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Patriotische Gesellschaft : Wahrzeichen auf wackeligen Beinen

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Ein Stück Geschichte verfällt: Beim Gebäude der Patriotischen Gesellschaft in Hamburg bröckelt das Fundament.

shz.de von
erstellt am 02.Sep.2013 | 09:09 Uhr

Hamburg | Es gibt nur wenige Orte in Hamburg von solch geballter historischer Bedeutung wie diesen. Wo die Trostbrücke den Nikolaifleet überspannt, residierten mehr als fünf Jahrhunderte lang die Bürgermeister und Senatoren im Rathaus der Freien Reichsstadt, bis dieses 1842 dem Großen Brand geopfert wurde. Im neugotischen Nachfolgebau hat seit 1847 die Patriotische Gesellschaft ihren Sitz, bis 1898 tagte dort auch die Bürgerschaft. Der im Zweiten Weltkrieg zerstörte und wieder aufgebaute achtgeschossige Backsteinklotz in der Innenstadt mag wie ein Sinnbild des Soliden wirken. Doch innen und vor allem drunter ist der Zustand bedenklich – das Vereinshaus der traditionsreichen Patriotischen Gesellschaft kommt um eine Grundsanierung nicht herum. Die Bürgerschaft hat nun den Anstoß für die Rettung gegeben und dafür 2,3 Millionen Euro bereitgestellt.

Gerade das, was Mitte des 19. Jahrhunderts modern war, bereitet derzeit die größten Sorgen. Das damals revolutionäre Betonfundament bröselt und muss als erstes saniert werden, so Malte Krugmann, Vorstandsmitglied der Patriotischen Gesellschaft. Ebenfalls keinen Aufschub dulden die Instandsetzung der Grundsiele und des Hochwasserschutzes. Zudem sollen die städtischen Millionen  in die Sanierung der Backstein- und Natursteinfassaden sowie des Innenhofes fließen; auch sind die Holzfenster aus den 1950ern zu ersetzen.

Die finanzielle Nothilfe sei eine politische Verpflichtung, findet SPD-Verfassungsexpertin Barbara Duden: „Das Haus der Patriotischen Gesellschaft ist eines der bedeutenden Baudenkmäler unserer Stadt und war als Sitz der Bürgerschaft fast ein halbes Jahrhundert lang Ort wichtiger politischer Entscheidungen.“

In der Verantwortung sehen sich die politisch Handelnden von heute auch wegen der überragenden Bedeutung des Gebäudebesitzers, der Patriotischen Gesellschaft von 1765. Die „älteste zivilgesellschaftliche Organisation Deutschlands“  fördert im besten Hamburger Bürgersinn „die Künste und nützlichen Gewerbe“. Griffige Erfolge dieses Bemühens kennt jedes Kind: So half die Vereinigung bei der Einführung des Blitzableiters und des Kartoffelanbaus in Hamburg. Beteiligt war sie auch an der Gründung der ersten Sparkasse in Europa, der Hamburger Öffentlichen Bücherhallen sowie der Schule für Kunst und Gewerbe, Vorläuferin, heute Hochschule für bildende Künste.

Bis 2015, zum 150. Geburtstag des verdienstvollen Vereins, soll das Stammhaus in jeder Hinsicht stabil, frisch und modern sein. Mit dem 2,3-Millionen-Zuschuss aus dem Stadtsäckel ist es freilich längst nicht getan. Die Verantwortlichen schätzen die Gesamtkosten auf annähernd zehn Millionen Euro. Der Großteil, so die Hoffnung, soll aus privaten Taschen kommen. Barbara Duden: „Wir wollen mit unserer Initiative auch den Anstoß geben, um für die weiteren Sanierungsmaßnahmen private Förderung und Spenden zu initiieren.“

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