folgeaufträge. Ein Verlust könne sich negativ auf weitere Exportvorhaben auswirken, deutsches Know How könne langfristig verloren gehen.

IG-Metall-Bezirksleiter Manfred Geiken drängt auf ein neues Vergabeverfahren und verweist auf den Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung. Darin wird der Überwasserschiffbau als Schlüsseltechnologie festgeschrieben. Gewerkschaft und Betriebsräte hoffen daher auf ein Einlenken im Verteidigungs- und Wirtschaftsministerium. Zumindest im Wirtschaftsministerium übernimmt jetzt Peter Altmaier (CDU) und damit ein neuer Minister das Ruder. Das Verteidigungsministerium äußerte sich bisher nicht unter Verweis auf vergaberechtliche Gründe.

Mit Sorge wird der Tiefschlag für den erhofften Milliardenauftrag auch am TKMS-Standort im ostfriesischen Emden verfolgt. Erst im Februar hatte der Konzern die beabsichtigte Schließung der Niederlassung mit 220 Mitarbeitern für drei Jahre ausgesetzt. Ein Hintergrund der Entscheidung war das damals noch offene Vergabeverfahren für das MKS 180. Durch die neue Situation sind jetzt aber die Auswirkungen für TKMS insgesamt offen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen