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Hamburg : Veddeler Hauswand strahlt golden - und die Kritik verschwindet

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Aus der Onlineredaktion

Künstler Boran Burchhardt hat seine viel kritisierte Arbeit vollendet. Und es ist ein Hingucker geworden.

Hamburg | Zur Feier des Tages war sogar das Protestbanner verschwunden. Der Künstler Boran Burchhardt hat sein umstrittenes Kunstwerk „Veddel vergolden“ vollendet. Seit dem 13. Juni hatte er mit Mitarbeitern die Fassade eines Backstein-Mietshauses in dem Arbeiterstadtteil mit echtem 23,5-Karat-Blattgold belegt, Kostenpunkt: 85.600 Euro, gezahlt aus dem Kulturtopf der Stadt.

Seine Aktion war von teils heftiger Kritik begleitet, dreimal gab es Anschläge auf die teilvergoldete Fassade und auf den Hubsteiger. Die einen beklagen eine skandalöse Steuerverschwendung, andere monieren, das Kunstwerk stelle die Bewohner der Veddel zur Schau wie Zootiere.

Am Dienstag rollte Burchhardt im Beisein mehrerer Dutzend Medienvertreter und Neugieriger die letzte hauchdünne Goldfolie auf einen noch freien Ziegel im Erdgeschoss. „ Ich bin mit den Reaktionen und mit den Gesprächen zufrieden, das ist ein ganz wesentlicher Teil meiner Arbeit“, atmete der Künstler auf.

Anwohner hatten die Kunstaktion skeptisch beäugt. Ein Mieter des Mehrfamilienhauses an der Veddeler Brückenstraße 152 hatte seinen Unmut etwa auf einem beschrifteten Laken am Fenster im vierten Stock kundgetan: „Schmier Dein Gold woanders hin.“ Am Dienstagvormittag war es weg.

Für neutrale Betrachter dürfte das Werk vor allem eines sein: ein Hingucker. 300 Quadratmeter Goldfläche, sechs Etagen hoch, im Sonnenschein schrill strahlend im Kontrast zum Backsteinrot der Umgebung – zum Staunen taugt das Goldhaus allemal. „Jeder, der herkommt, sieht nicht nur die Fassade, sondern auch alles andere im Stadtteil“, unterstrich Burchhardt seine Intention. Er wolle die angeblich so problematische Veddel ins rechte Licht und ins Bewusstsein der Hamburger rücken. Dafür brauche es echtes Edelmetall, keine Goldfarbe.

Wer genau hinsehe, erkenne dass im Stadtteil Menschen aus mehr als 70 Nationen friedlich zusammenlebten, so „Goldfinger“ Burchhardt. „Und das seit Jahrzehnten. Dann könnte man eigentlich sagen: Vorzeigestadtteil“, betonte der Künstler, von dem nach eigenen Worten eine Last abfällt. All die Wochen hatten er seine Mitstreiter nicht nur die Dauerkritik abwehren müssen, sondern in vielen Gesprächen auch den Sinn der Aktion erklärt. „Oft sind wir mit dem Hubsteiger immer wieder runter, um mit den Leuten zu reden. Das hat Spaß gemacht, war aber auch anstrengend.“

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erstellt am 18.Jul.2017 | 20:10 Uhr

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