Reederei-Erbinnen vor Gericht : Vorwurf der Veruntreuung: Bewährungsstrafen für Deilmann-Schwestern

Gisa und Hedda Deilmann

Gisa (links) und Hedda Deilmann übernahmen nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters 2003 die Geschäfte der Reederei.

Es geht um nicht gezahlte Lohnsteuer und Beiträge zur Sozialversicherung – insgesamt fast 1,3 Millionen Euro.

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06. Februar 2018, 16:07 Uhr

Lübeck | Das Landgericht Lübeck hat die Reederei-Erbinnen Gisa und Hedda Deilmann wegen nicht gezahlter Sozialversicherungsbeiträge zu Bewährungsstrafen von jeweils einem Jahr und zwei Monaten verurteilt. Mit diesem Strafmaß kämen die beiden Angeklagten nicht schlecht weg, sagte der Richter in der Urteilsbegründung am Dienstag. Zuvor hatten die Schwestern gestanden, fünf Jahre lang für die Crews auf den Flusskreuzfahrtschiffen der Reederei zu geringe oder gar keine Sozialversicherungsbeiträge entrichtet zu haben.

Berühmt geworden war die Reederei Deilmann durch das frühere ZDF-Traumschiff „Deutschland“.2016 standen die Schwestern schon einmal in Lübeck vor Gericht. Damals verurteilte sie das Landgericht unter anderem wegen versuchter Steuerhinterziehung zu jeweils zwei Jahren und neun Monaten Haft. Dieses Urteil wurde jedoch 2017 vom Bundesgerichtshof aufgehoben. In dem aktuellen Prozess geht es um andere Vorwürfe.

Das schnelle Urteil am zweiten Verhandlungstag war möglich geworden, weil sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf eine Art Vergleich verständigt hatten. Die Angeklagten legten Geständnisse ab, im Gegenzug wurden 196 der ursprünglich 596 Anklagepunkte vorläufig eingestellt. In den verbliebenen 400 Fällen entstand nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Schaden von rund einer Million Euro. 

„Wir haben Fehler gemacht und übernehmen die Verantwortung dafür“, sagten Hedda und Gisa Deilmann am Dienstag. „Wir sind davon ausgegangen, dass wir funktionierende Strukturen übernommen haben und haben uns auf die Kompetenz der langjährigen Mitarbeiter verlassen“, sagten die Angeklagten. Rückwirkend betrachtet sei das ein Fehler gewesen. 

Die heute 50 Jahre alten Schwestern hatten die Reederei Deilmann mit rund 1200 Beschäftigten nach dem Tod ihres Vaters Peter Deilmann Ende 2003 weitergeführt. Zum Unternehmen gehörten nach Angaben der Angeklagten neben dem Flaggschiff „Deutschland“ zehn Flusskreuzfahrtschiffe. 2010 musste die Reederei Insolvenz anmelden. Die „Deutschland“ wurde 2015 an einen US-Konzern verkauft.

Die Schwestern kümmerten sich um Marketing und Vertrieb, die Bereiche Personal und Finanzen überließen sie Mitarbeitern. „Wir waren völlig überfordert, unser Vater hat das Unternehmen bis zum Schluss als Patriarch geführt“, sagte Gisa Deilmann.

Bereits am Mittwoch beginnt ein weiterer Prozess gegen die Rederei-Erbinnen. Dabei geht es um die Neuauflage eines Prozesses wegen Verdachts der Steuerhinterziehung. Der Bundesgerichtshof hatte 2017 ein Urteil des Landgerichts Lübeck aufgehoben, in dem die Schwestern zu Haftstrafen von jeweils zwei Jahren und neun Monaten verurteilt worden waren.

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