Saftige Strafe für Bummel-Airlines : Verspätete Flüge: Hamburg fordert von Easyjet 468.000 Euro

Hamburg Flughafen
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Wenn ein Flugzeug aus unvermeidbaren Gründen später kommt, darf es auch weiterhin bis 24 Uhr landen auf dem Flughafen Hamburg landen.

Hamburg geht im Kampf für Nachtruhe gegen Airlines vor, die verspätet nach 23 Uhr starten.

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02. März 2018, 19:05 Uhr

Hamburg | Im Kampf gegen nächtlichen Fluglärm greift Hamburg durch: Die Fluglärmschutzbeauftragte Gudrun Pieroh-Joußen hat von Easyjet 468.000 Euro gefordert, weil die Airline im vorigen Jahr 21 Mal ohne gerechtfertigten Grund nach 23 Uhr gestartet war. Die Höhe der Gewinnabschöpfung ist am Hamburger Flughafen ohne Beispiel und markiert eine deutlich härtere Linie des Senats gegenüber hartnäckigen Bummel-Airlines.

Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne): „Ich finde es richtig, dass die Fluglärmschutzbeauftragte jetzt bei Linienflügen mit hoher Verspätungsquote das Instrument der Gewinnabschöpfung anwendet und so bei der Fluggesellschaft den wirtschaftlichen Gewinn wieder einkassiert.“ Wenn auf derselben Strecke immer wieder die 23-Uhr-Marke gerissen werde, so Kerstan, müsse die Stadt davon ausgehen, dass dies an zu knapper Flugplanung liege und „absolut vermeidbar“ sei.

Die reguläre Betriebszeit in Fuhlsbüttel endet um 23 Uhr. Bis 24 Uhr gilt eine Ausnahmeregel bei „unvermeidbaren Verspätungen“, etwa wetterbedingt oder wegen technischer und gesundheitlicher Probleme. Easyjet habe es 2017 versäumt, 21 solch verspätete Starts nach London und Edinburgh den Behörden gegenüber zu begründen und die Pilotennamen anzugeben, hieß es. Pieroh-Joußen hatte bereits am Montag eine Gewinnabschöpfung von 20.000 Euro gegenüber Easyjet geltend gemacht, in dem Fall wegen eines nicht genehmigten Starts nach Mitternacht.

Die Höhe der Zahlungen bemisst sich nach dem wirtschaftlichen Nutzen, den Fluglinien durch verspätete Flüge erzielen, vor allem durch eingesparte Hotelkosten und Entschädigungen für Passagiere bei Startverschiebungen auf den Folgetag. Dass Hamburg gerade jetzt die Daumenschrauben anzieht, ist kein Zufall. Die Zahl der Spätflüge nimmt seit Jahren stark zu und hat trotz geltender „Pünktlichkeitsoffensive“ im vorigen Jahr mit gut 1000 Flugbewegungen einen Höchststand seit der Jahrtausendwende erreicht.

Dem rot-grünen Senat sitzen Umweltschützer und lärmgeplagte Anwohner im Nacken, die per Volksinitiative eine absolute Nachtruhe zwischen 22 und 6 Uhr erzwingen wollen. Für den 22. März ist dazu eine richtungweisende Expertenanhörung in der Bürgerschaft angesetzt.

Die Fluglärmschutzinitiative für Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW) lobte Kerstans Durchgreifen, will aber mehr. „Chapeau, Herr Senator“, twitterte BAW-Sprecher Martin Mosel – und stellte klar: „Die steigenden Flugverkehre auch in der regulären Nachtzeit nach 22 Uhr bleiben hochbelastend. Das Nachtflugverbot ist dringender denn je geboten!“

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