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Arrestbefehl : Vural Öger sieht sich als Opfer einer Verschwörung

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Nach dem Arrestbefehl gegen den einstigen Vorzeige-Unternehmer wittert der eine Rufmordkampagne. Man wolle ihn vernichten.

shz.de von
erstellt am 08.Jun.2016 | 12:10 Uhr

Hamburg | Vural Öger war Hamburgs erster Vorzeige-Unternehmer mit Migrationshintergrund. Pionier des Türkei-Tourismus, selbstbewusster Selfmademan mit anatolischen Wurzeln, Multimillionär, Bundesverdienstkreuzträger und schließlich für die SPD Abgeordneter im EU-Parlament. Sein Absturz ist um so heftiger.

Ende 2015 musste der heute 74-Jährige für seine V.Ö. Travel und den Flugveranstalter Öger Türk Tur Insolvenz anmelden. Und seit Mittwoch scheint klar, dass aus dem Erfolgsmenschen von einst endgültig ein Gescheiterter werden könnte. Das Landgericht Frankfurt hat einen Arrestbefehl gegen den Deutsch-Türken erlassen. Der Schritt soll Gläubigern Ansprüche im Insolvenzverfahren sichern. Ögers Zugriff auf sein Vermögen ist seither eingeschränkt. Anders als der Name vermuten lässt, ist damit aber kein Haftbefehl verbunden.

Erwirkt hat den Arrestbefehl Ögers ehemaliger Geschäftspartner, das Charterflug-Unternehmen Sun Express. Die Fluglinie macht Forderungen in Höhe von 17 Millionen Euro aus den früheren Ticketverkäufen geltend. Laut „Spiegel Online“ soll der Unternehmer im vorigen Jahr eine selbstschuldnerische Bürgschaft über eben diese Summe unterzeichnet haben. Laut dem Bericht stehe er nun mit seinem Privatvermögen dafür ein. Der Arrestbefehl soll verhindern, dass er vor Abschluss des anhängigen Urkundenverfahrens Güter aus privatem Besitz zur Seite schafft und die Gläubiger am Ende in die Röhre gucken.

Das Frankfurter Gericht war den Argumenten von Sun Express zu wesentlichen Teilen gefolgt. Die Fluglinie habe einen „Anspruch wenigstens in der geltend gemachten Höhe aus der selbstschuldnerischen Bürgschaft“, zitiert „Spiegel Online“ aus dem Gerichtsbeschluss. Laut dem Bericht soll der Deutsch-Türke kurz vor den Insolvenzanträgen im Dezember diverse hochwertige Immobilien in Deutschland und in der Türkei weit unter Wert an Verwandte und Freunde verkauft und damit dem Zugriff der Gläubiger entzogen haben. Darunter eine Villa im Hamburger Nobelstadtteil Othmarschen und ein Grundstück an der Elbchaussee.

Öger sieht sich als Opfer einer Verschwörung und Rufmordkampagne. Der „Welt“ sagte er: „Man will mich vernichten.“ Im Hintergrund vermutet er politische Strippenzieher. Sun Express sei eine Tochterfirma von Turkish Airlines, und die gehörten dem türkischen Staat. In der Vergangenheit habe er immer wieder Drohungen aus der Türkei bekommen, berichtet der Hamburger, weil er sich gegen die Staatsführung unter Präsident Recep Tayyip Erdogan ausgesprochen habe.

Vural Öger hatte 1970 in der Hansestadt sein erstes Reisebüro eröffnet und später mit Öger Tours Furore gemacht. 2010 verkaufte er das Unternehmen für rund 30 Millionen Euro an den Touristikkonzern Thomas Cook. Vier Jahre später wagte Öger dann den Neustart mit V.Ö. Travel. Auch im TV war der umtriebige Deutsch-Türke präsent, agierte ab 2014 als Juror in der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“. In der Casting-Show sollten erfolgreiche Unternehmer jungen Start-Ups auf die Sprünge helfen.

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