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Online-Handel : Versandhändler Otto setzt auf Tochter Collins

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Im Online-Handel gibt es einen harten Verdrängungswettbewerb. Otto als Marktführer hat am meisten zu verlieren. Der Markt für Mode und Schuhe im Netz ist hart umkämpft.

Hamburg | Marktführer Otto hat mit dem Startup Collins ein neues Bataillon im Kampf gegen Amazon und Zalando ins Feld geführt. Vier Monate nach ihrem Start haben die Otto-Manager ein erstes positives Zwischenfazit gezogen. Collins habe alle wesentlichen Planzahlen übertroffen und werde im ersten Geschäftsjahr einen zweistelligen Millionenumsatz erreichen, teilte Geschäftsführer Benjamin Otto am Donnerstag in Hamburg mit. Sein Co-Geschäftsführer Tarek Müller geht noch einen Schritt weiter. „Unsere kühnsten Erwartungen sind übertroffen worden“, sagte er. Dabei beziehen sich die Collins-Chefs vor allem auf die ersten Erfahrungen mit der Hauptmarke „About You“. Das ist ein Online-Modeunternehmen, das sich vor allem an junge Frauen richtet.

Mit speziellen Apps, die auf der Seite eingebunden sind, erreichen die Macher eine hochgradig individualisierte und personalisierte Ansprache der Zielgruppen. Auf den Apps werden 41 Prozent mehr Gucker zu Käufern, die Warenkörbe sind 16 Prozent höher und die Verweildauer ist mehr als doppelt so lang. „Das sind Zahlen, von denen andere träumen“, sagte Müller.

Mit einer TV-Kampagne für „About You“, die zunächst auf Youtube getestet und ab Oktober im Fernsehen gezeigt wird, will Collins nun seine Bekanntheit erhöhen. Das wird aber nicht vergleichbar sein mit der „Schrei vor Glück“-Kampagne, mit der Zalando seinen Marktauftritt orchestrierte. Junge Menschen präsentieren sich in kurzen Spots; die Botschaft lautet „Jedes Teil Dein Style“.

Otto hat einen dreistelligen Millionenbetrag in Collins investiert; der Vorstand verfolgt die Entwicklung sehr genau. Die Hamburger haben als Marktführer in dem hart umkämpften Markt am meisten zu verlieren. Im vergangenen Jahr kauften die Verbraucher in Deutschland für rund zehn Milliarden Euro Mode, Kleidung und Schuhe im Internet. Das war ungefähr ein gutes Viertel des Gesamtmarktes.

Otto behauptete mit seinen diversen Marken einen Marktanteil von 19 Prozent und erreichte somit mehr als doppelt so viel Umsatz wie Zalando und Amazon. Das geht aus Daten der Analysefirma Euromonitor hervor. Hinter den drei Großen kommt dann erst einmal eine ganze Weile nichts, dann folgen Unternehmen wie Ebay, H&M, C&A oder Deichmann mit niedrigen einstelligen Marktanteilen. Jenseits von Otto, Zalando und Amazon ist der Markt also reichlich zersplittert.

Deshalb ist es für Otto so wichtig, dass Collins und die Seite „About you“ ein Erfolg wird. Die Konkurrenz hat Otto zwar nicht nennenswert Marktanteile abgenommen, neues Terrain hat der Altmeister unter den Versandhändlern aber auch nicht gewonnen. Die Gruppe ist ungefähr mit dem Markt gewachsen und damit langsamer als die Konkurrenz. Das könnte Collins mit einem schnellen Wachstumstempo aufholen. Der Markt spielt mit: Die meisten Studien gehen davon aus, dass sich der Online-Markt für Kleidung und Schuhe in den nächsten fünf bis sechs Jahren nochmals verdoppelt. Das wären rund zehn Milliarden Euro Umsatz, die noch nicht verteilt sind.

„Der Verdrängungswettbewerb im Online-Handel ist im vollen Gange“, urteilt der Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH), Kai Hudetz. „Rund 90 Prozent der reinen Onlinehändler werden wieder vom Markt verschwinden“, prognostiziert der Branchenkenner.

Übrig bleiben würden vielleicht eine Handvoll reiner Online-Anbieter, außerdem klassische Händler mit Multi-Channel-Angeboten und Hersteller mit eigenen Online-Shops wie H&M und Esprit. Die Collins-Macher rechnen fest damit, dass sie dabei sind. Das wachsende Unternehmen, das gegenwärtig 180 Mitarbeiter beschäftigt, wechselt demnächst den Standort und zieht aus einer Randlage in die Hamburger Innenstadt.

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erstellt am 18.Sep.2014 | 15:34 Uhr

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