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Wetter in SH und Hamburg : Wärmere Winter: Wie der Norden den Klimawandel spürt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Winter werden feuchter und die Temperaturen steigen – im Hamburger Klimabericht fordern Wissenschaftler einen geringeren CO2-Ausstoß.

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2017 | 20:01 Uhr

Hamburg | War das Sturmtief Xavier, das vor zwei Wochen mit 130 Stundenkilometern über das Land sauste, schon ein Beleg für den Klimawandel? „Nein“, sagt Monika Breuch-Moritz vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg und warnt im Gespräch mit dem sh:z vor voreiligen Schlussfolgerungen. „Die Ereignisse eines einzelnen Jahres sind erst einmal nur Wetter. Es hat immer schon Jahre mit vielen Sturmfluten oder Hurrikanen gegeben.“ Um Klimaveränderungen wissenschaftlich belegen zu können, vergleichen Klimaforscher meteorologische Messungen der letzten 150 Jahre, seitdem es Messungen gibt.

Das BSH hat am Dienstag zusammen mit Hamburger Universitäten, Forschungsinstituten und weiteren Behörden den zweiten Klimaschutzbericht nach 2010 vorgelegt. Mehr als 70 Autoren haben die Forschungsergebnisse systematisch zusammengetragen. Die Botschaft ist klar: Der Klimawandel ist auch im Norden und in Hamburg angekommen.

Ein Fakt ist die Erderwärmung. In Hamburg und in ganz Norddeutschland wird es vor allem im Winter deutlich mehr regnen, es wird wärmer und der Frühling trockener. „Die Wassertemperatur in den Meeren und der Meeresspiegel steigen an. Der mittlere Hochwasserstand in Hamburg liegt heute etwa 20 Zentimeter höher als vor 100 Jahren. Und Klimaszenarien gehen davon aus, dass der Meeresspiegel in den nächsten 100 Jahren um weitere 50 bis 100 Zentimeter ansteigen wird“, erklärt die BSH-Präsidentin. Hamburg und Schleswig-Holstein hätten sich mit ihren Baumaßnahmen an der Küste darauf eingestellt.

Hauptverursacher des Klimawandels − darin sind sich die Wissenschaftler einig − ist der Ausstoß von CO2, insbesondere durch den weltweiten Verkehr und durch die Energiegewinnung mit fossilen Brennstoffen wie Kohle. Noch immer würden 82 Prozent des Hamburger Stroms aus fossilen Energieträgern gewonnen, heißt es im Klimaschutzbericht. „Wir können den Klimawandel nicht stoppen, aber ihn durch unser Verhalten verlangsamen. Damit das wirksam wird, müssten aber weltweit drastische Maßnahmen ergriffen und die weltweit größten CO2-Emittenten wirksam zurückgefahren werden“, sagt Breuch-Moritz − und empfiehlt umzusteuern. „Wichtig ist, dass zunehmend erneuerbare Energien eine Rolle spielen. Offshore-Windparks etwa können unsere Energieversorgung langfristig sichern, emissionsfrei und ohne negative Auswirkungen aufs Klima. Das ist eine großartige Lösung, und Windparks auf See haben noch den großen Vorteil, dass dort immer Wind herrscht.“ Das Investieren in erneuerbare Energien sei ein wichtiger Schritt. Und die Präsidentin ist sicher: „Mit den zunehmend sichtbaren Effekten der Erderwärmung wie etwa mehr und stärkeren Hurrikanen wird das Umweltbewusstsein in den Industrieländern und bei den Menschen weltweit weiter zunehmen.“

Vor Panikmache und vorschnellen Schlüssen warnt in diesem Zusammenhang auch Hans von Storch, Professor am Institut für Meteorologie der Universität Hamburg und ehemaliger Leiter am Helmholtz-Zentrum Geesthacht: „Der menschengemachte Klimawandel stellt eine echte und erhebliche gesellschaftliche Herausforderung dar, die nicht im kurzfristig medial-politischen Feuer von Übertreibungen entwertet werden darf“. Ein angemessener Umgang mit dieser Herausforderung erfordere eine solide Wissensbasis, die der Klimaschutzbericht für die Metropolregion Hamburg liefere.

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