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Kliniken in Hamburg : Verdi warnt vor zu wenig Pflegepersonal in der Nachtschicht

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Verdi warnt vor einer Gefahr für Patienten durch unterbesetzte Nachtdienste in Hamburgs Krankenhäusern. Doch die Kliniken fühlen sich unterfinanziert, und die Krankenkassen wollen ihren Beitrag im Griff behalten.

shz.de von
erstellt am 06.Mär.2015 | 14:57 Uhr

Hamburg | Die Nachtdienste in Hamburgs Krankenhäusern sind nach Einschätzung der Gewerkschaft Verdi erheblich unterbesetzt. Die Quote, wie viele Patienten eine Pflegekraft betreuen soll, sei überhaupt nicht festgelegt, kritisierte der Gesundheitsexperte der Hamburger Dienstleistungsgewerkschaft, Michael Stock, am Freitag. Das werde nach Gutdünken geregelt. Dies müsse geändert werden. Verdi hatte in der Nacht zum Freitag in neun Hamburger Kliniken die Besetzung des Nachtdienstes abgefragt. Bundesweit hatte Verdi mehr als 200 Kliniken kontrolliert - mit ähnlichen Befunden.

Oft sei die Pflegekraft den Großteil der Nacht alleine auf der Station, berichtete Stock über die Hamburger Stichproben. Im Durchschnitt seien knapp 28 Patienten auf der Station. Eine Pflegekraft betreue rechnerisch 18,5 Patienten. Fast 60 Prozent der befragten Fachkräfte habe sich spontan an „gefährliche Situationen“ in den vergangenen vier Wochen erinnern können, die durch mehr Personal vermieden worden wären.

Mehr als zwei Drittel der Pflegekräfte sagten, von geregelten ungestörten Pausen könne keine Rede sein. Auch auf den Intensivstationen sei die Lage schlecht, sagte Stock. Es gebe die Empfehlung von Fachgesellschaften, wonach auf einen Pfleger zwei Patienten kommen sollten. In der Realität kämen in Hamburger Kliniken aber knapp vier Patienten auf eine Pflegefachkraft. Dieses Missverhältnis berge Gefahrenpotenzial, warnte Stock - und forderte, das Personal aufzustocken.

Die Hamburgische Krankenhausgesellschaft (HKG) betonte, schon jetzt könnten die Kliniken mit dem bestehenden System ihre Personalkosten nicht refinanzieren. „Wir wissen, dass unsere Leute auf Kante arbeiten“, sagte HKG-Geschäftsführerin Claudia Brase. Zugleich wandte sie sich aber gegen feste Vorgaben für Personalquoten. Dafür seien die Verhältnisse in den Häusern viel zu unterschiedlich.

Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) verwies auf die neue Expertenkommission beim Bundesgesundheitsministerium. Sie solle bis 2017 Vorschläge für ein neues Finanzierungssystem erarbeiten.

Bundesweit seien in den letzten zehn Jahren die Krankenhausfälle um über eine Million gestiegen, zugleich wurden trotz eines Pflegeförderprogramms 25.000 Stellen im nichtärztlichen Bereich abgebaut. „Wenn beispielsweise eine Krankenpflegekraft in Deutschland rund zehn Patienten, aber in Schweden oder den Niederlanden nur die Hälfte zu versorgen hat, ist dies deutlicher Beleg dafür, dass das System in deutschen Kliniken grundsätzlich hinterfragt werden muss.“

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