Historische Gebäude : Warten auf den Vorschlaghammer: Hamburger Gebäude vor dem Abriss

Obwohl die Bauwerke teilweise unter Denkmalschutz stehen, sollen sie dem Erdboden gleichgemacht werden.

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16. Januar 2018, 15:41 Uhr

Hamburg | Der Abriss des Hanseviertels scheint abgewendet – dem Eintrag in die Denkmalliste sei Dank. Anderen geschichtsträchtigen Gebäuden in der Hansestadt droht dagegen das baldige Aus, und das teils trotz Denkmalschutzes. Die prominentesten Abrissprojekte:

Deutschlandhaus am Gänsemarkt

Deutschlandhaus am Gänsemarkt.
Markus Lorenz

Deutschlandhaus am Gänsemarkt.

 

Baujahr: 1929. Der Komplex zwischen Gänsemarkt und Drehbahn beherbergte einst den Ufa-Palast, mit fast 2700 Zuschauerplätzen einer der damals größten in Europa. Wegen Umbauten in den 1970er Jahren steht der Laden- und Bürokomplex nicht unter Denkmalschutz. Nun soll das Eckgebäude einem Neubau weichen, die ABG Gruppe plant dort ein urbanes Quartier. Der Abrissantrag wird für dieses Jahr erwartet.  

City-Hof

City-Hof in der Innenstadt.
Markus Lorenz

City-Hof in der Innenstadt.

Baujahr: 1956 bis 1958. Der City-Hof gilt als umstrittenster Immobiliendeal in der Innenstadt. Die Stadt hat die vier Hochhausscheiben an das Bauunternehmen Aug. Prien verkauft und die Weichen auf Abriss gestellt. Begründung: ein übergeordnetes Interesse an der Aufwertung des Quartiers. Der Neubaukomplex bietet doppelt so viel Geschossfläche, aber ein wenig markantes Aussehen. In diesem Jahr sollen die Gebäude fallen.

Schilleroper

Schilleroper unweit des Schanzenviertels.
Markus Lorenz

Schilleroper unweit des Schanzenviertels.

 

Baujahr: 1891. Der einzigartige ehemalige Zirkusbau soll einem Neubau mit Büros und Wohnungen weichen. Das zwölfeckige Gebäude an der Nahtstelle von Schanzenviertel und St. Pauli ist heruntergekommen und einsturzgefährdet. Unter Denkmalschutz steht lediglich das Stahlskelett. Gutachter sind uneins, ob sich die Konstruktion technisch sanieren lässt. Eine Entscheidung wird für dieses Jahr erwartet. 

Commerzbank am Neß

Commerzbank am Neß.
Markus Lorenz

Commerzbank am Neß.

 

Baujahre: 1874 und 1964. Am Nikolaifleet soll das ehemalige Commerzbank-Ensemble einem Neubau mit Wohnungen, Büros und Hotel weichen. Während das ältere der Gebäude nicht unter Schutz steht, wurde dieser für den Hochhausanbau aus den 1960er aufgehoben. Begründung: Sanierung und Erhalt der Immobilie wären für den privaten Eigner wirtschaftlich nicht zumutbar.

Postpyramide in der City Nord

Postpyramide in der City Nord
Markus Lorenz

Postpyramide in der City Nord.

 

Baujahr: 1977. Der kantige Komplex am Überseering gilt als Unikat und herausragendes Beispiel des Brutalismus der 1970er. Seit Jahren stand die ehemalige  Oberpostdirektion in der City Nord leer und verfiel. Der Abriss läuft. An die Stelle des Betonbaus rückt ein Neubau für 520 Wohnungen, Büros und Läden. Unter Denkmalschutz steht das 14-geschossige Haus nicht, aber die City Nord als Ganzes.

Israelitischer Tempel

Alte Synagoge in der Poolstraße
Markus Lorenz

Alte Synagoge in der Poolstraße.

 

Baujahr: 1844. Von der einst mächtigen Synagoge in einem Hinterhof an der Poolstraße sind nur Reste der Apsis und des Eingangs übrig. Das neogotische Gotteshaus war Keimzelle des weltweiten liberalen Judentums. Der private Eigentümer wolle auf dem Grundstück neu bauen und lasse die geschützten Gebäudereste verkommen, warnt der Denkmalverein Hamburg. 

Köhlbrandbrücke

Baujahr: 1974. Auch wenn es noch ein bisschen hin ist, so scheint das Schicksal der denkmalgeschützten Schrägseilbrücke längst besiegelt. Der Stahl-Beton-Bau ist marode und obendrein zu niedrig für die Riesenfrachter der Gegenwart. Hamburg will bis 2030 einen Ersatz an derselben Stelle bauen, der Altbau kommt dann weg. Denkmalschützer sind empört - und verkaufen schon Protest-T-Shirts mit der Abbildung des Wahrzeichens.

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