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Blick in Hamburgs Vergangenheit : Über Weihnachten kommen Filmfreunde auf ihre Kosten

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Hamburg 1 zeigt an drei Tagen Dokumentationen aus dem Archiv des Hamburger Regisseurs Reginald Puhl.

shz.de von
erstellt am 21.Dez.2016 | 13:00 Uhr

Hamburg | Ein Juwel Hamburgischer Filmgeschichte läuft im Feiertagsprogramm bei Hamburg 1: Raritäten aus dem Archiv des berühmten Hollywood-Regisseurs Reginald Puhl, der in den Nachkriegsjahren als junger Regisseur und Produzent in Zusammenarbeit mit der Hamburger Hochbahn Dokus über seine Heimatstadt drehte.

„Hamburg historisch“ heißt die einstündige Sendung, in der die norddeutsche Metropole in alten Bildern als 15-minütige Filme gezeigt wird. In „Alster, Perle der Großstadt“ (1953), verlieh Carl Voscherau, Vater des einstigen Ersten Bürgermeisters der Hansestadt, dem launigen Barkassenführer seine Stimme – in herrlich breitem Hamburgisch, versteht sich. „Eines Tages lud mich Axel Springer zum Essen ins Hotel Vier Jahreszeiten ein“, erinnert sich Puhl. „Er schaute auf die Alster und meinte, sie sei eine richtige Perle der Großstadt. Der Titel für einen der Kurzfilme war geboren.“

Die Filmaufnahmen zeigen Szenen aus dem Hamburg der Nachkriegszeit.
Die Filmaufnahmen zeigen Szenen aus dem Hamburg der Nachkriegszeit. Foto: PT

In „Zwischenstation Hamburg“ (1952) berichten nach einem Tagesbesuch ein junges Mädchen und ein Kaufmann, was sie dort jeweils erlebt haben, und der „Bericht einer rastlosen Stadt“ zeigt als Dokumentation, was man damals so unter Rastlosigkeit verstand – ein spannender Vergleich. Als Zeitzeugen berichten zwischen den einzelnen Filmen die ehemalige Tagesschausprecherin Dagmar Berghoff und Reginald Puhl vom Lebensgefühl eines Hamburgs im Wiederaufbau.
Damals war die Lombardsbrücke noch ganz neu, die ersten „Deerns“ sonnten sich in gepunkteten Bikinis am Alsterufer, und Carl Voscherau schwärmte von der Promenade, „die jedem Kurort an der Riviera alle Ehre machen würde“. An vielen der Hamburgensien scheint die Zeit spurlos vorbei gegangen zu sein, an den Alsterdampfern zum Beispiel, die gestern wie heute „Ammersbek“ oder „Eilbek“ heißen, an den „Jungfrauen auf dem Dach vom Hotel Atlantic“, wie der Barkassenführer sie bezeichnete, und an den Wassersportlern. Nur dass die Autos damals weitaus mehr Klasse zu haben schienen und der junge Paddler heute ein alter Mann sein dürfte, lässt einen Hauch von Wehmut aufkommen.

Besuch bei Reginald Puhl in Hamburg-Rotherbaum. „Nova Entertainment GmbH“ und klein darunter „Hamburg-Beverly Hills“ steht an der Tür, die Wände seines Büros sind mit Fotos behängt, die ihn als Regisseur und Produzent zeigen, häufig mit den Großen dieser Welt. Auf mehreren Fotos ist seine Lebensgefährtin, die australische Schauspielerin und engagierte Tierschützerin Jane Murray, zu sehen. „Damals wurden im Kino vor dem Hauptfilm sogenannte Kulturfilme gezeigt“, erklärt Puhl. „Bekamen sie ein Prädikat von der freiwilligen Selbstkontrolle, erhielt der Kinobesitzer Ermäßigung auf die Vergnügungssteuer“. Hamburg in den 50er Jahren habe Reginald Puhl ein bisschen besser gefallen als heute. „Es war entschleunigter“ sagt der Filmproduzent, der damals seine Stadt als rastlos bezeichnete.

Hamburg historisch auf Hamburg 1: Die Sendungsreihe läuft erstmals am 23. Dezember um 19 Uhr. Es folgen Wiederholungen am 24.12. um 20.15 Uhr, am 25.12. um 20.45 Uhr und am 26.12. um 22.15 Uhr.

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