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„Veganz“ : Veganer Supermarkt startet in Hamburg

vom

800.000 Menschen ernähren sich vegan. Eine Supermarktkette eröffnet Filialen, die ausschließlich Produkte anbieten, die nicht vom Tier stammen - auch Discounter folgen dem Trend.

Hamburg | „Es geht um bewusste Ernährung“, sagt Helen Unsinn, Geschäftsführerin von Hamburgs erstem veganen Supermarkt „Veganz“. In den Regalen tummeln sich allerlei unbekannte Lebensmittel: Algensnacks, Riesengarnelen aus Yamswurzeln oder Joghurt aus Kokosmilch. Es gibt Obst und Gemüse, aber auch Packungen, deren Inhalt nach Fleisch und Käse aussieht und so ähnlich schmecken soll – aber aus Soja oder Seitan (Produkt aus Weizeneiweiß mit fleischähnlicher Konsistenz) hergestellt worden ist. Der Supermarkt gehört zu einer Kette, die in sechs deutschen Städten Filialen eröffnet hat und europaweit expandieren will.

Dabei steckt hinter Veganismus oft mehr als nur abzulehnen, dass Tiere für das eigene Essen getötet werden. Es gibt auch ökologische Anreize. Immerhin werden laut Vegetarierbund Deutschland (VEBU) bei jedem Kilo Fleisch, das man einspart, 13 Kilo CO2-Ausstoß verhindert. Zudem würden 50 Prozent der Weltgetreideernte und 90 Prozent der Weltsojaernte zum Mästen der Tiere verwendet. Eine Studie des Stockholm Water Institute hat ergeben, dass 10.000 Liter Wasser benötigt werden, um ein Kilo Schweinefleisch herzustellen. Im Schnitt isst jeder Deutsche 60 Kilogramm Fleisch im Jahr.

Klaus Schüle, 42-jähriger Sozialpädagoge, isst einmal im Monat Fleisch, auch nicht viel öfter Wurst. Gerade hat er vegetarischen Käseersatz, Kastanien-Knäckebrot und Hähnchen süß-sauer aus Seitan in Unsinns Geschäft gekauft. „Das Sortiment komplett tierfreier Nahrung ist hier wesentlich größer als im Bioladen“, sagt er. „Vegan ist auf dem Vormarsch, da die Leute keine Lust mehr haben, alles einfach ohne Überlegung anzunehmen“, ergänzt Unsinn. „Sie machen die Augen auf und sehen, was unsere Industrie macht. Und viele wollen dagegen nun endlich ihre Stimme erheben, indem sie sich dagegen entscheiden, weiterhin tierische Produkte zu verzehren.“ Über ganz Hamburg verstreut gibt es vereinzelte Angebote: Cafés verkaufen vegane Torten, Fastfoodläden Burger und vegane Restaurants ganze Menüs. Die Hamburger Ladeninhaberin Unsinn, die rund 500 Kunden am Tag zählt, sagt: „Viele davon sind junge Besserverdiener“, was auch daran liege, dass das Sortiment beim Preis 20 Prozent über vergleichbarer Ware im normalen Supermarkt liegt.

„Für Schwangere und kleine Kinder ist vegane Ernährung nicht geeignet“, sagt Gisela Olias, Sprecherin vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung. Es gelte bei veganer Kost darauf zu achten, sich mit Eisen, Jodsalz und pflanzlichen Eiweißquellen zu versorgen. Vermeiden lassen sich Nahrungsergänzungsmittel nicht, etwa für Vitamin B12, das nur in tierischen Produkten enthalten ist. Der Vebu schätzt, dass sich in Deutschland mittlerweile 800.000 Menschen vegan ernähren. Der Umsatz mit veganen Produkten ist 2012 um mehr als 19 Prozent auf rund 232 Millionen Euro gewachsen. Einige Produkte gehören auch in Discountern längst zum Standardsortiment, Tofu beispielsweise, Sojamilch oder auch vegane Aufstriche. Nachdem Aldi Süd bereits 2011 vegane Würste und veganes Fleisch ins Sortiment nahm, zieht nun auch Aldi Nord nach. Das Signal ist klar: Vegane Produkte sind auf dem Vormarsch. 

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erstellt am 17.Sep.2013 | 17:54 Uhr

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