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Hamburg : Umstrittenes Kohlekraftwerk Moorburg offiziell am Netz

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Nach über sieben Jahren Bauzeit speist das Steinkohlekraftwerk Moorburg nun im Regelbetrieb Strom ins Netz. Ein schwarzer Tag für Umweltschützer.

Das Kohlekraftwerk Moorburg im Süden Hamburgs hat am späten Samstagabend offiziell seinen gewerblichen Betrieb aufgenommen. Nach mehr als einem Jahr Probe- und Testbetrieb erfülle der erste Block des Kraftwerks mit 827 Megawatt Leistung nunmehr die Anforderungen des Netzbetreibers, teilte der Kraftwerksbetreiber Vattenfall in Hamburg mit. Schon während die Anlage angefahren und optimiert wurde, habe sie mehr als 1,6 Milliarden Kilowattstunden Strom ins Netz eingespeist. Der zweite Block soll im Sommer folgen.

Umweltschützer nannten den kommerziellen Start des Kraftwerks einen „schwarzen Tag für den Klimaschutz“. Das Kraftwerk setze pro Jahr acht bis neun Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid frei und laufe damit allen Hamburger Klimaschutzanstrengungen zuwider, heißt es in einer Mitteilung des Bundes für Umwelt- und Naturschutz BUND.

Damit stehe auf Hamburger Staatsgebiet ein Mahnmal für eine verfehlte Energiepolitik. Das Kraftwerk sei klimaschädlicher und unwirtschaftlicher als andere Lösungen und passe nicht in die Versorgungsstruktur der Zukunft. Die Mehrheit der Deutschen will nach einer repräsentativen Umfrage des Instituts YouGov im Auftrag der Umweltorganisation WWF und des Ökoenergie-Anbieters Lichtblick aus der Kohleverstromung aussteigen.

Danach sind 67 Prozent dafür, Kohle auslaufen zu lassen; 19 Prozent wollen sogar alle Kohlemeiler zügig abschalten. Nur 21 Prozent der Bundesbürger seien davon überzeugt, dass Kohle auch in Zukunft für eine sichere Stromversorgung benötigt werde. „Wir brauchen keine neuen Meiler, sondern einen schrittweisen Abschied von der Kohle“, sagte Gero Lücking von Lichtblick.

Grünen-Fraktionschef Jens Kerstan erinnerte daran, dass die damals grün geführte Umweltbehörde 2008 die Genehmigung für Moorburg nach einem Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Hamburg erteilen musste.„Heute teilt die EU-Kommission die Rechtsposition, dass die Genehmigung nicht hätte erteilt werden dürfen“, erklärte er. Die Anlage blase mehr Quecksilber in die Luft als die gesamte Hamburger Industrie zusammen. „In der heutigen Energielandschaft ist das Kohlekraftwerk ein lebendes Fossil“, sagte Kerstan. „Es war schon überholt, als es geplant wurde.“

Vattenfall erklärte, Moorburg gehöre mit einem Wirkungsgrad von 46,5 Prozent zu den effizientesten und umweltfreundlichsten Kohlekraftwerken in Europa. Im Vergleich zu älteren Steinkohlekraftwerken spare das Kraftwerk rund 2,3 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr.

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erstellt am 01.Mär.2015 | 10:22 Uhr

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