Ignoranz beim Tempolimit : Versicherer: Hamburg ist Deutschlands Metropole der Temposünder

<p>Wenn es sich nicht staut, wird in Hamburg gern zu schnell gefahren.</p>

Wenn es sich nicht staut, wird in Hamburg gern zu schnell gefahren.

Mehr als die Hälfte der Fahrzeugführer der Hansestadt ignoriert laut einer Studie Tempo 30. Auch bei Tempo 50 ist es schlecht bestellt um die Verkehrsmoral.

shz.de von
28. September 2017, 13:17 Uhr

Hamburg | In Hamburg fahren nach einer Studie des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft mehr Autofahrer zu schnell als in den drei anderen deutschen Millionenstädten. Bei anonymen Messungen zu Forschungszwecken sei zwischen März und Juni das Tempo von rund 513.000 Autos festgestellt worden. Ergebnis: Auf Tempo-50-Straßen waren 18 Prozent der Fahrzeuge in der Hansestadt mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs, in Tempo-30-Zonen war die Ignoranz des Limits noch deutlich größer.

„Obwohl sich viele Hamburger in einer ‘Staustadt‘ wähnen, wird auch hier gerast – und zwar nachts deutlich öfter als in den anderen Metropolen“, sagt UDV-Leiter Siegfried Brockmann. Bei ähnlichen – allerdings weniger intensiven – Messungen in den Vorjahren waren in München 16 Prozent zu schnell, in Köln 12 und in Berlin lediglich fünf Prozent.

Tempolimit 50 in geschlossenen Ortschaften wurde vor genau 60 Jahren eingeführt.

 

Auf Tempo-30-Straßen hielten sich sogar 54 Prozent der Hamburger Autofahrer nicht an das Limit. In München waren es 44 Prozent, in Köln 27 und in Berlin 18 Prozent. „Damit haben die Hamburger auf Tempo-30-Strecken mit Abstand die schlechteste Geschwindigkeitsmoral“, erklärte am Donnerstag der Leiter der Unfallforschung der Versicherer, Siegfried Brockmann. 41 Prozent der Fahrer steuerten ihr Fahrzeug mit mehr als 35 Kilometer pro Stunde durch die 30-Zone. Stationäre Blitzer senken das Geschwindigkeitsniveau laut den Ergebnissen der Studie allerdings deutlich.

Die Hamburger Motorradfahrer haben eine noch schlechtere Geschwindigkeitsmoral als die Autofahrer. Das schnellste gemessene Fahrzeug war ein Motorrad mit 137 km/h. Bei den härteren Tempo-Sünden war die Quote bei den Motorradfahrern bis zu achtmal höher als bei den Autofahrern. Der Versichererverband forderte mehr Kontrollen und höhere Bußgelder.

Der ADAC Hansa hält die Ergebnisse der Studie für nachvollziehbar. Bei einer eigenen Tempomessung vor Hamburger Grundschulen mit Tempo-30-Beschränkung sei Anfang des Jahres eine Verstoßquote von 53 Prozent festgestellt worden, sagte ADAC-Sprecher Christian Hieff.

Allerdings schwanke diese Quote zwischen vier und 60 Prozent, je nach baulichen Gegebenheiten. Diese Abweichungen seien nicht mit einer unterschiedlichen Verkehrsmoral zu erklären, sondern mit baulichen Gegebenheiten. In Straßen mit Fahrbahnverengungen seien wesentlich weniger Autofahrer zu schnell unterwegs als auf breiten, zweispurigen Strecken mit gleicher Tempobeschränkung. An Gefahrenstellen oder vor Kitas befürwortet der Autoclub das Aufstellen stationärer Blitzer mit Ankündigung. „Schnellfahren ist kein Kavaliersdelikt“, sagte Hieff. Die Bußgelder seien allerdings schon hoch genug.

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