Wohnraum in Hamburg : Weniger Flüchtlinge: Stadt streicht Erstaufnahmeeinrichtungen

Flüchtlingsunterkunft

Für das laufende Jahr werden etwa 3600 Neuankömmlinge erwartet. So viele wie 2017. 

Im Gegenzug schafft die Hansestadt 3500 zusätzliche Plätze in Folgeunterkünften für wohnungslose Menschen.

shz.de von
19. Januar 2018, 19:33 Uhr

Hamburg | Trendwende bei der Aufnahme von Flüchtlingen in Hamburg: Die Stadt will in diesem Jahr 3200 Plätze in Erstaufnahmestellen streichen, dafür aber 3500 zusätzliche Plätze in Folgeunterkünften öffnen. Das hat der Leiter des Zentralen Koordinierungsstabes Flüchtlinge (ZKF), Anselm Sprandel, am Freitag angekündigt. Hintergrund ist der Rückgang des Flüchtlingszustroms seit 2015. Für das laufende Jahr erwartet Sprandel etwa 3600 Neuankömmlinge, so viele wie 2017. Er geht davon aus, dass sich sämtliche Zuzüge mit Unterbringungsbedarf und Auszüge aus Erstaufnahmen und Folgeunterkünften die Waage halten werden. 

Im Laufe des Jahres sollen sieben von 14 Erstaufnahmeeinrichtungen geschlossen werden, darunter auch die an der Schnackenburgallee an der Autobahn 7 nahe dem Volksparkstadion, mit 900 Plätzen eine der größten in der Elbmetropole. Insgesamt verringert die Stadt ihre Kapazitäten bei der Erstaufnahme bis Ende 2018 auf rund 2500 Plätze – auf dem Höhepunkt der Zustroms Ende 2015 waren es 21.000.

Zugleich schafft Hamburg in Neubauten massiv Wohnungen für Flüchtlinge mit Bleibeperspektive und für andere Wohnungslose. Im Jahr 2018 sollen insgesamt 20 neue Unterkünfte öffnen, so dass dann unter dem Strich rund 35.000 Plätze zur Verfügung stehen werden. Dabei geht der ZKF davon aus, dass auch 1500 Personen im Zuge von Familienzusammenführungen unterzubringen sein werden; zudem sollen dort 300 Obdachlose Platz finden. 

Zu den neuen Quartieren gehört die Unterkunft am Björnsonweg in Blankenese (192 Plätze), gegen deren Bau sich Anwohner lange Zeit vehement gewehrt hatten. Größte der neuen Folgeunterkünfte ist eine Siedlung in Billstedt für knapp 1000 Menschen. 

Dank der Fertigstellung der vielen zusätzlichen Wohnungen hofft Sprandel bis Mitte des Jahres auch den Rückstau in den Erstaufnahmestellen abbauen zu können. Noch immer leben dort nach seinen Angaben etwa 2300 so genannte Überresidente, die Anspruch auf eine Bleibewohnung haben. Er verspricht: „Unser Ziel, ihnen einen Platz in einer Folgeunterkunft anzubieten und den Menschen damit eine bessere Integration zu ermöglichen, werden wir 2018 erreichen.“

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