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Kindesmisshandlung : Verzögerungen durch Jugendamt-Software

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Vor acht Monaten starb die dreijährige Yagmur an den Folgen schwerer Misshandlungen. Im parlamentarischen Untersuchungsausschuss kritisierten Jugendamts-Mitarbeiter Probleme mit der Behördensoftware JUS-IT.

Hamburg | Zu komplex und zeitaufwendig – nach dieser Kritik aus den Jugendämtern an der umstrittenen Behördensoftware JUS-IT fordern die Hamburger Grünen vom SPD-Senat die Überarbeitung des Programms. Sie wollen dazu einen Antrag in die Bürgerschaft einbringen. JUS-IT behindere die Arbeit der Jugendämter, sagte die kinder- und jugendpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Christiane Blömeke.

Die Software ist seit 2012 im Einsatz. Kritik hatte es immer wieder gegeben. Das war auch im parlamentarischen Untersuchungsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft zum Fall Yagmur deutlich geworden. Bei einer Befragung hatte beispielsweise der Chef des Jugendamtes Hamburg-Mitte, Peter Marquard, das Computerprogramm als nicht „alltagspraktisch“ bezeichnet.

Yagmur starb am 18. Dezember 2013 an den Folgen eines Leberrisses. Die Eltern müssen sich vor Gericht verantworten. Die Mutter soll die Dreijährige zu Tode misshandelt, der Vater nichts dagegen getan haben. Die Abgeordneten im Ausschuss untersuchen, inwieweit den Behörden Versäumnisse anzulasten sind. Denn das Mädchen war seit seiner Geburt von Jugendämtern betreut worden.

„Wir haben das Projekt JUS-IT vom schwarz-grünen Vorgängersenat übernommen“, erklärte die Sprecherin der Sozialbehörde, Nicole Serocka. „Damals hatte man sich für eine Standardsoftware entschieden, die sich international bewährt hat.“ Dazu sei 2010 eine Vereinbarung mit den Spitzenverbänden der Gewerkschaften getroffen worden. „Im Übrigen trifft sich die Projektleitung unserer Behörde regelmäßig mit Vertretern der Personalräte der Bezirksämter und der Gewerkschaften“, betonte Serocka. „Darüber hinaus haben wir die Führungs- und Fachkräfte der Bezirke an der Gestaltung des Softwarestandards beteiligt und werden das auch weiterhin tun.“ 

Die Grünen-Abgeordnete Blömeke monierte, das Programm verschlinge zu viel Zeit, die dann bei der Arbeit mit den Familien fehle. „Die Sozialbehörde hat bislang nichts anderes getan, als die Beschwerden der Mitarbeiter auszusitzen und öffentlich zu behaupten, dass es sich nur um Anfangsschwierigkeiten handele.“ Es werde Zeit, dass der Senat die Beschwerden der Mitarbeiter endlich ernst nehme und „diese krasse Fehlentwicklung“ korrigiere. „Für die rund 122 Millionen Euro, die in die Software investiert wurden, erwarten wir ein Programm, das funktioniert, das Personal entlastet und den Kinderschutz fördert.“

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erstellt am 09.Aug.2014 | 18:42 Uhr

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