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Lufthansa-Piloten : Vulkanasche und Streik: Hamburg droht das Flugchaos

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Während Lufthansa-Piloten um Übergangsrenten kämpfen, rumort es unter dem isländischen Vulkan Bárðabunga. Viele bangen um ihre Flüge.

shz.de von
erstellt am 25.Aug.2014 | 11:25 Uhr

Hamburg | Für Flugreisende aus dem Norden dürften die kommenden Wochen zur Geduldsprobe werden. Denn nicht nur neue Streiks der Lufthansa drohen den Flugplan in Deutschland gehörig durcheinander zu wirbeln. Auch der mögliche Ausbruch eines isländischen Vulkans könnte schlimmstenfalls Flugreisenden einen Strich durch die Rechnung machen.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) kündigte am späten Freitagabend einen Ausstand an, mit dessen Beginn „ab sofort“ gerechnet werden müsse. Unklar ist aber auch am Montag noch, wann die Flugkapitäne das erste Mal ernst machen werden. „Wir werden mit Rücksicht auf die Passagiere aber frühzeitig einen Termin bekanntgeben“, sagte VC-Sprecher Jörg Handwerg gestern. Was „frühzeitig“ genau heißt, sagte er nicht. Es werde aber kein Passagier erst am Flughafen erfahren, dass sein Flug ausfalle, sagte Cockpit-Vorstandsmitglied Markus Wahl. Betroffen wären im Norden vor allem Reisende auf der Strecke Hamburg-Frankfurt. Der Konkurrent Air Berlin hat seine Verbindung auf dieser Strecke vor gut drei Jahren gestrichen. Seitdem verkehrt dort nur noch die Kranich-Fluglinie.

Im Tarifkonflikt geht es um höhere Gehälter und die Übergangsrenten für die 5400 Piloten bei Lufthansa, Germanwings und Lufthansa Cargo. Im Schnitt gehen die Lufthansa-Kapitäne derzeit mit knapp 59 Jahren in den vom Unternehmen bezahlten Vorruhestand. Lufthansa will das Eintrittsalter wegen der hohen Kosten und der auf 65 Jahre hochgesetzten Altersgrenze für Verkehrspiloten merklich erhöhen. VC verlangt zudem Verdienststeigerungen um zehn Prozent. Das Angebot der Lufthansa beträgt nach eigener Darstellung 5,16 Prozent. Im April hatte der schärfste Streik in der Lufthansa-Geschichte zu rund 3800 Flugausfällen geführt. Nach den Streiks hatten beide Seiten die Verhandlungen wieder aufgenommen – hinter verschlossenen Türen und mit Hilfe eines Moderators.

Doch die Lufthansa habe ihre „weitreichenden Forderungen“ aufrechterhalten, die nicht akzeptable Einschnitte in die Versorgung der Piloten bedeuten würden, erklärte Cockpit nun. Die Airline wolle die Gespräche fortsetzen, allerdings müsse die Gewerkschaft mit konkreten Vorschlägen an den Verhandlungstisch zurückkehren. Ein Streik der Piloten-Gewerkschaft Cockpit wäre nach Ansicht des Luftfahrt-Experten Heinrich Großbongardt nur der Auftakt einer Reihe von Tarifkonflikten und Arbeitskämpfen bei der Airline, die sich in einem Umbau-Prozess befindet. „Es geht derzeit bei der Lufthansa um grundlegende und tiefgreifende Veränderungen in der Struktur, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagte Großbongardt. „Deshalb wird Cockpit nur den Anfang machen, von den anderen Gewerkschaften wird auch etwas kommen.“

Auch Fluggäste anderer Airlines müssen womöglich um ihre Verbindung bangen. Am Wochenende hat ein Erdbeben mit einer Stärke von 5,3 den isländischen Vulkan Bárðarbunga erschüttert. Der Gletschervulkan soll am Sonnabend bei einer subglazialen Eruption Lava ausgestoßen haben. Island hatte daraufhin ein lokales Flugverbot verhängt. Das Isländische Meteorologische Institut hatte die Warnstufe trotz weiterer Aktivität am Vulkan mit der Begründung von Rot auf Orange gesenkt, es gebe kein sichtbares Anzeichen für eine Eruption. Gleichwohl sei nicht mit Sicherheit festzustellen, dass sich der unter einem Gletscher liegende Vulkan beruhige, „so dass eine Eruption nicht ausgeschlossen werden kann“, teilte das Institut weiter mit. Forscher äußerten Zweifel, dass es am Samstag überhaupt zu einer Eruption unter dem Gletscher gekommen war.

Bereits seit Tagen waren Hunderte Erschütterungen und Beben in dem Gebiet registriert worden. Die am Sonntag gemessene Stärke sei die höchste am Bárðarbunga seit 1996, wie der Geophysiker Gunnar Gudmundsson vom Isländischen Meteorologischen Institut am Sonntag sagte.

2010 hatte ein Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull den Flugverkehr in weiten Teilen Europas lahmgelegt. Wegen seiner Aschewolken waren damals mehr als 100.000 Flüge ausgefallen. Ob dies dem Flugverkehr auch dieses Mal droht, ist unklar.

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