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Rockerkrieg in Hamburg : Waffen und Drogen - Ex-Boss der Mongols muss ins Gefängnis

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Hells Angels gegen Mongols: Die Auseinandersetzungen im Rockermilieu beschäftigen die Hamburger Polizei und Justiz seit Monaten.

shz.de von
erstellt am 21.Jun.2016 | 17:53 Uhr

Hamburg | Ein ehemaliger Anführer des Rocker-Clubs Mongols ist am Dienstag vom Amtsgericht Hamburg zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Gericht hielt es für erwiesen, dass der 37-Jährige im Besitz von scharfen Pistolen und Munition war, obwohl ihm das verboten worden war. Zudem war bei drei Durchsuchungen seiner Wohnung jeweils eine nicht geringe Menge Kokain gefunden worden. Obwohl der Angeklagte wegen einer noch offenen Bewährungsstrafe nun mit einer Haftzeit von über drei Jahren zu rechnen hat, setzte das Gericht den Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug. Seine Verteidigerin kündigte an, ihr Mandant werde gegen das Urteil in Berufung gehen. Sie hatte in ihrem Plädoyer eine niedrige Bewährungsstrafe gefordert.

Die Mongols und die Hells Angels kämpfen seit Monaten in Hamburg um die Macht im Rotlichtmilieu. In Schleswig-Holstein sind die Hells Angels Flensburg und Kiel sowie die Bandidos Neumünster verboten. Seitdem ist es etwas ruhiger im Land. In Hamburg sind die „Hells Angels“ seit 1986 verboten - weitgehend ohne Konsequenzen.

Mit der Strafe habe man nicht noch niedriger gehen können, sagte Richter Lutz Nothmann. Er erkenne zwar an, dass sich der Angeklagte in einer Gefährdungssituation befunden habe, weil er sich als Präsident der Mongols mit den konkurrierenden Hells Angels angelegt habe. „Aber niemand zwingt einen, als Präsident einer Rockergruppe ein Konkurrenzunternehmen zu den Hells Angels aufzumachen.“ Koksende Rocker mit scharfer Waffe gefährdeten die Allgemeinheit, so der Richter weiter.

„Die Gefahr, zur Waffe zu greifen und zu schießen, ist in so einer Situation einfach zu groß.“ In seinem letzten Wort hatte der Angeklagte auf einen nächtlichen Überfall in der vergangenen Woche in Hamburg-Schnelsen verwiesen, bei dem ein Freund von ihm und dessen Freundin durch Schüsse schwer verletzt wurden. „Waffen sind niemals die Lösung von Problemen, aber wie soll man sich verhalten?“, fragte er das Gericht. Die Polizei habe seinen Freund nicht schützen können. Auch er sei vor seiner Verhaftung bedroht worden.

Ende Oktober vergangenen Jahres war unter dem Lamborghini des Angeklagten ein Sprengsatz detoniert, als er das Auto ausparken wollte. Er war unverletzt geblieben, nur der Wagen, umliegende Fensterscheiben und eine Stahltür wurden beschädigt.

Zugunsten des Angeklagten ging das Gericht davon aus, dass die Mongols sich schon vor der Verhaftung ihres „Präsidenten“ auflösen wollten und dies auch getan haben. Es sei zu verantworten, den Haftbefehl außer Vollzug zu setzen, weil der Angeklagte seine Freunde und Familie in Hamburg habe, sagte Nothmann. Es könne nicht davon ausgegangen werden, dass er sich ins Ausland absetze.

Nach der Urteilsverkündung fiel dem 37-Jährigen vor dem Gerichtssaal seine Mutter um den Hals. Arm in Arm mit dem Vater seines angeschossenen Freundes verließ er das Gerichtsgebäude. In seinem letzten Wort hatte er angekündigt, aus Hamburg wegziehen zu wollen, was der Richter ausdrücklich begrüßte. Auch seine Tätowierungen im Gesicht - die Buchstabenkombination MFFM für „Mongols forever, forever Mongols“ sowie den Schriftzug „unstoppable“ - will sich der Ex-Rocker-Boss weglasern lassen.

Zurzeit läuft vor dem Landgericht auch ein Prozess gegen sieben Angeklagte im Alter von 21 bis 24 Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung beziehungsweise Beihilfe dazu. Die fünf Männer und zwei Frauen sollen Anfang des Jahres einen 26 Jahre Mongol in eine Falle gelockt und schwer misshandelt haben. Wenigstens die Haupttäter sollen in Kontakt zu den Hells Angels gestanden haben.

Die Hintergründe des Rockerkriegs:

In der Nacht zum 2. Januar sollen mutmaßliche Unterstützer der Hell's Angels das damals 26 Jahre alte Opfer, Mitglied der Mongols, mit sexuellen Versprechungen in eine Kleingartenanlage im Stadtteil Horn gelockt haben. Die Hauptangeklagten seien zusammen mit einem noch unbekannten Mittäter maskiert in die Laube gestürmt und hätten ihr Opfer mit Tritten, einem Schlagring und einem Messer schwer verletzt, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Sie sollen ihr stark blutendes Opfer gefesselt und in einer Straße in der Nähe des Tatorts zurückgelassen haben. Wegen der Tat stehen sieben Angeklagte im Alter zwischen 21 und 24 Jahren vor dem Landgericht.

Auf die Eskalation der Gewalt reagierte die Hamburger Polizei Anfang Januar mit der Gründung der „Soko Rocker“.

Nur wenige Tage zuvor, am 28. Dezember 2015, hatte sich eine Schießerei auf der Reeperbahn abgespielt: Mehrere Mongols wurden von Mitgliedern der Hells Angels auf der Straße angegriffen. Zwei Männer wurden angeschossen, ein weiterer brach sich bei einem Sturz während der Flucht ein Bein. „Um sich zu retten, sind drei Männer in ein Taxi gesprungen“, sagte damals ein Polizeisprecher. Anschließend durchsiebten mindestens sieben Geschosse das Fahrzeug.

Im Dezember wurden zwei Mongols-Mitglieder in einem Taxi angeschossen, Anfang Januar dann wurde die Soko Rocker gebildet. 

Im Dezember wurden zwei Mongols-Mitglieder in einem Taxi angeschossen, Anfang Januar dann wurde die Soko Rocker gebildet. 

Foto: dpa
 

Ende Oktober hatte eine Explosion am Sportwagen eines Chefs der Mongols, Erkan U., in Hamburg für Aufsehen gesorgt. Ein Sprengsatz war unter dem Lamborghini detoniert, als der Mann das Auto ausparken wollte. Er blieb unverletzt, aber der Wagen, umliegende Fensterscheiben und eine Stahltür wurden beschädigt. Im Dezember wurde er in einer spektakulären Aktion in seiner Penthouse-Wohnung verhaftet. Seit Anfang Mai muss sich der ehemalige Mongols-Chef vor dem Hamburger Amtsgericht wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz und Besitzes von Betäubungsmitteln verantworten.

Am 4. Dezember wird der mutmaßliche Chef der Rockergruppierung Mongols in Hamburg abgeführt.

Am 4. Dezember wird der mutmaßliche Chef der Rockergruppierung Mongols in Hamburg abgeführt.

Foto: Paul Weidenbaum/dpa
 

Trotz Ermittlungserfolgen der Soko „Rocker“ ist die Auseinandersetzung zwischen den verfeindeten Clubs möglicherweise noch nicht beendet. Ein ehemaliger Vize-Chef der Mongols und dessen Freundin wurden vor wenigen Tagen in Hamburg-Schnelsen durch Schüsse schwer verletzt.

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