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Flüchtlingsheim in Hamburger Villenviertel : Video: Einblicke in die neue Unterkunft in Harvestehude

vom

Voraussichtlich am Mittwoch bekommen die Anwohner in dem schicken Hamburger Stadtteil neue Nachbarn. Das sorgte zu Beginn des Vorhabens für Unmut.

shz.de von
erstellt am 22.Jan.2016 | 20:34 Uhr

Hamburg | Prächtige Villen und einige Luxusautos säumen den Weg zur Sophienterrasse im Hamburger Nobelviertel Harvestehude. In dem schicken Stadtteil sollen aller Voraussicht nach am Mittwoch auch 190 Flüchtlinge ein Zuhause finden. Als Unterkunft dient das einstige Kreiswehrersatzamt, das für 2,8 Millionen Euro umgebaut wurde.

 
Das Viertel in Alsternähe gilt als eines der teuersten Pflaster der Stadt. Nur wenige Meter entfernt steht eine teure Wohnsiedlung mit eigenem Pförtner, für deren Innendesign Modezar Karl Lagerfeld verantwortlich war. Zahlreiche Ärzte, Rechtsanwälte und Immobilienmakler wohnen rund um das Flüchtlingsheim.

Hauptsächlich Familien werden die grundmöblierten Zimmer beziehen. Mehr als einfache Betten, Stühle, Schränke und Tische gibt es dort nicht. Dafür haben fast alle 23 Wohnungen Villenblick.

„Wir sind froh, dass es am Ende gelungen ist, mit der Nachbarschaft Einigung zu finden“, sagt Rembert Vaerst, Geschäftsführer von Fördern und Wohnen, bei der Vorstellung der Räume am Freitag. Das umstrittene Vorhaben hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Anfang 2015 hatten Anwohner erfolgreich gegen den Bau der Flüchtlingsunterkunft in der Premiumlage geklagt.

Sie beriefen sich auf einen Baustufenplan aus den 1950er Jahren, der das Villenviertel an der Sophienterrasse als besonders schützenswertes Wohngebiet ausweist. „Jede geeignete Fläche wird maximal belegt - ohne Würdigung der örtlichen Gegebenheiten“, sagte Rechtsanwalt Gero Tuttlewski, der die Anwohner vor Gericht vertreten hatte. Dass Anwohnerbelange nicht genug geachtet werden, sei ein grundsätzliches Problem der Verwaltung.

Auch in zweiter Instanz bekamen die drei Kläger Recht. Nach einem gescheiterten Vergleichsversuch im Mai einigten sie sich im September 2015 dann doch mit dem zuständigen Bezirksamt Hamburg-Eimsbüttel. Der Kompromiss: Statt rund 220 sollten 190 Flüchtlinge befristet in die Nachbarschaft ziehen. Außerdem wurde ein Zaun um das Heim gezogen, blickdichte Milchgläser wurden in einigen Zimmer eingebaut.

Anwohner hatten im Vorfeld Bedenken geäußert, wie sich Flüchtlinge in einem solchen Umfeld wohlfühlen sollten. So hatte ein Mann bei einer Anwohnerversammlung gesagt, ein Stück Torte in der Konditorei um die Ecke sei mit 5,70 Euro unbezahlbar. Eine Frau hatte erklärt, der nächste Discounter sei viel zu weit weg.

Diese Sorgen teilt der Flüchtlingskoordinator der Hansestadt, Anselm Sprandel, nicht: „Es ist wichtig, dass Unterkünfte in allen Stadtteilen entstehen, da Integration, die vornehmlich in den Folgeunterkünften läuft, ein Aufgabe der gesamten Stadt ist.“ An der Integration will sich die Initiative „Flüchtlingshilfe Harvestehude“ beteiligen. Mit Kinderbetreuung, Ausflügen und Patenschaften sollen die neuen Nachbarn willkommen geheißen werden. „Wo, wenn nicht hier, kann man die Leute unterstützen?“, sagt eine Anwohnerin.

 

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