„Die Eselei“ : Wanderung mit Esel: Von I nach A im Hamburger Umland

Paula will lieber grasen, statt mit Nicole zu wandern.

Paula will lieber grasen, statt mit Nicole Holhauer zu wandern.

Bei Andreas Kirsch können Stressgeplagte bei einer Wanderung mit den Eseln Paula, Pinu'u, Maja und Moritz entspannen.

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10. August 2018, 19:13 Uhr

Hamburg | Wirklich begeistert scheinen Paula, Pinu'u, Maja und Moritz nicht zu sein, als gleich mehrere Menschen ihr Paddock betreten. Die vier Esel verziehen sich erst mal in ihren Stall. „Am besten wartet ihr ab, bis die Tiere von selbst auf euch zukommen“, rät Andreas Kirsch. Früher hat er als Schiffbau-Ingenieur auf der Werft Blohm + Voss gearbeitet, seit 2016 betreibt er mit seiner Frau Karin in Hamburg-Bergedorf die Eselei und bietet Eselwanderungen an.

Bevor wir uns auf den Weg machen, sollen wir die Langohren aber zunächst besser kennenlernen. Beim Kraulen und Putzen. Andreas Kirsch drückt jedem eine Bürste in die Hand, zusammen mit meiner Freundin Nicole striegele ich Paula. Die achtjährige Stute ist in einer Eselherde auf der Schwäbischen Alb aufgewachsen, vor gut zwei Jahren zog sie mit ihrem Kumpel Pinu'u nach Hamburg um. Ein Blick aus ihren dunklen Augen genügt – und wir schmelzen dahin. Nur ungern trennen wir uns von ihr, als sie in einen Transporter verladen wird. Natürlich nicht ohne Pinu'u, die beiden sind unzertrennlich. Wir fahren mit ihnen nach Börnsen im Kreis Herzogtum Lauenburg, wo unsere Eselwanderung startet.

Andreas Kirsch und Nicole Holzhauer mit den beiden Eseln.
Dagmar Leischow

Andreas Kirsch und Nicole Holzhauer mit den beiden Eseln.

 

Paula geht anfangs so schnell, dass ich kaum mit ihr Schritt halten kann. „Wenn du sie bremsen willst, mach' eine Volte mit ihr“, sagt Andreas Kirsch zu mir. Eine reicht nicht, wir drehen drei kleine Kreise, bis wir unseren Rhythmus gefunden haben. Zumindest fürs Erste. Immer wenn Paula irgendwo eine kulinarische Köstlichkeit – sei es Gras oder Blätter – entdeckt, bleibt sie einfach für eine Zwischenmahlzeit stehen. Als Nicole sie führt, weigert sie sich strikt, einen Hügel hinaufzusteigen. Minutenlang. „Ihr könnt einen Esel zu nichts zwingen“, erklärt uns Andreas Kirsch. „Im Gegensatz zu einem Pferd lässt er sich nicht unterwerfen.“

Uns hilft also bloß eins: Wir müssen mit Paula, die in ihren Satteltaschen das Essen für unser Picknick trägt, einen gemeinsamen Nenner finden. Das klappt mit der Zeit recht gut. Ich lasse den Strick an Paulas Halfter immer lockerer, während sie auf unserem Weg durch die Dalbekschlucht gemütlich hinter mir her trottet. Nichts bringt sie aus der Ruhe, nicht mal Hundegebell. Je mehr sich Paula entspannt, desto lockerer werde ich. Alltagsstress? Ist wie weggeblasen. Ich genieße die Natur, die Stille des Waldes. Das ist wie Meditation.

Die Esel Pinu'u (vorne) und Paula (hinten) bei einer Picknickpause.
Dagmar Leischow

Die Esel Pinu'u (vorne) und Paula (hinten) bei einer Picknickpause.

 

Schade, dass wir uns nur für eine Halbtagswanderungen entschieden haben. Beim nächsten Mal buchen wir bestimmt eine Ganztagstour. Vielleicht an der Elbe entlang oder durch den Sachsenwald. Das Hamburger Umland hat viele schöne Strecken zu bieten. Familien und deren Kinder – sie müssen mindestens acht Jahre alt sein – können während der Sommerferien bei Andreas Kirsch einen sogenannten Eselführerschein machen. Dazu gehören Theorie und Praxis: Striegeln, Füttern, Führen, Anatomie, Verhaltenslehre, am Schluss eine schriftliche Prüfung. Alles ohne Leistungsdruck. In erster Linie soll der Nachwuchs einen unvergesslichen Nachmittag mit den Langohren verbringen.

Weitere Informationen über die Eselei und Eselwanderungen unter www.klangohren.de.

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