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Hamburger Reeperbahn : Verbot von Junggesellenabschieden? Auf dem Kiez hält man davon nichts

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In einigen Städten Deutschlands wehren sich die Wirte gegen die oft wilden Saufgelage. Unser Autor hat sich auf dem Kiez umgehört.

shz.de von
erstellt am 11.Aug.2017 | 19:23 Uhr

Schweizer, die sturztrunken und splitterfasernackt mitten auf der Reeperbahn in den Liegestütz gehen. Engländer, die sich im Sado-Maso-Kostüm gegenseitig auspeitschen und Dorfmädchen aus Panschwitz-Kuckau, die als Mickey-Maus verkleidet Flachmänner im Bauchladen verkaufen: Junggesellenabschiede auf der Reeperbahn erfreuen sich vor allem im Sommer großer Beliebtheit - Dutzende Gruppen ziehen an Wochenenden über die Meile. Einige Städte in Deutschland wollen diese Saufgelage, die nicht selten in Aggression enden, nun verbieten. Davon hält man auf dem Kiez gar nichts, wie ein Rundgang über die Reeperbahn zeigt.

<p>Monopol-Barchef David Niebuhr hält nichts von einem Verbot der Junggesellen-Partys. Lieber sollte man das Drogenproblem im Viertel bekämpfen.</p>

Monopol-Barchef David Niebuhr hält nichts von einem Verbot der Junggesellen-Partys. Lieber sollte man das Drogenproblem im Viertel bekämpfen.

Foto: Marco Tripmaker

David Niebuhr ist Barchef im „Hotel Monopol“ und der junge Mann hat von seinem Platz hinter der Theke schon so einiges gesehen: die Harley Days, den Schlagermove und natürlich auch unzählige Junggesellenabschiede. „Zu 90 Prozent laufen die eigentlich friedlich ab. Freitagmittag geht es los. Die Leute sprechen halt unsere Gäste vorne auf der Terrasse an und wollen was aus dem Bauchladen verkaufen. Frauen haben dabei eindeutig mehr Erfolg“, sagt Niebuhr.

Man habe allerdings auch schon eine Gruppe schwerst betrunkener Engländer im Hotel gehabt, die Handtücher aus dem Fenster geschmissen und Lampen zerstört hat. „Aber das passiert eher selten. Meistens ist es ganz lustig, zum Beispiel wenn sich ausgewachsene Kerle hier im Laden mit Waxstreifen enthaaren.“ Von einem Verbot der Junggesellenabschiede hält Niebuhr nichts, da solle man sich doch lieber einmal dem immer heftiger werdenden Drogenproblem am Hamburger Berg widmen.

„Ich könnte jetzt ehrlich sein und sagen, dass mir diese besoffenen Bengel mächtig auf die Nerven gehen. Aber was soll ich jetzt gegen diese Leute wettern, das wäre doch schwer geschäftsschädigend. Junggesellenabschiede bringen dem ganzen Kiez sehr viel Geld. Manche Gruppen mieten Läden komplett exklusiv und kommen schon mit Strechlimo vom Flughafen“, sagt die Betreiberin einer Bar auf der Großen Freiheit, die nicht genannt werden möchte. Stark betrunkene und abgängige Gruppen würden jedoch konsequent von der Security aus dem Laden entfernt.

<p>Ali Kaan vom St. Pauli Shop hat nichts gegen Junggesellenabschiede, freut sich aber trotzdem über die Security am Wochenende.</p>

Ali Kaan vom St. Pauli Shop hat nichts gegen Junggesellenabschiede, freut sich aber trotzdem über die Security am Wochenende.

Foto: Marco Tripmaker

Ali Kaan arbeitet seit sechs Monaten im „St. Pauli Shop“, einem der vielen Kioske auf der Reeperbahn, die den Besitzern scheinbar ein gutes Auskommen garantieren, so viele gibt es davon. In seinen Nachtschichten hat Kaan schon viele Junggesellenabschiede erlebt, „die Leute kommen aus allen Nationen, viele aus England, Spanien, Frankreich oder auch den USA“, so Kaan.

Freitags und sonnabends hat der Kiosk bis morgens um sechs geöffnet, „in diesen Nächten brauchen wir eine Security, weil es sonst einfach zu gefährlich ist. So lange die Leute nicht aggressiv werden, habe ich nichts gegen Junggesellenabschiede. Verbieten würde ich es nicht, das gehört hier einfach dazu. Und man sagt doch: Was auf der Reeperbahn geschieht, das bleibt auf der Reeperbahn“, schmunzelt er.

<p>Kai Schulze von der Shark Bar: „Ohne Junggesellenabschiede brechen uns bis zu 30 Prozent Umsatz weg'.</p>

Kai Schulze von der Shark Bar: „Ohne Junggesellenabschiede brechen uns bis zu 30 Prozent Umsatz weg".

Foto: Marco Tripmaker

Kai Schulze von der „Shark Bar“ rüstet sich gerade für das Wochenend-Geschäft und prüft die Bieranlagen. Ein Verbot von Junggesellenabschieden? „Das wäre völliger Wahsninn, dann würden uns 20 bis 30 Prozent Umsatz wegbrechen. Dann könnten wir den Laden bald ganz zumachen“, sagt Schulze.

Vor allem die Engländer würden unheimlich viel Geld auf dem Kiez lassen, „die sind dann vier Tage im Knatter.“ Aber auch aus Skandinavien kommen große Junggesellengruppen, die es krachen lassen. „Manchmal ist das auch ganz putzig, wenn nämlich Gruppen von Jungs und Mädels aufeinander treffen. Da findet sich schon mal das eine oder andere Pärchen“, sagt Schulze und lacht. 

Die Junggesellenabschiede auf dem Kiez, sie sterben einfach nicht aus.

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