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Bundesliga-Dino : Was passiert, wenn der HSV absteigt?

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Das einstige Aushängeschild der Stadt nur noch zweite Liga? Bis vor Kurzem undenkbar, jetzt nicht mehr unmöglich. Die Folgen aus Sicht des Standortmarketings wären weitreichend. Auch Hamburgs Olympia-Ambitionen könnten einen gewaltigen Kratzer davontragen.

Hamburg | In Hamburg ist Fußball in diesen Tagen weit mehr als die schönste Nebensache der Welt. Auch jenseits des Sportlichen würde ein Abstieg des HSV aus der Bundesliga die Stadt und das Umland erheblich treffen, wirtschaftlich und beim Image. Hamburgs Tourismuschef Dietrich von Albedyll: „Die mediale Aufmerksamkeit eines Fußballbundesligisten ist aus Sicht des Standortmarketings unbezahlbar. Durch einen Abstieg verringert sich die Strahlkraft des HSV als Standortfaktor für die Stadt.“

Der Bundesliga-Dino nicht erstklassig? Bis vor Kurzem war das so undenkbar wie die Alster ohne Wasser und Hamburg ohne Michel. Idol Uwe Seeler spricht auch Nicht-Fußballfans aus der Seele: „Ein Abstieg hat in meinen Gedanken nie eine Rolle gespielt. Ich kann es mir auch nur schwer vorstellen.“ 

Die Marketingexperten haben das scheinbar Unmögliche dagegen schon durchgespielt. Sollte der Club in der Zweitklassigkeit verschwinden, wäre dies ein empfindlicher Rückschlag für die Region, aber auch im globalen Wettbewerb der Metropolen um Besucher, Fachkräfte und Investoren, sagt von Albedyll. „Der HSV erzielt eine Vielzahl von wirtschaftlichen Effekten für die Stadt, deren Ausmaße die üblichen Dimensionen eines klassischen Sportvereins weit übersteigen.“

Ein Abstieg würde demnach die Zahl der Tages- und Übernachtungsgäste deutlich reduzieren und sich spürbar auf die Einnahmen von Einzelhandel, Gastronomie, Hotellerie und Verkehrsbetriebe auswirken. Besonders schmerzlich wäre der Zeitpunkt des Niedergangs. Ab der Saison 2015/2016 hat die Liga Verträge für die Medienberichterstattung in Asien und Amerika geschlossen - ausgerechnet in den Märkten, in denen die Hansestadt verstärkt um Touristen wirbt.

In einer Studie zu regionalwirtschaftlichen Potenzialen des HSV schrieb das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) 2008 dem Verein eine „Schlüsselrolle“ als „weicher Standortfaktor“ für die Hansestadt zu. Jobeffekte und Wertschöpfung des Bundesligagründungsmitglieds für Stadt und Umland lagen damals bei jährlich 84 Millionen Euro. Umgerechnet 740 Vollzeitstellen hingen am Erstligafußball im Volkspark, etwa 250 davon als direkt Beschäftigte beim Verein und bei Partnern.

Das beträchtliche wirtschaftliche Gewicht des Traditionsclubs verdeutlicht auch diese Rangliste: Mit einem Umsatz von 135 Millionen Euro in der laufenden Saison belegt der Abstiegskandidat noch immer Platz 17 in Europa – vor Champions-League-Finalist Altetico Madrid und vor dem AS Rom. Mehr als eine Million Besucher werden auch in dieser verkorksten Spielzeit in der Imtech Arena Eintritt bezahlt sowie Speisen und Getränke konsumiert haben.

Der Gang in Liga 2 würde zur drastischen Schrumpfkur zwingen. Zum Vergleich: Der 1. FC Köln büßte nach dem Abstieg 2012 gut die Hälfte der TV-Gelder und jeweils mehr als ein Drittel bei Zuschauereinnahmen und Werbeerlösen ein.

Ein sportlicher Absturz des einstigen Aushängeschildes wäre auch suboptimal für Hamburgs Olympia-Ambitionen. „Ist schon peinlich, als Zweitligastadt anzutreten“, heißt es hinter vorgehaltener Hand im Rathaus. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann, nennt es zwar „keine Voraussetzung“, dass ein deutscher Olympia-Kandidat erstklassig Fußball spielt – „wünschenswert“ sei es aber schon. Vielleicht auch deshalb macht sich Sportsenator Michael Neumann (SPD) am Samstag auf den Weg nach Mainz, um den Dino-Kickern im entscheidenden Spiel die Daumen zu drücken. Neumann: „Es kann nicht sein, dass die Bundesliga ohne den HSV spielt.“

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erstellt am 06.Mai.2014 | 19:06 Uhr

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