Hamburger Betonfrachter : Unglücksschiff „Cemfjord“ hatte technische Mängel

Das Hamburger Unglücksschiff „Cemfjord“ havarierte im Sturm vor der schottischen Ostküste.
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Das Hamburger Unglücksschiff „Cemfjord“ havarierte im Sturm vor der schottischen Ostküste.

Was war die Ursache für die Havarie der „Cemfjord“? Einem Medienbericht zufolge durfte der Zementfrachter nur unter Vorbehalt operieren.

shz.de von
06. Januar 2015, 12:46 Uhr

Hamburg/Wick | Nachdem die Suche nach den acht vermissten Besatzungsmitgliedern der „Cemfjord“ vor der Hafenstadt Wick an der schottischen Küste eingestellt wurde, richtet sich das Augenmerk auf die Ursachenforschung. Warum havarierte der 30 Jahre alte Zementfrachter der Hamburger Reederei Brise?

Das Unternehmen bescheinigte bis zuletzt, dass die Inspektionen im Dezember 2014 erfolgreich verlaufen waren. Einem NDR-90,3-Bericht vom Montag zufolge soll das Frachtschiff aber technische Mängel gehabt haben, die dazu führten, dass der Betrieb nur noch mit strengen Ausnahmegenehmigungen fortgesetzt werden konnte. Gegen Ende des Jahres soll es gemäß der Unterlagen zypriotischer Behörden Probleme mit dem Lenzsystem gegeben haben, welches Wasser aus dem Schiffsrumpf nach außen pumpt. Daraufhin wurde die Reederei verpflichtet, zwei mobile Pumpen an Bord zu führen. Das Schiff durfte sich vorerst nicht mehr als 150 Meilen von der Küste entfernen.

Mängel soll der unter zypriotischer Flagge fahrende Zementfrachter außerdem bei einem Rettungsboot gehabt haben, so dass eine zusätzliche Rettungsinsel obligatorisch mitgeführt wurde. Ein Reederei-Sprecher betätigte die Mängelliste auf Nachfrage des Senders. Man habe die Auflagen der Behörden aber erfüllt und sei seetüchtig gefahren.

Experten vermuten, dass der „Cemfjord“ ein ähnliches Schicksal wiederfahren sein könnte, wie dem Containerfrachter „München“ im Dezember 1978. Dieser geriet nördlich der Azoren in einen Orkan, aus dem eine mindestens 25 Meter hohe Riesenwelle (engl.: Freak Wave) entstand, die das Schiff kentern ließ. Wellen dieser Größenordnung wurden in den letzten Jahrzehnten häufiger registriert. 2001 wurde das deutsche Kreuzfahrtschiff „Bremen“ von einer 35 Meter hohen Monsterwelle getroffen und trug erhebliche Schäden davon.

Die 83 Meter lange „Cemfjord“ war mit 2000 Tonnen Zement aus Dänemark beladen und auf dem Weg nach Runcorn bei Liverpool an der britischen Westküste. Die Besatzung hatte einem Sprecher der Reederei Brise zufolge zuletzt am Freitag zur Mittagszeit ein Signal abgegeben. Die „Cemfjord“ kenterte bei stürmischem Wetter an der schottischen Nordseeküste. Ein Notrufsignal hatte die Besatzung nicht abgesetzt, wie die Reederei mitteilte.

Die Besatzung einer Passagierfähre hatte am Samstag den Rumpf des Frachters 24 Kilometer nordöstlich der schottischen Hafenstadt Wick umgedreht im Wasser entdeckt. Nur noch der Bug des Frachters ragte aus dem Wasser. Mit Hubschraubern und einem Flugzeug suchten die Mannschaften am Sonntag bis zum Einbruch der Dämmerung nach den sieben Seemännern aus Polen und einem Philippinen. Die Suche nach den Vermissten blieb jedoch erfolglos und wurde nach 48 Stunden abgebrochen.

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