Kohlekraftwerk Moorburg : Vattenfall und Hamburger Umweltbehörde streiten über Fernwärme

Das Kohlekraftwerk Moorburg in Hamburg-Moorburg. /Archiv
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Das Kohlekraftwerk Moorburg in Hamburg-Moorburg. /Archiv

Vattenfall will auch Fernwärme aus dem Kohlekraftwerk ins Hamburger Netz einspeisen – die Umweltbehörde will den Kohle-Ausstieg.

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15. Dezember 2017, 16:01 Uhr

Hamburg | Wie wird Hamburg das Uralt-Kohlekraftwerk Wedel ersetzen? Um diese Frage ist ein offener Streit zwischen Betreiber Vattenfall und der Stadt Hamburg ausgebrochen. Der schwedische Konzern lehnt das Konzept des grünen Umweltsenators Jens Kerstan ab, einen Großteil der Heizwärme künftig aus regenerativen Quellen zu gewinnen. Vattenfall beharrt darauf, Fernwärme aus seinem Mega-Kohlemeiler in Moorburg in den Westen der Metropole zu transportieren, um die dort rund 250.000 Menschen zu versorgen. Kerstan reagierte mit scharfer Kritik: „Vattenfall will den Ausstieg aus der Kohle in der Hamburger Fernwärme auf das Jahr 2035 verschieben. Das ist mit uns nicht machbar“, twitterte der Senator. Der Streit könnte die Abschaltung der Wedeler Anlage weiter verzögern. Der Kerstan-Plan sah bisher vor, das Steinkohlekraftwerk aus den 1960er Jahren im April 2022 vom Netz zu nehmen.

Zum Zerwürfnis kam es am Freitag in der Gesellschafterversammlung der Fernwärme Hamburg GmbH, an der die Stadt mit 25,1 und Vattenfall mit 74,9 Prozent beteiligt sind. Kerstan wollte in dem Gremium sein Ökowärme-Konzept endgültig absegnen lassen, das einen Ausstieg aus der kohlebasierten Wärmeerzeugung ab 2025 vorsieht. Statt dessen soll die Heizenergie künftig aus Industrieabwärme, Müllverwertung sowie unterirdischen Wärmespeichern kommen. Die Vattenfall-Vertreter bestanden dagegen darauf, Wärme aus dem Großmeiler Moorburg einzubeziehen. Ihr Argument: Nur so seien verbraucherverträgliche Preise möglich. Wärme fällt in Moorburg bei der Stromerzeugung in großen Mengen an, im Koalitionsvertrag haben SPD und Grüne deren Nutzung allerdings ausgeschlossen.

Die Blockade durch den Mehrheitseigner kommt nicht ganz überraschend. Die Schweden versuchen, aus betriebswirtschaftlichen Gründen eine Tür für ihr Moorburger Fernwärmepotenzial zu öffnen. Es gebe in dieser Frage keinen Konsens mit der Stadt, teilte Vattenfall mit. „Generell sind wir weiterhin davon überzeugt, dass die Erschließung vorhandener Wärmequellen und deren Anschluss an unser Fernwärmesystem mittelfristig die bestmögliche Lösung für eine zukunftsfähige Versorgung ist“, sagte Vattenfall-Wärme-Geschäftsführer Pieter Wasmuth. 

Zu klären sei, ob es „sinnvoll ist, ohnehin vorhandene Wärme auch weiterhin wegzukühlen oder sie künftig nicht doch zu nutzen“. Auch zu möglichen Preissteigerungen für die Kunden durch das neue Wärmekonzept seien weitere Gespräche und Untersuchungen erforderlich.

Trotz der gegensätzlichen Positionen gab sich Kerstan zuversichtlich, mit dem Energieriesen bis Mitte 2018 zu einer Übereinkunft zu kommen. 2019 will Hamburg einen Volksentscheid umsetzen und das Fernwärmenetz wieder zu 100 Prozent in städtischen Besitz bringen.

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