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Neue „Friedensglocken“ : Video aus Hamburg: Michel bekommt zwei neue Glocken

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350.000 Euro teuer und 1800 und 870 Kilogramm schwer: Die beiden neuen Glocken werden am 27. September geweiht, aber erst im Januar 2016 eingehängt.

Hamburg | Auf diesen Moment haben die Hamburger fast ein Jahrhundert lang warten müssen. 1917 waren neun von zehn Glocken der Hauptkirche St. Michaelis zu Waffen und Munition eingeschmolzen worden. Zwei von ihnen waren seither nie ersetzt worden. Gestern Vormittag rollt nun ein Tieflader auf den Vorplatz am Michel, auf seiner Ladefläche fest verschnürt zwei frisch gegossene neue Exemplare. „Friedensglocken“, wie Hauptpastor Alexander Röder mit Blick auf die Vorgeschichte sagt, in seinen Augen glänzt es. Er sagt: Eine schmerzliche Lücke werde endlich gefüllt. „Die Rückkehr ist für uns ein Zeichen des Friedens.“

Im Juni hatte der Michel die zum Uhrengeläut gehörenden Bronze-Glocken nach jahrtausendealter Tradition in einer hessischen Gießerei herstellen lassen. Die nötigen 350.000 Euro kamen durch eine Spendenaktion zusammen, mehr als 1600 Menschen und Unternehmen machten mit. Auch viele aus den benachbarten Bundesländern Schleswig-Holstein und Niedersachsen, wie Alexander Röder erzählt. Sehr zur Freude auch von Michael Kutz, Geschäftsführer der Stiftung St. Michaelis: „Das zeigt: Es gibt die Wahrzeichenfunktion des Michel in den Herzen der Bürger immer noch.“

Die zwei neuen Glocken für den Michel sind auf einem Lastwagen festgezurrt.
Die zwei neuen Glocken für den Michel sind auf einem Lastwagen festgezurrt. Foto: Markus Lorenz
 

Die neuen Glocken sind von unterschiedlicher Größe. Die Vaterunser-Glocke - 1,8 Tonnen schwer und 2,02 Meter im Durchmesser - ist Nachfolgerin der ehemaligen Bet-Glocke. Röder: „Bei jedem Vers des Vaterunser, das im Michel gebetet wird, läutet die Glocke einmal.“ Und weil der Klang durch die dicken Mauern im Inneren gar nicht zu hören ist, gab es dazu noch ein neues Röhrenglockenspiel für die Orgel, das jedesmal mit erklingen wird. Als Zier trägt die Glocke den ersten Vers das Friedensgebets aus Coventry („Vater vergib!“), graviert in vier Sprachen.

Die kleinere Halbstundenglocke (870 Kilogramm, geziert vom Bibelvers „Er ändert Zeit und Stunde“) erklingt immer zur halben, Dreiviertel- und vollen Stunde. Mit der Vervollständigung des Geläuts erhält der Michel eine neue Uhrschlagmelodie. Jeder Viertelstunde wird eine andere erklingen.

Auf Holzgestellen wurden die Glocken abgeladen.
Auf Holzgestellen wurden die Glocken abgeladen. Foto: shz.de

Die beiden Glocken wurden am Mittwoch zunächst provisorisch in Holzgestelle gehievt und sind ab sofort im Michel zu besichtigen. Die Weihe durch den Hauptpastor erfolgt bei einem großen Glocken- und Dankeschönfest am Sonntag, 27. September (10 bis 18 Uhr). Das Einhängen im Turm oberhalb der Aussichtsplattform ist allerdings erst für Januar 2016 vorgesehen. Zunächst muss noch die Kuppel verstärkt werden.

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erstellt am 16.Sep.2015 | 18:11 Uhr

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