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Hamburg : Türken und Kurden wollen demonstrieren - Polizei befürchtet Gewalt

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Nationalistische Türken wollen auch in Hamburg gegen die jüngsten Terroranschläge in ihrer Heimat protestieren. Nach Angaben der Polizei drohen Zusammenstöße mit Kurden und linken Gegendemonstranten.

Hamburg | Eine Anti-Terror-Kundgebung von Türken und eine Gegendemonstration von Kurden und linken Gruppen stellen die Hamburger Polizei am Sonntag vor große Herausforderungen. Vor dem Hintergrund der jüngsten Terroranschläge und des Kurdenkonflikts wollen die von der Polizei als national-konservativ bezeichneten Türken am Dammtorbahnhof Frieden für die Türkei und für Europa fordern. Es werden etwa 1000 Teilnehmer erwartet, sagte ein Polizeisprecher am Freitag.

Etwa ebensoviele Gegendemonstranten wollen sich am Bahnhof Sternschanze versammeln und von dort zum türkischen Generalkonsulat ziehen. Sollten die beiden Demonstrationen aufeinandertreffen, könnte es nach Einschätzung der Polizei zu Ausschreitungen kommen. „Das werden wir verhindern“, sagte der Polizeisprecher. Zu der türkischen Kundgebung werden den Angaben zufolge auch Teilnehmer erwartet, die sich als „vaterlandsliebend“ bezeichnen. Die Gegendemonstranten sprechen von „Faschisten“. „Das ist schon ein bisschen emotionsbeladen“, erklärte der Polizeisprecher.

Hintergrund: Türken und Kurden in Deutschland

Der seit Jahrzehnten blutig ausgetragene Konflikt um die Kurden in der Türkei wird hin und wieder auch in Deutschland spürbar. So eskalierte etwa Ende März eine von überwiegend nationalistischen Türken organisierte Demonstration in Aschaffenburg, die nach Polizeiangaben von Kurden angegriffen wurde.

Doch wie viele Kurden und Türken leben eigentlich hierzulande? Insgesamt stellen die Menschen mit türkischer Staatsangehörigkeit die größte Ausländergruppe in Deutschland. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden waren Ende 2015 unter den rund 6,8 Millionen Ausländern in Deutschland etwa 1,5 Millionen Türken. Davon leben rund eine halbe Million im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen. Hinzu kommen Türkischstämmige, die mittlerweile die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen haben.

Nach Angaben der Kurdischen Gemeinde Deutschland, die sich als Dachverband versteht und ihren Sitz in Gießen hat, leben etwa 1,2 Millionen Menschen kurdischer Abstammung in Deutschland. Darunter sind Zuwanderer aus der Türkei, aber auch aus Syrien, dem Irak und dem Iran. Insgesamt leben Schätzungen zufolge etwa 24 Millionen Kurden über die Länder Türkei, Irak, Iran und Syrien verteilt.

Die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK (Partiya Karkeren Kurdistan), die für ein Autonomiegebiet im Südosten der Türkei kämpft, wird von den USA und Europa als Terrororganisation eingestuft. Seit 1993 ist die PKK in Deutschland verboten.

 

Türkische Nationalisten wollen am Sonntag auch in mehreren anderen deutschen Städten demonstrieren. Am Ostersonntag war es in Aschaffenburg (Bayern) zu Krawallen gekommen, als Kurden eine Demonstration mit überwiegend nationalistischen Türken mit Steinen und Feuerwerkskörpern angriffen. 36 Menschen wurden festgenommen.

In den vergangenen Monaten sind in der Türkei bei mehreren Bombenanschlägen Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 30 Menschen starben am 13. März bei der Explosion einer Autobombe in Ankara. Zu einem ähnlichen Anschlag einen Monat zuvor hatte sich eine kurdische Gruppe bekannt. Auch im Südosten des Landes sind die Kämpfe zwischen Sicherheitskräften und der kurdischen PKK wieder aufgeflammt.

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erstellt am 08.Apr.2016 | 16:38 Uhr

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